- Nettogewinne der zehn größten europäischen Banken steigen um 21 Prozent auf knapp 59 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2026
- US-Top-Institute mit Rekord-Halbjahr: kumulierte Nettogewinne wachsen um 42 Prozent auf rund 111 Mrd. Euro
- Bilanzsumme, Eigenkapital und Marktkapitalisierung erreichen historische Höchststände auf beiden Seiten des Atlantiks
- EY-Partner Tillmann: „Konsolidierungsdruck in Europa nimmt spürbar zu“
Die je zehn größten Banken in Europa und den Vereinigten Staaten haben das erste Halbjahr 2026 trotz geopolitischer Spannungen und schwacher Weltwirtschaft sehr stark abgeschlossen – das Wachstum hat sich in beiden Regionen im Vorjahresvergleich spürbar beschleunigt. Allerdings ist der Abstand zwischen den europäischen und US-Banken dabei wieder deutlich größer geworden.
So stieg der kumulierte Nettogewinn der zehn größten europäischen Banken im ersten Halbjahr 2026 um 21 Prozent auf 59 Mrd. Euro – der zweithöchste Wert in den vergangenen zehn Jahren. Die US-amerikanischen Top-Institute wuchsen mit 42 Prozent aber noch deutlich stärker und kamen auf einen Nettogewinn von 111 Mrd. Euro – ein neuer Höchststand in der vergangenen Dekade.
Bei der Profitabilität (Return on Equity, RoE) wurden zwar keine Rekordmarken erreicht, die Werte liegen aber über den Vorjahreswerten. Die europäischen Großbanken steigerten sich auf 12,3 Prozent; das ist der zweithöchste Wert der vergangenen Dekade. Die Eigenkapitalrentabilität der amerikanischen Banken erhöhte sich noch etwas stärker auf 15,0 Prozent, den ebenfalls zweitbesten Wert seit 2016. Im vergangenen Jahrzehnt lag der RoE-Wert der amerikanischen Top-10-Banken nur im ersten Halbjahr 2023 unter dem ihrer europäischen Wettbewerber (12,5 Prozent gegenüber 16 Prozent). Auch beim operativen Ergebnis (EBT) legten europäische Banken deutlich zu und erreichten mit 78,1 Mrd. Euro den zweitbesten Halbjahreswert (seit 2015). In den USA explodierte der operative Gewinn im Vorjahresvergleich um 45 Prozent auf knapp 140 Mrd. Euro. Spitzenreiter in den USA war JPMorgan Chase mit 42 Mrd. Euro, in Europa lag die HSBC mit rund 17,1 Mrd. Euro vorn.
Bei den Eigenkapitalquoten hingegen ist eine gegenläufige Entwicklung zu konstatieren. Der kombinierte Wert der europäischen Banken sank auf 4,9 Prozent, den niedrigsten Wert seit 2015. Bei den US-Instituten ging er ebenfalls leicht auf 6,3 Prozent zurück. Von der guten Gewinnentwicklung dies- und jenseits des Atlantiks profitieren auch Investoren und Anleger: Die Marktkapitalisierung der europäischen Banken belief sich per 28. August 2026 kumuliert auf rund 1,14 Billionen Euro und lag damit um 18 Prozent über dem Niveau vom Jahresende 2025. Im gleichen Zeitraum stieg die Marktkapitalisierung der zehn größten amerikanischen Banken um fünf Prozent. Zum Stichtag 28. August 2026 belief sie sich kumuliert auf knapp 2,4 Billionen Euro und übertraf damit den kumulierten Börsenwert der europäischen Großbanken um mehr als 100 Prozent.
Das sind die Ergebnisse einer EY-Analyse der Bilanzen der jeweils nach Bilanzsumme zehn größten Banken in den Vereinigten Staaten und Europa.
„Alle untersuchten Banken können auf ein außergewöhnlich gutes Halbjahr zurückblicken. Für die US-Top-Banken war es ein Kapitalmarkt-Halbjahr: Rekord-Trading, starke Anstiege bei M&A-Transaktionen und ein besonderes IPO-Umfeld ließen die Gewinne deutlich ansteigen. Europas Institute profitierten vor allem von operativer Stärke dank stabiler Zinsmargen, diversifizierter Erträge und strikter Kostendisziplin“, resümiert Ralf Eckert, Managing Partner Financial Services Deutschland bei EY. „Die Halbjahresanalyse zeigt auch, dass Europas Großbanken durch ihre initiierten Transformationsprogramme strukturell an Kraft gewonnen haben. Zugleich müssen wir aber konstatieren, dass der amerikanische Vorsprung größer geworden ist und weiterhin substanziell ist.“
Ausblick zweites Halbjahr 2026
An den grundsätzlichen Risiken und Chancen habe sich zudem seit Jahresanfang wenig geändert, so Eckert: „Geopolitische Risiken bestehen weiterhin und werden für Schwankungen an den globalen Kapital- und Energiemärkten sorgen. Dazu kommen makroökonomische Unsicherheiten durch die Verteuerung von Rohstoffen und Logistikaufwendungen sowie die erwarteten Zinsentscheidungen von Fed und EZB. Intern bleiben die Banken weiterhin gefordert, ihre Kostenstruktur zu halten und gleichzeitig in erheblichem Umfang in neue und notwendige Technologien zu investieren. Mit Blick auf mögliche weitere Mega-IPOs in den USA können vor allem US-Institute mit anhaltend hohen Handelserlösen rechnen, die ihre europäischen Pendants nicht erreichen werden. In Konsequenz dürfte sich so die Ertragslücke weiter ausweiten.“
„Fusionen um jeden Preis können nicht die Antwort in Europa auf den zunehmenden Konsolidierungsdruck sein; die Unterschiede der Ertragsstruktur mit starkem Fokus auf Zinsertrag und entsprechender Kapitalisierung der europäischen Banken bleiben“, bilanziert Gunther Tillmann, Partner und Leiter Banking & Capital Markets bei EY. „Für europäische Banken ergeben sich Chancen aus den erforderlichen Investitionen in Daten- und Technologiesouveränität, Verteidigung und Infrastruktur.“ „Für den deutschen Bankensektor entstehen zusätzliche Herausforderungen durch den Wettbewerbsdruck infolge des Markteintritts internationaler Banken, von Neobrokern und Kryptoplattformen. Dabei geht es vor allem auch um die Positionierung an der Kundenschnittstelle“, resümiert Tillmann.