- 2025 Rückgang der Zahl ausländischer Investitionsprojekte in Europa um sieben Prozent, in Deutschland um zehn Prozent
- Frankreich und Großbritannien weiter vor Deutschland – langfristiger Abwärtstrend setzt sich fort
- Deutsche Unternehmen investieren deutlich weniger im Ausland – Kostendruck bremst Investitionen
- Investitionen im Verteidigungssektor boom – deutsche Unternehmen zweitwichtigste Investoren
Der Abwärtstrend bei ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland hält an. Die Zahl der von ausländischen Unternehmen in Deutschland angekündigten Investitionsprojekte sank im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf 548 Projekte – und damit auf den niedrigsten Stand seit 2009. Bereits zum achten Mal in Folge ging damit die Zahl der ausländischen Investitionsprojekte zurück.
Europaweit wurden im vergangenen Jahr insgesamt 5.026 Neuansiedlungs- und Erweiterungsprojekte ausländischer Investoren angekündigt – ein Minus von sieben Prozent gegenüber 2024 und der niedrigste Wert seit mehr als einem Jahrzehnt. Europaweit wurden im vergangenen Jahr insgesamt 5.383 Investitionsprojekte ausländischer Investoren angekündigt, ein Rückgang um fünf Prozent.
Im Ranking der attraktivsten Investitionsstandorte in Europa liegt Frankreich weiterhin vor Großbritannien und Deutschland, allerdings verzeichnete Frankreich 2025 unter den Top‑Standorten mit minus 17 Prozent den stärksten Rückgang. In Großbritannien sank die Zahl der Investitionsprojekte um 14 Prozent. Hinter Deutschland liegen die Türkei (plus sieben Prozent) und Spanien (plus 20 Prozent) auf den Rängen vier und fünf.
Die wichtigsten ausländischen Investoren in Europa waren auch 2025 US-Konzerne: Die Zahl der US-Projekte lag auf dem Niveau des Vorjahres, in Deutschland wurden sogar mehr US-Investitionen gezählt als 2024: plus neun Prozent auf 99 Projekte.
Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zu Investitionsprojekten ausländischer Unternehmen in Europa. Für die Studie werden Investitionsprojekte erfasst, die zur Schaffung neuer Standorte und neuer Arbeitsplätze führen; Portfolio- und M&A-Investitionen werden hingegen nicht berücksichtigt.
Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY, bewertet die Entwicklung der ausländischen Investitionen in Deutschland als hochproblematisch: „Nicht nur setzt sich der Negativtrend fort – im Langzeitvergleich hat Deutschland deutlich stärker an Attraktivität verloren als die anderen großen europäischen Standorte. Während Frankreich und Großbritannien zumindest phasenweise Aufwärtstrends zeigten, kennt der Standort Deutschland seit Jahren nur eine Richtung: nach unten.“ Seit dem Rekordjahr 2017 ist die Zahl der Investitionsprojekte in Deutschland kontinuierlich gesunken – insgesamt um 51 Prozent: Kein anderer größerer europäischer Standort hat einen derartig starken Rückgang verzeichnet.
„Das ist ein Alarmsignal für den Standort Deutschland. Wir werden abgehängt, andere europäische Standorte entwickeln sich deutlich besser.“ Aus Ahlers Sicht gibt es eine Vielzahl von Gründen für das schwache Abschneiden Deutschlands: „In Deutschland wird seit Jahren über notwendige Reformen geredet – echte und wirksame Reformschritte gab es allerdings kaum. Andere europäische Länder haben in dieser Zeit ihre Hausaufgaben gemacht haben und beispielsweise die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung vorangetrieben, ihre Steuersysteme vereinfacht und attraktiver gestaltet. In Deutschland bremsen die hohe Steuerbelastung, hohe Arbeitskosten, die teure Energie und gleichzeitig eine lähmende Bürokratie das Investitionsgeschehen. Die Reformunfähigkeit Deutschlands hat sich inzwischen weltweit herumgesprochen. Vom Image als starker Qualitätsstandort und ökonomischer Fels in der Brandung ist leider nicht viel übriggeblieben. Es ist allerhöchste Zeit: Wir müssen dringend gegensteuern!“
Einbruch bei deutschen Investitionen im Ausland
Auch die Zahl der Investitionsprojekte deutscher Unternehmen im europäischen Ausland sank im vergangenen Jahr massiv – um 24 Prozent auf 484, das war der stärkste Einbruch seit Beginn der Erhebung im Jahr 2006. Die Zahl deutscher Projekte in den Ländern Mittel- und Osteuropas sank dabei um 17 Prozent, in Westeuropa sogar um 27 Prozent.
Das Top-Investitionsziel deutscher Unternehmen ist nach wie vor das Nachbarland Frankreich: Mit 101 Investitionsprojekten ist Deutschland hinter den USA der zweitgrößte Investor in Frankreich – allerdings ließ das Interesse deutscher Unternehmen an Investitionen in Frankreich deutlich nach: die Zahl der Investitionen deutscher Unternehmen sank im vergangenen Jahr um 26 Prozent.
„Die Investitionszurückhaltung deutscher Unternehmen ist kein Zeichen mangelnder Ambitionen, sondern die Folge des enormen Kostendrucks, unter dem sie stehen“, sagt Ahlers. „Eine schwache Umsatz- und Gewinnentwicklung sowie unsichere Konjunkturaussichten zwingen viele Unternehmen dazu, Investitionen zu verschieben oder ganz zu streichen. Das ist nachvollziehbar – mittelfristig aber hochriskant. Denn es zeigt sich, dass das traditionelle Erfolgsrezept der deutschen Unternehmen unter Druck steht. Die stark exportorientierten deutschen Unternehmen waren jahrzehntelang neben den US-Konzernen die mit Abstand wichtigsten Investoren in Europa. Die Erschließung von Absatzmärkten im Westen des Kontinents ging einher mit dem Aufbau einer kostengünstigen Produktion im Osten Europas. Zusammen sicherte dieser Ansatz die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und letztlich des Standorts Deutschland. Dieses Modell funktioniert offenbar so nicht mehr.“
USA wieder größter Investor in Deutschland – vor China
Während US-Konzerne ihr Engagement in Deutschland in den vergangenen Jahren leicht – von 90 auf 98 – erhöht haben, sank die Zahl der chinesischen Investitionen in Deutschland von 96 auf 82. Damit lösten US-Konzerne chinesische Unternehmen als wichtigsten Investoren in Deutschland ab. Die Zahl der Projekte britischer Unternehmen sank von 48 auf 45, japanische Unternehmen steigerten ihr Engagement hingegen – von 34 auf 36 Projekte. Bei Schweizer Unternehmen setzte sich der mehrjährige Negativtrend auch 2025 fort: Die Zahl der Investitionsprojekte sank von 47 auf 34. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 waren noch 123 Schweizer Projekte in Deutschland gezählt worden.
Verteidigungsinvestitionen boomen
Die aktuellen geopolitischen Spannungen führen europaweit zu einem Boom bei Verteidigungsinvestitionen, der sich auch in einem starken Anstieg der Zahl konkreter Projekte niederschlägt: Um 80 Prozent stieg die Zahl der Investitionen ausländischer Investoren in Europa im vergangenen Jahr – von 58 auf 107.
Die meisten Projekte entfielen im vergangenen Jahr auf Großbritannien (20), gefolgt Frankreich (14) und der Ukraine (12). Deutschland liegt mit sieben FDI-Projekten im Europa-Ranking gemeinsam mit Belgien auf dem sechsten Rang. In den meisten Ländern stiegen die Investitionen im Vergleich zum Vorjahr – in Deutschland von fünf auf sieben.
Die wichtigsten Investoren sind in diesem Sektor US-Unternehmen: Die Zahl der US-Projekte stieg von neun auf 28. Deutsche Unternehmen stellen mit ihren Investitionen im europäischen Ausland die zweitwichtigste Investorengruppe, mit ebenfalls steigenden Projektzahlen: von acht auf 13.
Die Zahl der bei den Investitionsprojekten im Verteidigungssektor geschaffenen Jobs stieg von etwa 3.150 im Jahr 2024 auf knapp 6.999 im Jahr 2025. Die meisten Jobs wurden in Großbritannien mit knapp 1.200 Stellen geschaffen, in Deutschland entstanden etwa 500 neue Stellen.
Hier können Sie die Studie kostenlos bestellen.