Pressemitteilung
19 Jan. 2026  | Stuttgart, Germany

Startups aus Deutschland sammelten 2025 knapp 8,4 Milliarden Euro Risikokapital ein

  • Investitionssumme steigt im Vergleich zu 2024 um 19 Prozent – dritthöchster Wert der Startup-Geschichte
  • Die Zahl der Finanzierungsrunden sinkt allerdings im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5 Prozent, von 755 auf 716 – es ist der vierte Rückgang in Folge
  • Bayern sammelt die größte Menge an Risikokapital ein und kann die Investitionen am stärksten steigern
  • Dr. Thomas Prüver: „Der Technologie-Bereich wird zunehmend zum zentralen Wachstumstreiber der deutschen Startup-Landschaft.“

Der Aufwärtstrend setzt sich fort: Startups aus Deutschland erhielten im Jahr 2025 knapp 8,4 Milliarden Euro Risikokapital von Investoren – mehr als 1,3 Milliarden mehr als in den zwölf Monaten zuvor (plus 19 Prozent). Nachdem die Investitionen in Jungunternehmen 2022 und 2023 im Vergleich zum Rekordjahr 2021 deutlich eingebrochen waren, markiert 2025 damit das zweite Jahr in Folge mit einem deutlichen Plus. Allerdings ist die Anzahl der Finanzierungsrunden bereits im vierten Jahr in Folge rückläufig: 716 Deals bedeuten fünf Prozent weniger Abschlüsse als 2024 (755). Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2021 lag die Zahl der Investitionsrunden noch bei 1.160.

Die positive Entwicklung bei der Investitionssumme ist auf die Zunahme großer Deals zurückzuführen: Im Gesamtjahr 2025 gab es 18 Großinvestitionen mit einem Finanzierungsvolumen von jeweils mindestens 100 Millionen Euro – immerhin sechs mehr als im Vorjahr. Rückläufig war hingegen die Zahl der kleinen Deals von bis zu einer Million Euro: von 440 im Jahr 2024 auf 430 im Jahr 2025.  Während der Jahresvergleich zumindest bei der Investitionssumme eine positive Tendenz zeigt, ergibt der Halbjahresvergleich ein etwas anderes Bild: So lag die Zahl der Transaktionen in der zweiten Jahreshälfte mit 318 deutlich niedriger als im ersten Halbjahr, als 398 Investitionsrunden registriert wurden. Weniger Finanzierungsrunden wurden zuletzt in der ersten Hälfte des Jahres 2018 gezählt. Und: Die Investitionssumme sank von 4,6 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2025 auf 3,8 Milliarden Euro in der zweiten Jahreshälfte.

Das zeigt das Startup-Barometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Die Studie basiert auf einer Analyse der Investitionen in deutsche Startups.

Dr. Thomas Prüver, Partner bei EY: „Trotz globaler Unsicherheiten und einer herausfordernden Konjunkturlage haben Startups aus Deutschland im vergangenen Jahr erneut einen deutlichen Anstieg beim Risikokapital verzeichnet – wobei die erste Jahreshälfte deutlich stärker war als das zweite Halbjahr. Abzuwarten bleibt, ob das relativ schwache zweite Halbjahr nur ein Ausrutscher oder der Beginn eines erneuten Abschwungs war. Immerhin: Die Investitionsbereitschaft der Kapitalgeber hat sich nach dem Einbruch im Jahr 2023 inzwischen wieder deutlich erholt. Das ist ein positives und deutliches Signal für das Vertrauen in die innovativen Geschäftsmodelle der heimischen Jungunternehmen und die Anpassungsfähigkeit des Ökosystems als Ganzem.“

Das Investitionsklima sei grundsätzlich weiterhin vielversprechend, so Prüver: „Die aktuell schwindende Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf Investitionen in hier gegründete Startups. Faktoren wie hohe Energiekosten, anhaltender Fachkräftemangel, komplexe regulatorische Rahmenbedingungen und eine insgesamt schwierige konjunkturelle Lage erschweren derzeit das Umfeld für alle Unternehmen in Deutschland. Dennoch schaffen es deutsche Startups wieder besser, an frisches Kapital zu gelangen – wenn sie bereits erste Erfolge vorweisen können. Für sehr junge Unternehmen bleibt die Lage schwierig, wie die weiter sinkende Zahl an kleineren Deals zeigt.“

Prüver sieht die Startups als wichtige Impulsgeber für die deutsche Wirtschaft insgesamt: „Startups sind häufig in der Lage, schneller auf Marktveränderungen und neue Trends zu reagieren und können ihre Geschäftsmodelle rascher anpassen als etablierte Großunternehmen. Gerade in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld sind diese Eigenschaften enorm wichtig – und sie können dazu beitragen, die deutsche Wirtschaft zu modernisieren. Die weitere Entwicklung des heimischen Startup-Ökosystems wird allerdings maßgeblich davon abhängen, ob es gelingt, die Rahmenbedingungen für Innovation und Unternehmertum in Deutschland zu verbessern.“

Sieben der zehn Top-Finanzierungsrunden gehen nach Bayern – nur zwei nach Berlin

Vor allem Startups aus dem Bereich Tech weisen dabei den Weg: Die drei größten Investitionssummen in den vergangenen zwölf Monaten gingen an Technologie-Jungunternehmen. So konnte Helsing (Künstliche Intelligenz, Bayern) – wie schon im Vorjahr – die größte Finanzierungssumme erzielen: 600 Millionen Euro – und damit 150 Millionen Euro mehr als 2024 – markierte die höchste Finanzspritze im Jahr 2025. Dahinter folgen mit Green Flexibility (400 Millionen Euro, Energy) und Tubulis (344 Millionen Euro, BioTech). Alle drei Top-Investitionsrunden des Jahres 2025 gingen damit an Startups aus Bayern. Insgesamt finden sich unter den Top-10-Finanzierungsrunden sieben Startups aus Bayern, zwei aus Berlin und eines aus Baden-Württemberg.

Auch wenn Startups aus der Hauptstadt damit wieder in der Top Ten mitspielen – in der sie im vergangenen Jahr gar nicht vertreten waren –, manifestiert sich die Wachablösung: Jungunternehmen aus Bayern sammelten im Jahr 2025 insgesamt 3,3 Milliarden Euro ein (plus 969 Millionen Euro). Berliner Jungunternehmen kamen im selben Zeitraum auf knapp 2,7 Milliarden Euro (plus 507 Millionen Euro). Bei der Zahl der Finanzierungsrunden liegt allerdings weiterhin Berlin vorn: Die Bundeshauptstadt verzeichnete auch 2025 wieder die meisten Finanzierungsrunden: Insgesamt wurden hier im Jahresverlauf 218 Abschlüsse gezählt, das sind zwar 38 weniger als im Vorjahr, aber 69 mehr als in Bayern (148 Deals).

Prüver: „Bayern festigt aktuell seine Position als sehr erfolgreicher und dynamischer Startup-Standort. Dies liegt vor allem am Fokus des dortigen Startup-Ökosystems: Während der Schwerpunkt der Jungunternehmen aus Berlin nach wie vor deutlich stärker auf den aktuell etwas schwächelnden Bereichen E-Commerce und FinTech liegt, profitieren bayrische Startups von ihrem Tech- und Defense-Fokus und dem weltweiten KI-Boom.“ Abgeschrieben sei die Hauptstadt allerdings beileibe nicht, so Prüver: „Berlin bleibt weiterhin eine der führenden Startup-Metropolen Europas und hat sich auch über die Grenzen des Kontinents hinaus einen hervorragenden Ruf aufgebaut, auch im Bereich Tech und KI. Die Hauptstadt überzeugt mit einem besonders diversen und dynamischen Mix an jungen Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen. Und Bayern tritt mit seinem Tech-Fokus und den derzeit im Vergleich zu Berlin sehr hohen Finanzierungen nun als weiterer starker deutscher Standort international in Erscheinung.“

Aktuell stehen Bayern mit 39 Prozent (plus sechs Prozentpunkte) und Berlin mit 32 Prozent (plus ein Prozentpunkt) für mehr als 70 Prozent der Gesamtfinanzierungssumme im deutschen Startup-Ökosystem. Auf Rang drei folgt Baden-Württemberg (852 Millionen Euro, plus 285 Millionen Euro). Nordrhein-Westfalen verzeichnete im vergangenen Jahr zwar mehr Finanzierungsrunden als im Vorjahr (Anstieg von 78 auf 97), das Investitionsvolumen sank allerdings von 951 auf 733 Millionen Euro. In Hessen blieb die Zahl der Finanzierungen mit 47 auf dem Niveau des Vorjahres – das Investitionsvolumen schrumpfte aber ebenfalls deutlich – von 343 auf 190 Millionen Euro.

Plus 20 Prozent: Investitionssummen bei KI-Startups steigen weiter

Künstliche Intelligenz ist aus Sicht der Investoren weiter eines der vielversprechendsten Felder für Investitionen: Deutsche Jungunternehmen aus dem Bereich Software & Analytics erzielten ein Gesamtinvestitionsvolumen von rund 2,7 Milliarden Euro – fast 450 Millionen Euro (plus 20 Prozent) mehr als im Vorjahr. Dahinter folgt der Energy-Sektor, dessen Startups den Bereich Health überholen und ein Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden Euro realisierten – 359 Millionen Euro (plus 43 Prozent) mehr als im Jahr 2024. Platz drei belegt der Health-Sektor: Die Jungunternehmen aus dieser Branche konnten deutschlandweit knapp 1,1 Milliarden Euro einsammeln, 116 Millionen Euro (plus zwölf Prozent) mehr als im Vorjahreszeitraum.

Prüvers Fazit: „Der Technologie-Sektor wird zunehmend zum zentralen Wachstumstreiber der deutschen Startup-Landschaft. Insbesondere KI-Startups verzeichnen einen deutlichen Anstieg bei den Investitionssummen, aber auch die Bereiche Energy und Health gewinnen weiter an Bedeutung. Zugleich wachsen bei Investoren sowie Kundinnen und Kunden allerdings die Erwartung, dass innovative Technologien nicht nur visionäre Ansätze liefern, sondern auch wirtschaftlich messbare Ergebnisse erzielen. Die Erwartungen hinsichtlich nachweisbarer Effekte und praktischer Wertschöpfung bleiben hoch. Gerade KI-Startups stehen unter Druck, die hohen Bewertungen durch eine entsprechende Geschäftsentwicklung auch zu rechtfertigen.“

Die komplette Analyse können Sie hier kostenlos herunterladen.

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EY im Überblick

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EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung, Strategy and Transactions, Consulting und Immobilienberatung.

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle deutschen Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.

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