- Weltweit und in Deutschland sinkt der Anteil der CEOs, die optimistische Konjunkturprognosen abgeben
- Nur noch 60 Prozent der CEOs weltweit blicken überwiegend optimistisch nach vorn – im Januar waren es noch 68 Prozent
- In Deutschland sinkt Anteil der Optimisten von 56 auf 51 Prozent
- KI-Investitionen nehmen weiter zu
- M&A-Absichten steigen auf Rekordniveau
Konzernchefs weltweit blicken immer weniger optimistisch in die Zukunft: Im Vergleich zum Januar dieses Jahres sank der Anteil der Optimisten von 24 auf 18 Prozent, nachdem er im September vergangenen Jahres noch bei 35 Prozent gelegen hatte. In Deutschland schrumpfte der Anteil seit Januar von 19 auf aktuell 17 Prozent.
Mit Einschränkungen optimistisch sind aktuell weltweit noch 42 Prozent, in Deutschland 34 Prozent der CEOs. Pessimistisch äußern sich derzeit weltweit neun Prozent der Unternehmenschefs, in Deutschland sind es 14 Prozent. Gemeinsam mit China hat Deutschland damit den höchsten Anteil an pessimistischen CEOs.
Besonders große Sorgen bereiten den CEOs weltweit aktuell geopolitische Krisen: Mehr als jeder zweite Unternehmenschef weltweit (56 Prozent) zählt politische Instabilität und Kriege zu den zwei größten Risiken für das eigene Unternehmen. Makroökonomische Schwankungen spielen für 31 Prozent eine zentrale Rolle (Deutschland: 22 Prozent). Deutsche CEOs sorgen sich zudem überdurchschnittlich häufig über Störungen im Handel und in den Lieferketten (27 Prozent gegenüber 22 Prozent weltweit).
Trotz der zunehmenden Sorge in Bezug auf Konjunktur und Weltpolitik: Mehr denn je setzen CEOs weltweit und in Deutschland auf Zukäufe oder Fusionen, um ihre Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen: 68 Prozent der deutschen Vorstandschefs erwarten, dass ihr Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten aktiv mindestens eine Fusion oder Übernahme verfolgen wird – das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2011. Weltweit liegt der Anteil mit 62 Prozent ebenfalls auf Rekordniveau.
Das sind Ergebnisse des aktuellen CEO-Survey von EY-Parthenon, der Strategie- und Transaktionsberatung von EY, basierend auf einer Befragung von 1.200 CEOs weltweit, darunter 100 in Deutschland. Die Umfrage wurde im April 2026 durchgeführt.
„Der Druck auf die Unternehmen nimmt weiter zu“, sagt Sandra Krusch, Managing Partner EY-Parthenon in Deutschland. „Geopolitische Konflikte, Handelsbarrieren, fragile Lieferketten, hohe Energiepreise und tiefgreifende technologische Umbrüche treffen gleichzeitig aufeinander. Viele Unternehmen agieren im Dauerkrisenmodus und müssen dennoch langfristige, richtungsweisende Entscheidungen treffen.“ Ganze Geschäftsmodelle gerieten heute schneller denn je unter Druck und müssten häufig grundlegend überarbeitet werden. „Das erfordert hohe Flexibilität, gelingt aber nicht immer.“
Besorgniserregend sei, dass Anteil der optimistischen CEOs immer geringer werde, sagt Krusch: „Es geht – gerade in Deutschland – immer mehr die Zuversicht verloren, dass auf die Zeiten extremer Volatilität auch wieder Phasen mit einer ruhigeren Entwicklung folgen. Das permanente Krisenmanagement, das Bekämpfen immer neuer Brandherde ist die neue Normalität.“ In diesen Zeiten wichtige strategische Weichenstellungen nicht zu verpassen, sei eine große Herausforderung, so Krusch. Gerade die deutschen Industrieunternehmen stünden vor schwierigen Entscheidungen: „Schnelle Entscheidungen, kurze Wege und zügiger Durchgriff sind aktuell mehr gefragt denn je. Nicht alle Unternehmen sind so aufgestellt, und das macht das Reagieren auf ein sich dramatisch veränderndes wirtschaftliches, technologisches und politisches Umfeld so schwierig.“
M&A-Absichten steigen auf Rekordniveau
Immer mehr deutsche Unternehmen reagieren auf die Unsicherheit mit strukturellen Einschnitten: Der Anteil der Unternehmen, die den Verkauf eines Unternehmensteils (Divestment) planen, hat sich von 18 Prozent im Januar auf aktuell 35 Prozent fast verdoppelt. „Angesichts hoher Volatilität, geopolitischer Risiken und langsamer Entscheidungswege in komplexen Strukturen möchten sich immer mehr Unternehmen von Geschäftsbereichen trennen, um ihre Agilität zu steigern und Bewertungsabschläge am Kapitalmarkt zu vermeiden“, sagt Krusch.
Darüber hinaus planen 68 Prozent der deutschen CEOs, mindestens einen Unternehmenszukauf oder eine Fusion durchzuführen – noch nie zuvor seit Beginn der Befragung im Jahr 2011 lag der Anteil so hoch. Im Januar hatte er noch 51 Prozent betragen, im September 2025 waren es 44 Prozent. Auch weltweit ist der M&A-Appetit gestiegen: von 53 Prozent im Januar auf aktuell 62 Prozent.
Krusch sieht im aktuell sehr hohen Interesse an M&A-Transaktionen ein Zeichen für eine Unternehmenslandschaft, die sich in einem schnellen Wandel befinde. Sie betont allerdings auch: „Längst nicht alle geplanten Transaktionen schaffen es im aktuellen Umfeld über die Ziellinie. Der Teufel steckt im Detail, zudem scheitern viele Transaktionen an Bewertungsfragen. Dennoch: Unterm Strich ist die Bereitschaft, auch radikale Einschnitte vorzunehmen, derzeit so hoch wie schon sehr lange nicht.“
KI-Investitionen sollen steigen – Unternehmen kaufen KI-Know-how ein
Ein wichtiger Treiber des Transaktionsmarktes sei der Siegeszug von KI-Technologien. Er habe erhebliche Auswirkungen auf viele Geschäftsmodelle, führe aber auch auf der Kostenseite zu massiven Einsparungen und könne zugleich die Geschwindigkeit etwa bei der Produktentwicklung deutlich steigern, so Krusch. Die große Mehrheit der Unternehmen – in Deutschland 87 Prozent, weltweit 80 Prozent – plant, die KI-Investitionen im Jahr 2026 im Vergleich zum Vorjahr zu erhöhen.
Die größten Effekte erwarten deutsche Unternehmen in der Produktion sowie bei Produkt- und Serviceinnovationen (jeweils 41 Prozent). Weitere positive Impulse sehen deutsche CEOs im Kundenservice (37 Prozent) sowie im Finanz- und Risikomanagement (34 Prozent). Auch die Arbeitswelt bleibt nicht unberührt: 49 Prozent rechnen mit einer Neugestaltung von Rollen, 36 Prozent mit einem deutlich steigenden Weiterbildungsbedarf. Mehr als ein Drittel (38 Prozent) plant zusätzliche Neueinstellungen, um KI-Kompetenzen aufzubauen. Auf der anderen Seite gehen 23 Prozent der deutschen CEOs davon aus, dass es in bestimmten Bereichen weniger Neueinstellungen geben wird.
„Viele Firmen investieren massiv in KI-Technologien – und dazu gehört auch die Suche nach zusätzlichen Mitarbeitenden mit KI-Fähigkeiten. Gleichzeitig wird aber auch das Ziel verfolgt, die Beschäftigten zum aktiven Lernen zu animieren – der Umgang mit KI soll zur Selbstverständlichkeit werden“, beobachtet Krusch. So ließe sich – organisch und mit der aktuellen Belegschaft – im besten Fall die Produktivität deutlich steigern. Als Zukunftsbild sieht sie im Berufsleben eine „Symbiose von Mensch und KI“ und eine Verschiebung von Aufgabenprofilen hin zu Bereichen, die stark technologisch geprägt sind und wo der Einsatz von KI dominiert. „Rollen, Anforderungsprofile und Aufgaben werden sich massiv verändern. Diesen Prozess zu ermöglichen und durch Weiterbildungsangebote noch zu beschleunigen – das ist die Aufgabe der Unternehmenslenker“, sagt Krusch.
Allerdings stößt der Vormarsch von KI-Technologien bei der Belegschaft nicht immer auf Begeisterung: Weltweit berichten 16 Prozent der befragten CEOs von kulturellem Widerstand innerhalb des eigenen Unternehmens gegen KI-bezogene Veränderungen. In Deutschland liegt der Anteil mit 21 Prozent noch darüber. Die größten Sorgen machen sich demnach die Beschäftigten in Frankreich (26 Prozent der CEOs sehen kulturellen Widerstand gegen Veränderung) und China (24 Prozent).
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