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KI-Strategie: die fünf Dimensionen für skalierbare Wertschöpfung

So führen Versicherer GenAI und Agentic AI mit klarer Strategie und Governance aus Pilotprojekten in die Skalierung.


Überblick:

  • Versicherer nutzen GenAI und erste Agentic AI Use Cases, scheitern aber häufig daran, Pilotprojekte in skalierbare Lösungen zu überführen.
  • Eine integrierte KI-Strategie mit fünf Dimensionen schafft die Basis für Skalierung und klare Priorisierung von KI-Initiativen.
  • Ohne Berücksichtigung von  Legacy, Governance, Responsible AI und Upskilling droht das Adoption Paradox: hohe Investitionen, aber wenig nachhaltiger Nutzen.

Künstliche Intelligenz (KI) hat die Versicherungsbranche erreicht. Von ersten Pilotprojekten über den Einsatz von Copilot-Lösungen bis hin zu ambitionierten Initiativen zur Prozessautomatisierung stehen Versicherer vor der Herausforderung, KI nicht nur punktuell, sondern strategisch und skalierbar zu nutzen. Mit dem Aufkommen von Agentic AI, also agentenbasierten KI-Lösungen, rückt der nächste Entwicklungsschritt in den Fokus. Diese Technologien ermöglichen es, komplexe Aufgaben eigenständig zu steuern und ganze Prozessketten zu automatisieren. Der erfolgreiche Einsatz von GenAI und insbesondere von Agentic AI verlangt eine klare Strategie, die Business, IT und Führungsebene gleichermaßen verbindet.

Ausgangslage: zwischen Pilotprojekten und skalierbarer Umsetzung

Deutsche Versicherer befinden sich auf einem stetigen Digitalisierungspfad. Dieser verfolgt einerseits das Ziel, Kosten zu senken, Kundenanforderungen besser zu erfüllen und schneller auf Markt- und Regulierungsveränderungen zu reagieren, andererseits bildet er zugleich die Grundlage, um KI wirkungsvoll einzusetzen. Business und IT rücken dabei immer enger zusammen, um Anforderungen schneller und zielgerichteter umzusetzen.

Ergänzend dazu haben viele Versicherer horizontale KI-Anwendungen wie Copilot eingeführt. Diese Tools unterstützen Mitarbeitende im Alltag, beschleunigen Arbeitsschritte und entlasten im Tagesgeschäft – etwa durch Meeting Summaries oder automatisierte E-Mail-Entwürfe.

Die erzielten Effizienzgewinne sind spürbar, bleiben jedoch überwiegend punktuell. Der nächste Entwicklungsschritt nach GenAI ist Agentic AI: Versicherer, die frühzeitig Erfahrungen mit generativer KI gesammelt haben, evaluieren nun den Einsatz agentenbasierter Lösungen, die eine eigenständige Aufgabenbearbeitung und Prozessautomatisierung ermöglichen. Innovationsteams spielen dabei eine zentrale Rolle – sie haben sich von Beginn an mit dem Thema GenAI befasst und stellen sicher, dass je nach Use Case die passende KI-Variante gewählt und neue Entwicklungen wie Agentic AI kontinuierlich beobachtet und bewertet werden.

Agentic AI im Finanzsektor: steigende Adoption, begrenzte Skalierung

Die aktuelle Marktstudie „European Responsible AI FS Pulse Survey 2025“ von EY  zeigt, dass 35 Prozent der europäischen Finanzdienstleister bereits Agentic AI nutzen und 46 Prozent der Unternehmen erwarten, Agentic AI im kommenden Jahr einzusetzen. Die Studie verdeutlicht, dass die Adoptionsrate von KI-Technologien im Finanzsektor deutlich steigt und sich der Fokus von klassischen Machine-Learning-Anwendungen über generative KI hin zu agentenbasierten, autonomeren Lösungen verschiebt.

Agentic AI schon im Einsatz
35 %
der europäischen Finanzdienstleister nutzen bereits Agentic AI.
Agentic-AI-Einsatz in Planung
46 %
der Unternehmen erwarten, Agentic AI im kommenden Jahr einzusetzen.

Viele Unternehmen bewegen sich damit noch auf der Ebene von Proofs of Concept, die die ersten messbaren Effekte zeigen, aber nicht flächendeckend ausgerollt sind. Vorreiter sind jene Versicherer, die es schaffen, diese Use Cases aus der Pilotphase in den breiten operativen Einsatz zu überführen und damit Skalierungseffekte realisieren.

Externe Benchmarks bestätigen diese Spreizung: Der Evident AI Insurance Index ist ein unabhängiger Branchenvergleich, der den KI-Reifegrad der 30 größten Versicherer in Nordamerika und Europa anhand von über 70 Indikatoren in den Dimensionen Talent, Innovation, Leadership und Transparenz bewertet. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Unternehmen: Führende Player setzen insbesondere in den Bereichen Innovation und Talent Maßstäbe für Skalierung und nachhaltige Wertschöpfung, während der Großteil des Marktes in der Vorbereitungs- und Pilotphase verharrt.

Die Herausforderung: Ressourcen, Legacy und strategische Trade-offs

Gleichzeitig zeigt sich das sogenannte Adoption Paradox: Unternehmen investieren massiv in KI-Initiativen, erzielen aber häufig keinen nachhaltigen Nutzen. Eine aktuelle Analyse von Contrary Research belegt, dass 2024 rund 42 Prozent aller Enterprise-KI-Initiativen vorzeitig eingestellt wurden. Hauptgründe sind fehlende Datenqualität, unzureichende technische Infrastruktur, mangelnde organisatorische Einbettung und unrealistische Erwartungen an kurzfristige Effekte. Für Versicherer liegt hier eine wichtige Lehre: Ohne klare strategische Leitplanken und integrierte Strukturen droht es auch ihnen, wertvolle Ressourcen in Projekten zu binden, die nicht skalierbar sind.


Gleichzeitig zeigt sich das sogenannte Adoption Paradox: Unternehmen investieren massiv in KI-Initiativen, erzielen aber häufig keinen nachhaltigen Nutzen. Eine aktuelle Analyse von Contrary Research belegt, dass 2024 rund 42 Prozent aller Enterprise-KI-Initiativen vorzeitig eingestellt wurden.


Zudem stehen Versicherer vor der Herausforderung, ihre knappen Ressourcen zwischen klassischen IT-Programmen, neuen KI-Initiativen und dringenden Business-Anforderungen auszubalancieren. Legacy-Systeme, heterogene Landschaften und Großprogramme wie Core-Modernisierung, digitale Prozessharmonisierung und regulatorische Anforderungen wie der Digital Operational Resilience Act (DORA) binden erhebliche Kapazitäten und stehen in direkter Konkurrenz zu neuen KI-Initiativen. Gleichzeitig bringt das Replatforming neue Systeme hervor, die zunächst häufig nur im MVP (Minimum Viable Product) -Status laufen. Das Business fordert, dass dabei entstehende Friktionen und Probleme schnell gelöst werden, um die Effizienz im operativen Betrieb zu sichern.

KI-Investitionen im Spannungsfeld von Legacy, Business-Druck und Skalierung

In diesem Spannungsfeld muss entschieden werden, ob und in welchem Umfang KI-Initiativen priorisiert werden können. Diese Entscheidungen sind komplexe Trade-offs, da sie unmittelbar in Konkurrenz zu langfristigen IT-Programmen und kurzfristigen Business-Anforderungen stehen. Während Studien zeigen, dass viele Versicherer erste KI-Anwendungen und Proofs of Concept realisieren, bleiben echte Skalierung und nachhaltiger operativer Einsatz für zahlreiche Initiativen eine große Herausforderung.

Steigende GenAI-Budgets 2025
72 %
der europäischen Versicherungsentscheider haben im Jahr 2025 ihre Investitionen in GenAI weiter erhöht oder planen dies für die kommenden Monate.

Dennoch wächst die Investitionsbereitschaft: Laut dem „EY European Financial Services AI Pulse Survey“ planen 72 Prozent der europäischen Finanzdienstleister, ihre Investitionen in GenAI in den kommenden Monaten weiter zu erhöhen. Zudem investieren Unternehmen gezielt in Risikomitigation und Kompetenzaufbau: 84 Prozent setzen auf Testing und Auditing von KI-Modellen, 83 Prozent auf Data Access Control und 88 Prozent auf Trainingsprogramme für Mitarbeitende, um Skills, Best Practices und das Risikobewusstsein zu stärken. Das verdeutlicht, dass KI trotz aller operativen Spannungen und Umsetzungsrisiken längst zu einem Kernfeld künftiger Wettbewerbsfähigkeit geworden ist und dass Investitionen in Trainingsprogramme, Governance und Testing nicht nur der Risikomitigation dienen, sondern gezielt die Voraussetzungen für eine breite Skalierung von KI-Anwendungen schaffen sollen.
 

Warum Versicherer ein integriertes Zielbild brauchen

Zwischen den Zwängen von Legacy, steigenden Erwartungen aus dem Business und wachsender Investitionsbereitschaft in KI entsteht ein klarer Auftrag: Versicherer benötigen ein integriertes Zielbild. Eine tragfähige KI-Strategie schafft diese Orientierung, indem sie entlang fünf zentraler Dimensionen die Weichen für erfolgreiche Skalierung stellt.


Fazit

Nur eine integrierte Strategie verhindert Stillstand

Künstliche Intelligenz ist in der Versicherungsbranche längst präsent, doch der Schritt von punktuellen Tools und Proofs of Concept hin zu breiter Skalierung bleibt die entscheidende Hürde. Wer jetzt keine klare Strategie und strukturierte Umsetzung etabliert, riskiert, im europäischen Wettbewerb deutlich ins Hintertreffen zu geraten. Entscheidend ist, KI nicht nur als Effizienztreiber, sondern als Wachstumsmotor und Innovationsplattform zu begreifen – mit messbarem Business Impact, verankerter Governance und breiter organisatorischer Akzeptanz. Nur so wird KI in den kommenden Jahren vom Experiment zum echten Differenzierungsfaktor im Markt.


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