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Warum Internal Investigations mehr als nur Interviews und E-Mails sind

Moderne interne Untersuchungen sind interdisziplinär und datengetrieben. Welche Methoden heute die entscheidende Rolle spielen.


Überblick:

  • Internal Investigations sind heute interdisziplinäre Projekte – nicht mehr primär interview- und E-Mail-getrieben.
  • Hypothesenbasierte Untersuchungen verhindern ungerichtete Datensammlungen und erhöhen die Trefferquote relevanter Spuren.
  • OSINT liefert häufig früh entscheidende Hinweise und stärkt die Kontextualisierung länder- und personenübergreifender Sachverhalte.

Moderne Forensic Services haben sich durch zunehmende regulatorische Dichte, globale Lieferketten, digitalisierte Geschäftsmodelle und eine praktisch unbegrenzte Datenverfügbarkeit fundamental weiterentwickelt.

Professionelle Internal Investigations sind heute interdisziplinäre Projekte, in denen Jurist:innen, ehemalige behördliche Ermittler:innen, Data Scientists, Forensic Accountants, OSINT-Fachleute („OSINT“ steht für „Open Source Intelligence“) und IT-Forensiker:innen gemeinsam arbeiten. Sie verbinden menschliche Erfahrung mit digitaler Analytik und bringen Ordnung in ein Umfeld.

Ziel moderner Untersuchungen ist es,

  • menschliche Erfahrung mit datenbasierter Analytik zu verbinden,
  • belastbare Ergebnisse unter Zeitdruck zu liefern und
  • Untersuchungen nachvollziehbar, strukturiert und rechtssicher durchzuführen.

Internal Investigations sind 2026 kein Interview- und Document-Review-Projekt mehr, sondern ein forensisches Gesamtprogramm aus Daten, Technologie und menschlicher Expertise.


Der folgende Beitrag zeigt, welche Methoden heute unverzichtbar sind und wie man Verdachtsmomente strukturiert untersucht.

Hypothesenbasiertes Vorgehen ist der konzeptionelle Kern moderner Internal Investigations

Die hypothesenbasierte Untersuchung stellt einen präzisen, effizienten und juristisch anschlussfähigen Ansatz dar. Sie steuert das gesamte Untersuchungsprojekt und verhindert ungerichtete Datensammlungen unter Zeitdruck.

Zentral ist die konkrete Formulierung der Untersuchungshypothesen:

  • Hypothesen werden strikt entlang des vorliegenden Verdachts entwickelt.
  • Sie orientieren sich gezielt an der Art des potenziellen Fehlverhaltens, zum Beispiel:
    • strafrechtliche Vorwürfe
    • arbeitsrechtliche Sachverhalte
    • bilanzrechtliche Fragestellungen
    • AGG-bezogene Tatvorwürfe

Die Hypothesen werden im Untersuchungsverlauf auf der Basis von OSINT-Erkenntnissen, ersten Datenanalysen, Interviews mit relevanten Personen und unter Einbeziehung externer Informationen iterativ geschärft.

Das hypothesenbasierte Vorgehen schafft dabei einen klaren Untersuchungsfokus, schont finanzielle und personelle Ressourcen, ermöglicht die frühzeitige Identifikation relevanter Spuren und unterstützt eine strukturierte und nachvollziehbare Entscheidungsfindung.

Gleichzeitig erhöht die Hypothesenlogik Transparenz und Akzeptanz, indem sie die Nachvollziehbarkeit gegenüber Aufsichtsgremien stärkt, eine klare Argumentationslinie für externe Stakeholder schafft und in sensiblen oder öffentlichkeitsrelevanten Situationen zur Vertrauensbildung beiträgt.


Hypothesen steuern die Untersuchung, nicht die Datenmenge.


OSINT als zentraler Baustein moderner Internal Investigations
 

Fundierte interne Untersuchungen beginnen häufig bereits vor der internen Datensichtung, da externe, frei zugängliche Informationen oft schon entscheidende Hinweise liefern, noch bevor Geräte gesichert oder Interviews geführt werden. Dadurch hat sich OSINT zu einem strategisch wichtigen Instrument der Erkenntnisgewinnung entwickelt.
 

OSINT umfasst die strukturierte Auswertung frei zugänglicher Quellen, unter anderem der folgenden:

  • Handelsregister, internationale Firmenverzeichnisse, Beneficial-Owner-Datenbanken und Lieferkettendaten
  • Social Media Aktivitäten, berufliche Profile und digitale Reputationsinformationen
  • Foren, Messenger-Leaks sowie Recherchen im Deep Web und im Darknet
  • Presseberichte, investigative Medien und Analysen von Nichtregierungsorganisationen (NGOs)
  • Geodaten, Satellitenbilder und Open-Source-Kartendienste
  • Branchenreports sowie nationale und internationale Sanktionslisten
  • Grundbücher, Schuldnerverzeichnisse und Fahrzeuginformationen
  • technische Daten wie IP-Adressen, Serverstandorte, Providerlokalisierung, Website Betreiber und angebundene Payment-Provider

Ein besonderer Mehrwert entsteht durch das Zusammenspiel von OSINT und eDiscovery. Es ermöglicht die Identifizierung und Verknüpfung von Telefonnummern, E-Mail-Adressen und physischen Adressen, die Kontextualisierung interner Daten durch externe Informationsquellen sowie die Validierung und Ergänzung erster Untersuchungshypothesen.
 

In Internal Investigations unterstützt OSINT insbesondere dabei,

  • Netzwerk und Beziehungsstrukturen sichtbar zu machen,
  • potenzielle Kickback Partner oder Drittparteien zu identifizieren,
  • Zahlungsströme und externe Verbindungen zu verifizieren und
  • externe Sichtweisen auf mutmaßliche Sachverhalte systematisch auszuwerten.

Besonders relevant ist OSINT bei länderübergreifenden Sachverhalten, da lokale Datenquellen oft deutlich tiefere Einblicke ermöglichen, Unterschiede in Registertransparenz und Datenverfügbarkeit gezielt genutzt werden können und sich globale Untersuchungen dadurch effizienter und belastbarer steuern lassen.

Event zur Zukunft der Internal Investigations

Wie Unternehmen Internal Investigations heute so aufsetzen, dass sie effizient, belastbar und zielgerichtet sind, zeigen wir in unserem Webcast am 9. Juni 2026 von 13.00 bis 14.00 Uhr

Eine Person sitzt an modernem Arbeitsplatz mit großem Monitor, Laptop und sichtbarem ProgrammcodeIT

Forensic Accounting liefert die notwendige Präzision in Internal Investigations
 

Während OSINT-Erkenntnisse Ihnen Orientierung geben, liefern finanzielle Analysen die notwendige Präzision. Forensic Accounting ist dabei weit mehr als „Buchhaltung unter der Lupe“. Es ist die forensische Rekonstruktion wirtschaftlicher Abläufe, insbesondere dann, wenn diese bewusst verschleiert oder manipuliert wurden.
 

Typische Einsatzfelder des Forensic Accounting:

  • Analyse von Zahlungen, Kickback Strukturen und verdeckten Vergütungsmodellen
  • Identifikation ungewöhnlicher Buchungen, Transaktionsmuster und finanzieller Rundläufe
  • Rekonstruktion von Scheingeschäften, Briefkasten und Zwischengesellschaftsstrukturen
  • Datenanalysen über ERP-Systeme wie SAP oder Oracle
  • wirtschaftliche Quantifizierung von Schäden und Vermögensabflüssen
  • Unterstützung bei Schadensersatzforderungen, internen Maßnahmen oder Strafanzeigen

Der besondere Mehrwert von Forensic Accounting liegt in seiner konsequenten Faktenorientierung: Abstrakte Verdachtsmomente werden auf eine belastbare, zahlenbasierte Grundlage gestellt, finanzielle Zusammenhänge transparent und nachvollziehbar gemacht und tatsächliche Abläufe sichtbar – auch dann, wenn Beteiligte bewusst Falschangaben gemacht oder Daten manipuliert haben.


Forensic Accounting verbindet Zahlen, Daten und Kontext zu einer beweisfähigen Gesamtsicht.


Mobile Forensics: Warum Messenger und Geräte heute zentral sind

Die entscheidende Kommunikation findet immer häufiger auf mobilen Endgeräten statt: Messenger, Bilder, Sprachnachrichten, Anhänge – oft in informellen Kontexten, manchmal bewusst außerhalb klassischer Kanäle. Genau deshalb ist Mobile Device Forensics heute ein zentraler Bestandteil moderner Internal Investigations.

Was Mobile Forensics ermöglicht:

  • forensisch saubere Extraktion von iOS- und Android-Geräten (Handys/Tablets)
  • Wiederherstellung gelöschter Nachrichten, Dateien und Metadaten (wo technisch möglich)
  • Analyse von Chats, Medien, Anhängen, Zeitlinien und Kontextdaten
  • Erkennen von Manipulationen oder inkonsistenten Inhalten
  • Standort- und Bewegungsbezüge (je nach Datenlage und rechtlichem Rahmen)
  • Abgleich mit internen Systemen (Kalender, Access Logs, Meeting-Daten)

Wichtig: Mobile Forensics ist keine Nebenaufgabe, sondern erfordert spezialisierte Tools, Erfahrung und eine saubere Beweismittelkette.

Was „professionell“ heute bedeutet: Integration statt Einzeldisziplin

Ein belastbarer Untersuchungsbericht entsteht selten aus nur einer Perspektive. Entscheidend ist die integrierte Methodik, die rechtliche Anschlussfähigkeit mit Datenanalyse, technischer Forensik und finanzieller Rekonstruktion verbindet. Einzelne Maßnahmen bleiben wichtig, reichen für sich genommen jedoch nicht aus. Interviews oder E-Mail-Analysen liefern zwar wertvolle Hinweise, bleiben ohne integrierte Analytik und externe Kontextualisierung jedoch häufig fragmentarisch. Internal Investigations sind damit heute High-End-Forensik – interdisziplinär statt siloartig, integriert statt punktuell und hypothesengetrieben statt reaktiv.


Der Standard ist nicht mehr, allein E-Mails und Interviews führen. Der Standard ist, Daten, Devices, Finanzspuren und Kontext zusammenführen.


Q&A: Internal Investigations 2026

Co-Autor: Christopher Redwitz

Fazit – Internal Investigations sind heute High-End-Forensik

Die Anforderungen an moderne interne Untersuchungen haben sich grundlegend verändert. Die Kombination aus technologischer Komplexität, globalem Geschäftsumfeld und regulatorischem Druck verlangt nach integrierten, hochprofessionellen Ansätzen. Interviews und E-Mail-Analysen sind dabei wichtige Bausteine, aber längst nicht ausreichend.OSINT, Mobilgeräteforensik, Forensic Accounting und ein hypothesenbasiertes Untersuchungsdesign bilden heute das Fundament erfolgreicher Internal Investigations. Unternehmen benötigen zuverlässige Partner, die übergreifend denken, präzise arbeiten und gleichzeitig die regulatorischen, organisatorischen und menschlichen Aspekte komplexer Vorfälle verstehen.

Genau hier positioniert sich EY Forensics Services: als kompetenter, vertrauenswürdiger und technologisch führender Partner für die Aufklärung kritischer Sachverhalte – effizient, interdisziplinär und mit höchstem Qualitätsanspruch.

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