Ob Hitze, Flut, Pandemie, Lieferengpässe, Cyberangriffe, Energiekrisen, Fluchtbewegungen und nicht zuletzt die sicherheitspolitische Lage in Europa: Das Gesundheitswesen ist durch Krisen zunehmend gefordert. Zugleich ist es selbst Teil kritischer Infrastruktur. Als solcher muss es gleichermaßen geschützt werden und in der Lage sein, unter Schockbelastung kontrolliert weiter zu funktionieren. Dazu gehört, Ressourcen und Personal gezielt zum Erhalt kritischer Versorgung einzusetzen, Patienten zu steuern und Risikogruppen zu schützen.
Abhängigkeiten früh erkennen
Auch die frühzeitige Identifikation von Abhängigkeiten gehört zur Krisenbewältigung: Wie steuerbar und verfügbar sind Arzneimittel, Medizinprodukte, Blutprodukte, Laborkapazitäten, Personal, Energie, Wasser und Cloud-Infrastruktur? Gibt es alternative Handlungsoptionen durch europäische Produktions- und Beschaffungskapazitäten, klare Prioritäten im Krisenfall und belastbare Logistik?
Auch Souveränität und Cybersecurity sind Teil von Resilienz. Ein Cyberangriff auf ein Krankenhaus ist potenziell ein Versorgungsausfall. Eine Störung der digitalen Infrastruktur kann Notaufnahmen, Labore, Apotheken, Rettungsdienst, elektronische Verschreibungen und Kommunikation gleichzeitig treffen.
Mehr als Krankenhäuser und Intensivbetten
Aus der Pandemie hat das Gesundheitswesen gelernt, bei Krisen vor allem an Krankenhäuser, Intensivbetten und Notfallversorgung zu denken. Dabei ist das Thema deutlich größer. Arztpraxen, Pflege, Apotheken, Rettungsdienst, Reha, digitale Infrastruktur und Lieferketten sind ebenfalls elementarer Teil der Versorgungsfähigkeit.
Gerade der ambulante Sektor kann in Krisen eine entscheidende Rolle übernehmen und Krankenhäuser und Notaufnahmen entlasten, etwa mit Triage, Chronikersteuerung, Frühentlassungsmanagement, Wundversorgung oder Telemedizin. Krankenkassen können mit ihren Daten helfen, vulnerable Zielgruppen zu identifizieren und Patienten durch Erinnerungen an Impf- und Therapietermine proaktiv zu steuern.
Abhängigkeiten in der Arzneimittelversorgung
Die pharmazeutische Industrie ist vor allem durch hohe Lieferkettenabhängigkeit verwundbar. Schätzungen von Gesundheitsbehörden zufolge stammen rund 80 bis 90 Prozent der in Europa verwendeten Wirk- beziehungsweise Grundstoffe aus Asien, vornehmlich China und Indien. Fällt dort eine zentrale Produktionsstätte oder die Lieferung über den Seeweg aus, entstehen Probleme.