Technologisches Potenzial
Auf dem Weg zur datengetriebenen Organisation rücken Technologien in den Vordergrund, die als Fundament für Qualität, Geschwindigkeit und Durchgängigkeit der Prozesse gelten. An erster Stelle stehen Datenmanagementsysteme und Data Lakes. Sie bilden die Basis für konsistente, auswertbare Datenflüsse, auf denen Automatisierung und Analyse überhaupt erst aufbauen können. Darauf aufbauend gewinnt PowerBI als Visualisierungstool im Markt rasant an Bedeutung. Während die Geschäftsanalysedienste von Microsoft vor zwei Jahren noch überwiegend als reine Reporting-Instrumente wahrgenommen wurden, gelten sie heute zunehmend als aktive Steuerungswerkzeuge, die komplexe Zusammenhänge in Echtzeit sichtbar machen und Entscheidungsprozesse unterstützen.
Automatisierung
Robotic Process Automation (RPA) bleibt ein zentraler Bestandteil der Steuerprozesse. RPA wird vor allem eingesetzt, um wiederkehrende Aufgaben zu automatisieren und Ressourcen zu entlasten. Der Einsatz von Machine Learning bleibt relevant, jedoch ist der Zugang weiterhin für viele Steuerabteilungen ein Hemmnis. Anders stellt sich dies bei neueren Ansätzen wie KI-basierten Chatbots und Low-Code-Plattformen dar, die zunehmend an Bedeutung gewinnen.
ERP-System
Ein starkes ERP-System, das die zentralen Geschäftsprozesse eines Unternehmens bündelt und automatisiert, bestimmt Takt und Qualität steuerlicher Prozesse. In der Gesamtgruppe führt SAP mit 63 Prozent klar, zugleich bleibt die ERP-Landschaft heterogen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, steuerliche Prozesse systemübergreifend zu denken und zu steuern. Je ein Viertel der Unternehmen arbeitet mit einer überschaubaren Anzahl von bis zu zwei beziehungsweise bis zu vier ERP-Instanzen. Doch bei rund der Hälfte der Befragten sind es mindestens fünf Systeme – vereinzelt sogar mehr als 15. Daraus ergeben sich Herausforderungen in Bezug auf Datenqualität, Schnittstellen und Prozesssicherheit.
Shared-Service-Organisationen
Besondere Dynamik zeigt der EY Tax Innovation Survey bei der Integration steuerlicher Tätigkeiten in Shared-Service-Organisationen des Unternehmens. Während vor sechs Jahren nur 1 Prozent der Mitarbeitenden einer Steuerabteilung in einem Shared Service verortet war, ist dieser Anteil bis 2022 auf 6 Prozent und 2025 auf 12 Prozent gestiegen. Die Treiber der Entwicklung sind vielfältig: Zentralisierung, Kostendruck, Personalmangel und internationale Regulatorik.
Next Level
Viele Unternehmen haben inzwischen die nächste Ausbaustufe ihrer Shared-Service-Organisation erreicht. Während zunächst wenige Funktionen (z. B. Finanzen und Personal) in einzelnen Regionen für einfache Routinetätigkeiten zentralisiert wurden, wird die geografische und funktionale Reichweite nun zunehmend ausgebaut – oftmals bereits mit globaler Governance und Fokussierung auf die gesamte Prozesskette. Ein Hebel, den immer mehr Steuerfunktionen nutzen: Wenn mögliche Fallstricke dabei richtig berücksichtigt werden, kann die Steuerfunktion einen signifikanten Wertbeitrag für das Unternehmen schaffen.
Tax-Accounting-Lösung
Über die Hälfte der Befragten hat bereits durch Tax-Accounting-Lösungen aufgerüstet, weitere Unternehmen planen die Implementierung. Praktisch hilft dabei der „Tax-Accounting-Äquator“ als Faustregel: Ab 750 Millionen Euro Umsatz, 5.000 Mitarbeitenden oder 26 Gesellschaften/Betriebsstätten setzt die Mehrheit der Unternehmen auf eine dedizierte Tax-Accounting-Lösung. Wo Skalierung und Komplexität zunehmen, kippt die Kosten-Nutzen-Rechnung zugunsten eines Tools – weniger Nacharbeit, mehr Transparenz, schnellere Reaktion auf Änderungen. Für Unternehmen unterhalb des Äquators gilt: Der Nutzen steigt mit der Komplexität.