- Nur 3 Prozent der 2025 finanzierten Startups hatten rein weibliche Gründungsteams, sie erhielten 53 Millionen Euro – und damit gerade einmal 1 Prozent des gesamten Risikokapitals
- 94 Prozent des Kapitals flossen an rein männliche Gründerteams
- Gründerinnen besonders stark in E‑Commerce, Education und ClimateTech vertreten
Der Gender-Investment-Gap wird immer größer: Gründerinnen von Startups erhalten in Deutschland weiterhin deutlich weniger Risikokapital als männliche oder gemischte Gründungsteams. Zwar stiegen die Investitionen in deutsche Startups 2025 insgesamt spürbar an, doch von diesem Aufschwung konnten rein weiblich gegründete Jungunternehmen erneut kaum profitieren. 53 Millionen Euro (Plus 23 Prozent) flossen 2025 an Startups mit ausschließlich weiblich besetzten Gründungsteams – das entspricht nur rund einem Prozent des gesamten Risikokapitals von 7,8 Milliarden Euro. Startups mit rein männlichen Gründungsteams vereinten hingegen 94 Prozent des gesamten Investitionsvolumens auf sich – knapp 7,4 Milliarden Euro, ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zu 2024.
Der Blick auf die Anzahl der finanzierten Unternehmen zeigt ein ähnliches Bild: Von den 660 Startups, die 2025 mindestens eine Finanzierungsrunde verzeichneten und deren Gründungsteams bekannt sind, hatten nur 21 ein ausschließlich weibliches Team. Das entspricht rund drei Prozent. 536 Startups (81 Prozent) wurden ausschließlich von Männern gegründet, 103 Jungunternehmen (rund 16 Prozent) verfügten über gemischte Gründungsteams. Insgesamt sank der Anteil der Startups mit mindestens einer Frau im Gründungsteam von 21 Prozent im Jahr 2024 auf nur noch 19 Prozent. Im Jahr 2025 waren 1.633 Personen an den Gründungen der finanzierten Startups beteiligt – 152 davon Frauen, was einem Anteil von neun Prozent entspricht. Zum Vergleich: Im Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei knapp elf Prozent.
Das zeigt das Startup-Barometer der Strategie- und Transaktionsberatung EY-Parthenon mit dem Fokus auf Gründerinnen und Gründer. Unternehmen, bei denen sich die Zusammensetzung des Gründungsteams nicht recherchieren ließ, flossen nicht in die Analyse ein.
Dr. Thomas Prüver, Partner bei EY-Parthenon: „Der Trend ist eindeutig: Der Gender Investment Gap in der deutschen Startup-Landschaft wird immer größer. Dafür gibt es viele Gründe. Zum einen gründen Männer deutlich häufiger Startups als Frauen. Zudem gründen Frauen überproportional häufig im B2C-Bereich – also dort, wo die Konsumzurückhaltung der letzten Jahre besonders stark durchschlägt. Gleichzeitig sind Technologien, die hohe Finanzierungsvolumina anziehen – zum Beispiel KI, Software, FinTech oder auch Defense – nach wie vor extrem männlich dominiert.“ Die Ungleichverteilung verschärft sich mit zunehmender Deal‑Größe. Bei Startups, die im Jahr 2025 Finanzierungsrunden von mehr als 50 Millionen Euro abschließen konnten, lag der Anteil von Gründerinnen in den Teams bei lediglich 3,3 Prozent. Zum Vergleich: Bei kleineren Finanzierungen von bis zu einer Million Euro betrug der Frauenanteil immerhin 13,3 Prozent. Insgesamt lag der durchschnittliche Gründerinnenanteil über alle Deals hinweg bei neun Prozent.
Sektor-Fokus trägt zur Finanzierungslücke bei
Ein wesentlicher Treiber des Gender Investment Gap bleibt der unterschiedliche Branchenfokus. In dem mit Abstand kapitalstärksten Sektor Software & Analytics lag der Frauenanteil in den Gründungsteams im Jahr 2025 bei lediglich sechs Prozent. Ähnlich niedrig fiel er in FinTech/InsurTech sowie in Energy und Mobility aus. Deutlich stärker vertreten sind Gründerinnen hingegen in Bereichen wie E‑Commerce (21 Prozent), Education (17 Prozent) sowie ClimateTech/GreenTech/CleanTech (15 Prozent). Diese Sektoren sind zwar ebenfalls investitionsstark, erreichen jedoch nicht das Volumen der großen Software‑Deals.
Ein zentraler Grund für das bestehende Ungleichgewicht ist laut Prüver, dass Frauen in technischen Studiengängen und Berufen deutlich unterrepräsentiert sind: „Genau diese Bereiche bilden allerdings die Basis für kapitalintensive Branchen wie Software, Defence oder Space. Das ist kein individuelles Versäumnis, sondern Ergebnis struktureller Faktoren – von fehlenden Vorbildern bis zu Rahmenbedingungen, die Unternehmertum und Familie schwer vereinbar machen.“ Prüver sorgt sich, dass die Kluft zwischen Männern und Frauen zukünftig sogar noch größer werden könnte: „Wenn nur ein Prozent des Kapitals an Gründerinnen fließt, entsteht der Eindruck, dass weibliches Unternehmertum weniger lohnend oder weniger erfolgversprechend sei. Das schreckt potenzielle Gründerinnen zusätzlich ab und verstärkt den Gendergap langfristig.“