Majestätisches Teleskop auf einem schneebedeckten Hügel unter einem sternenklaren Himmel.

Wie verändert künstliche Intelligenz die eDiscovery?

Künstliche Intelligenz macht eDiscovery schneller, kontextbezogener und strategischer. Unternehmen profitieren von effizienteren Analysen.


Überblick

  • KI macht eDiscovery schneller, kontextbezogener und präziser – auch bei großen, mehrsprachigen und komplexen Datenbeständen.
  • Klassische Suchwortfilter stoßen an Grenzen, da sie relevante Inhalte übersehen oder zu viele irrelevante Treffer liefern können.
  • Entscheidend für gerichtsfeste KI-Ergebnisse bleiben Transparenz, Qualitätssicherung, Datenschutz und menschliche Kontrolle.

Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde; das gilt besonders für eDiscovery. Während bei manchen KI-Ankündigungen die Realität nicht immer mit dem Medienhype mithalten kann, lässt sich hier in der Tat von einer grundlegenden Veränderung sprechen: Die Art und Weise, wie interne Untersuchungen durchgeführt werden, wandelt sich spürbar.

Klassische eDiscovery in internen Untersuchungen sind seit Jahren mit steigenden Herausforderungen konfrontiert. Sachverhalte werden komplexer, Kommunikationswege und Medientypen vielfältiger, Datenmengen wachsen massiv. Hinzu kommen höhere rechtliche Anforderungen und multinationale Sachverhalte mit mehrsprachigen Dokumenten, Datenquellen aus der Cloud und unterschiedlichen Jurisdiktionen.

Warum stößt traditionelle eDiscovery an Grenzen?

Neben der Akquise und technischen Aufbereitung von Daten entwickeln eDiscovery-Fachleute gemeinsam mit Forensic-Teams, Rechtsanwält:innen, Ermittler:innen und Spezialist:innen Filterkriterien. Diese sollen helfen, fallrelevante Dokumente zu identifizieren und zu priorisieren.

Ziel ist es, die Zahl der Fehltreffer bei vertretbarem Zeit- und Kostenaufwand gering zu halten. Dabei besteht ein Spannungsverhältnis: Eine Senkung der Falsch-positiv-Quote geht häufig mit einem höheren Risiko falsch-negativer Ergebnisse einher und umgekehrt. Da nicht erkannte relevante Dokumente oft das größere Risiko darstellen, nehmen Analyst:innen viele falsch-positive Treffer in Kauf, die anschließend manuell ausgefiltert werden müssen.

Traditionelle Suchwortfilter bringen zusätzliche Risiken mit sich. Falsch-negative Ergebnisse können durch abweichende Schreibweisen, Tippfehler oder nicht berücksichtigte Begriffe entstehen. Hinzu kommen steigende Datenmengen, mehrsprachige Dokumente, Dubletten und komplexe Datenstrukturen, die auch Audio-, Bild- und Videoinhalte umfassen können.

Was leistet moderne, KI-gestützte eDiscovery?

Die Einbindung moderner KI-Technologie, insbesondere der Einsatz generativer KI (GenAI), hat einen Paradigmenwechsel in der eDiscovery eingeläutet. Abgesehen von Datenakquise und Datenaufbereitung treten technische Aspekte zunehmend in den Hintergrund. Stattdessen rückt die Ermittlung selbst stärker in den Fokus.

Ausgangslage, Rahmenbedingungen, Ermittlungsgegenstand und Arbeitsaufträge können detailliert in natürlicher Sprache an KI-Systeme kommuniziert werden.


Ergebnisse lassen sich schnell aufbereiten. Die KI liefert dabei nicht nur Ergebnisse, sondern kann auch erklären, wie diese zustande gekommen sind.


Je nach System können Personen, die das System nutzen, direkt mit Ergebnissen interagieren, etwa in Chats mit Daten, in denen Fragen gestellt oder Dokumente eingesehen werden können. Betrug, Wettbewerbsverstöße, Bestechlichkeit, Insiderhandel, Geheimnisverrat, Governance- oder regulatorische Verstöße können so mithilfe moderner KI-Systeme untersucht werden.
 

Wie läuft KI-gestützte eDiscovery ab?

Auch bei KI-gestützter eDiscovery müssen relevante Daten zunächst identifiziert und akquiriert werden. Bereits dieser Teil des Prozesses kann durch KI unterstützt werden.
 

Schon bei der Datenaufbereitung eröffnet der gezielte KI-Einsatz neue Möglichkeiten. Fortgeschrittene Texterkennung, Transkription von Audiodateien, Analyse von Bild- und Videomaterial sowie Übersetzung fremdsprachiger Dokumente sind nur einige Beispiele. Je nach Aufgabenstellung kommen unterschiedliche KI-Modelle ebenso wie konventionelle Filter- und Analysetechniken zum Einsatz.
 

Danach werden Daten klassifiziert, also Untersuchungsgegenständen, Fragestellungen und Untersuchungszielen zugeordnet und nach Relevanz bewertet – etwa für den Dokumenten-Review oder die Analyse unstrukturierter Daten. Die Besonderheit von KI liegt darin, dass Analyst:innen Aufgaben, Kriterien und Zielsetzungen in natürlicher Sprache kommunizieren können. Die KI verknüpft diese mit vorhandenem Wissen und externen Quellen – was oftmals aber nicht gewünscht wird.
 

KI kann Dokumente oder Erkenntnisse zudem aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten, etwa aus der Perspektive eines Rechtsanwalts, einer Datenschutzexpertin, eines Betriebsrats oder eines Prozessgegners. Solche Perspektivwechsel ersetzen keine fachliche Prüfung, können aber Denkanstöße liefern. Eine weitere Anwendung ist die Filterung sensibler Inhalte, etwa bei E-Mails, für deren Kenntnisnahme durch Dritte kein ausreichender Anlass besteht.
 

Warum ist Nachvollziehbarkeit so wichtig?

Die Automatisierung von Analysen bringt Risiken mit sich. KI-Modelle können Fehler machen – etwa durch Fehlinterpretation der Daten, unzureichende Schlussfolgerungen oder inhärente Probleme großer Sprachmodelle wie Bias und Halluzinationen.
 

Neben der Qualitätssicherung sind drei Aspekte wichtig: 

  1. die Erläuterung des Analysewegs
  2. die Angabe der zugrunde liegenden Quellen 
  3. eine zusätzliche Kontrolle der Ergebnisse

KI kann dabei helfen, eigene Resultate durch andere Modelle, abgewandelte Prompts oder gezielte Tests gegenzuprüfen. Eine menschliche Prüfung ersetzt dies jedoch nicht.
 

Welche Rolle spielt agentische KI?

Agentische KI bezeichnet KI-Systeme, die als eigenständige Agenten fungieren. Sie können autonom handeln und Entscheidungen treffen, um bestimmte Ziele zu erreichen oder Aufgaben auszuführen. In der eDiscovery können KI-Agenten Prozesse automatisieren, Prioritäten setzen, Ressourcen planen und auf Ausnahmen reagieren.
 

Wie werden Erkenntnisse präsentiert?

Eine besondere Stärke moderner KI-Systeme liegt in der Berichtserstellung und der Visualisierung. Erkenntnisse können auf vielfältige Weise präsentiert werden. Inhalt, Umfang, Sprache und Detaillierungsgrad lassen sich flexibel an die gewünschte Zielgruppe anpassen. Neben klassischen Berichten und Präsentationen lassen sich auch interaktive Auswertungen erstellen.
 

Wie lässt sich die Qualität sichern?

Für die verantwortungsvolle Einbindung von KI in interne Untersuchungen ist es entscheidend, Qualität richtig zu managen. Dabei gilt es, die Balance zwischen sinnvoller Automatisierung und menschlicher Kontrolle zu wahren. Die Vorstellung, KI könne Fehler vollständig ausschließen, hat in der Untersuchungspraxis keinen Platz.


Ergebnisse einschließlich ihrer Quellen sollten immer auf Korrektheit und Vollständigkeit geprüft werden.


KI-Systeme können und werden Fehler machen. Viele davon lassen sich vermeiden, wenn KI-gestützte eDiscovery richtig geplant und durchgeführt wird. Qualität muss von Anfang an Teil des Projektdesigns sein. Wichtige Faktoren sind korrekt aufbereitete Daten, die Auswahl des passenden KI-Modells, Parametrisierung, Prompt- und Agentendesign sowie technische Qualitätsprüfungen.

In Managed-Services-Modellen kann KI-gestützte eDiscovery zudem helfen, wiederkehrende Analyse-, Review- und Reporting-Prozesse effizienter, skalierbarer und konsistenter umzusetzen.
 

Am Ende bleibt der Mensch der entscheidende Faktor. Ergebnisse einschließlich ihrer Quellen sollten immer auf Korrektheit und Vollständigkeit geprüft werden. Trotz aller Unterstützung durch KI muss das Ergebnis von Menschen präsentiert und nachvollzogen werden können.
 

Warum wird Vertrauen zum Erfolgsfaktor?

Der Einsatz künstlicher Intelligenz verändert interne Untersuchungen und eDiscovery auf bislang nicht da gewesene Weise. KI ist ein mächtiges Werkzeug, bringt aber neue Risiken mit sich.
 

Vertrauen wird deshalb zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Nur wenn KI-Ergebnisse nachvollziehbar, überprüfbar und methodisch sauber erzeugt werden, kann KI-gestützte eDiscovery ihr volles Potenzial entfalten.


Fazit

KI-gestützte eDiscovery kann interne Untersuchungen deutlich effizienter, präziser und nachvollziehbarer machen. Gerade bei komplexen Sachverhalten, großen Datenmengen und internationalen Strukturen eröffnet KI neue Möglichkeiten. Entscheidend bleibt jedoch, Ergebnisse sorgfältig zu prüfen und menschliche Kontrolle fest im Prozess zu verankern.


FAQ: Was Unternehmen über KI in der eDiscovery wissen sollten


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