Makroaufnahme eines Schmetterlings während der Metamorphose an einem Ast.

Wirtschaft im Wandel – wie die Transformation Investor Relations prägt

Investor Relations muss Transformationsprozesse, neue IFRS-Anforderungen und Risiken heute verständlich für den Kapitalmarkt einordnen


Überblick

  • Wenn Märkte, Regulierung und Technologie Geschäftsmodelle immer weiter verändern, muss IR strategischen Wandel klar einordnen.
  • Angesichts neuer Berichtspflichten verlangen Analysten und Investoren verständliche Erklärungen für komplexe Prozesse.
  • KI, Cyberrisiken und digitale Formate machen IR stärker zum strategischen Partner für den Dialog mit dem Kapitalmarkt.

Die wirtschaftliche Transformation verändert die Anforderungen an Investor Relations (IR) grundlegend.  Volatile Märkte, geopolitische Spannungen, regulatorische Veränderungen, Klimarisiken sowie technologische Umbrüche erhöhen den Anpassungsdruck auf Unternehmen spürbar und bestimmen maßgeblich die Transformationsagenda. Gleichzeitig treiben technologische Entwicklungen den Wandel weiter voran: Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz (KI), zunehmende Cyberrisiken und die Verbreitung von Desinformation und Fake News verändern Geschäftsmodelle, Prozesse und Kommunikationsstrukturen.

Warum Transformation Investor Relations stärker in den Mittelpunkt rückt

Für Investor Relations bedeuten dies: Die Funktion muss komplexe Veränderungsprozesse nicht nur nachvollziehen, sondern sie auch für Analysten, Investoren und andere Kapitalmarktteilnehmer transparent, klar und glaubwürdig vermitteln. Im Spannungsfeld zunehmender Komplexität an der Schnittstelle zwischen Unternehmensstrategie, Finanzberichterstattung und Kapitalmarktkommunikation gewinnt IR somit weiter an Bedeutung.

Gerade in Phasen tiefgreifender Veränderungen muss IR Auswirkungen auf Steuerung, Berichterstattung, Equity Story und Marktpositionierung frühzeitig übersetzen – und gleichzeitig wichtiges Feedback und Erwartungen aus dem Kapitalmarkt ins Unternehmen zurückspiegeln.

Welche Transformationsprozesse Unternehmen und IR besonders prägen

Die aktuelle Studie „Investor Relations im Transformationsprozess der Wirtschaft“ von DIRK und EY zeigt, dass Transformation Investor Relations nicht nur kommunikativ, sondern auch strukturell verändert – von der Equity Story bis zur Finanzberichterstattung. Die Studie erörtert unter anderem die folgenden Fragestellungen:

  • Zu welchen Veränderungen haben die Transformationsprozesse in Unternehmen geführt?
  • Wie wirken sich diese Entwicklungen auf die Equity Story, die Finanzberichterstattung zum Beispiel nach IFRS 8 oder IFRS 18 aus?
  • Welche Auswirkungen haben sie auf die Rollen von IR, Vorstand und Aufsichtsrat?

Welchen Einfluss haben die Entwicklungen auf die Investorenansprache, auf Ad-hoc-Prozesse, auf die durch Veränderungsprozesse häufiger auftretenden Fake News und auf die IR-Praxis?

Investor Relations im Transformationsprozess der Wirtschaft

Transformation Investor Relations: Wie KI, neue IFRS-Regeln und digitale Prozesse die Kapitalmarktkommunikation verändern. Erfahren Sie hier mehr.

KI in Investor Relations und Digitalisierung als Prioritäten für die Transformation

Zu den relevantesten Transformationsprozessen zählt für IR-Officer der technologische Wandel – insbesondere rund um die Bereiche KI und Digitalisierung. Auch die Einführung neuer Technologien in Produktentwicklung oder Produktion sowie der Aufbau moderner Daten‑ und IT‑Infrastrukturen ist in dieser Hinsicht relevant.

Gleichzeitig wirkt sich die Transformation auch bereits an anderen Stellen im Unternehmen aus: Auf kultureller und personeller Ebene stehen der Aufbau neuer Kompetenzen – insbesondere im Bereich KI – sowie neue Formen der Zusammenarbeit im Vordergrund. Bei den finanziellen und kapitalmarktbezogen Auswirkungen spielen vor allem die Weiterentwicklung der Equity Story und veränderte Erwartungen von Kapitalmarkt-Stakeholdern eine Rolle.

Auch Strategie und Organisation verändern sich im Zuge der Transformation, insbesondere beim Risikomanagementsystem, der stärkeren Integration neuer Themen in Planung und Steuerung (wie etwa ESG, Daten und Technologie) sowie der Anpassung von Lieferketten und Produktionsstrukturen.

Infografik zu technologischen, kulturellen, finanziellen und strategischen Veränderungen.

IFRS 8, IFRS 18, IFRS 16 und IAS 36 sind in der Transformation besonders relevant und erklärungsbedürftig

In Zeiten des permanenten Wandels sind für IR-Officer neben dem IFRS 8 insbesondere auch die ab 2027 anzuwendenden IFRS 18, IFRS 16 und IAS 36 relevant und erklärungsbedürftig. Sie betreffen zentrale Elemente der externen Finanzberichterstattung und führen regelmäßig zu Rückfragen zur Segmentlogik, Ergebnisdarstellung sowie zur Ableitung zentraler Steuerungsgrößen.

Bei IFRS 8 zeigen sich in den vergangenen fünf Jahren transformationsbedingte Anpassungen, etwa durch inhaltliche Neudefinitionen oder Umbenennungen bestehender Segmente. Mit IFRS 18 rücken die neue Kostenartenstruktur und die künftige Bedeutung von IFRS-Zwischensummen stärker in die Kapitalmarktkommunikation. Die meisten Unternehmen wollen weiterhin bei EBIT und/oder EBITDA als Management Performance Measures (MPM) bleiben und sehen einen erhöhten Informationsbedarf gegenüber Analysten und Investoren.

Wie sich die Rollen von CEO, CFO und Aufsichtsrat verändern

Die Rollen von Vorstand und Aufsichtsrat verändern sich in der Transformation deutlich. Der CEO übernimmt eine stärker ausgeprägte Verantwortung für Strategie, Veränderung und Innovation. Währenddessen erweitert der CFO seine Rolle um technologische Fähigkeiten, wird zunehmend zum „Value Creator“ und Businesspartner für den CEO und rückt zugleich stärker in das Blickfeld von Investoren und Analysten.

Vom Aufsichtsrat wird erwartet, dass er sich fachlich breiter aufstellt und neue Kompetenzen aufbaut, insbesondere mit Blick auf KI. Er sollte sich außerdem stärker mit strategischen Fragen der digitalen Transformation und Nachhaltigkeit auseinandersetzen und sich intensiver mit regulatorischen Veränderungen beschäftigen. Entsprechend gewinnen Aufsichtsratsausschüsse für Technologie, KI beziehungsweise Digitalisierung, Strategie, Risiko und Vergütung in Zukunft an Bedeutung.


Die Rollen von Vorstand und Aufsichtsrat verändern sich in der Transformation deutlich. Der CEO übernimmt eine stärker ausgeprägte Verantwortung für Strategie, Veränderung und Innovation. Währenddessen erweitert der CFO seine Rolle um technologische Fähigkeiten, wird zunehmend zum „Value Creator“ und Businesspartner für den CEO.


Für IR entsteht durch die Transformation ein erweitertes Profil, das verstärkt Markttrends und Branchenentwicklungen beobachtet, enger mit der Strategie‑, Technologie‑ und Innovationsabteilung interagiert und mehr Branchen- sowie IFRS‑Know‑how aufbauen muss, um strategische Entscheidungen und Transformationsauswirkungen nachvollziehbar zu vermitteln. Schließlich verändern sich auch IR‑Formate und Kommunikationsanforderungen.
 

Dennoch bleiben Investorenkonferenzen auch in Zeiten der Transformation weiterhin ein wichtiges Format. Sie finden laut den IR-Befragten häufig in den Monaten Januar, März und Mai sowie im September und November statt. Auch der Kapitalmarkttag wird in der Transformation bedeutsamer, da Unternehmen dort technologische Schwerpunkte und digitale Entwicklungen stärker in den Blick nehmen und kommunizieren. Zudem gewinnen virtuelle sowie hybride Formate an Bedeutung.
 

Neue Anforderungen für Kapitalmarktkommunikation, Analystendialog und Ad-hoc-Prozesse

Parallel dazu steigt der Bedarf an Analysten‑ und Investoren‑Education. Neue Geschäftsmodelle oder Segmente erfordern mehr Erklärungstiefe, Feedbackmechanismen mit Analysten nehmen zu und die Identifikation sowie die Beziehungspflege mit relevanten Analysten in der Branche wird wichtiger.
 

Im Ad‑hoc‑Prozess bleibt die Beurteilung der Kursrelevanz die größte Herausforderung, während im Umgang mit Falschinformationen insbesondere ein kontinuierliches Monitoring, eine proaktive Kommunikation mit Investoren und eine enge Zusammenarbeit mit Public Relations essenziell sind.


Fazit

Die aktuelle Studie zeigt, dass tiefgreifende Transformationsprozesse und eine hohe Marktdynamik den Druck auf Unternehmen erhöhen. IR ist gefordert, Entwicklungen und Auswirkungen schneller einzuordnen und Unternehmensentscheidungen transparent zu erklären. In diesem Kontext übernimmt IR die Rolle eines „Übersetzers“, Veränderungen und ihre Implikationen für den Kapitalmarkt frühzeitig einzuordnen und klar zu kommunizieren. Ein ganzheitliches Assessment der IR Readiness unterstützt dabei, die unternehmensspezifischen Implikationen zu analysieren, den Transformationsprozess im eigenen Sektor gut vorzubereiten und als wichtige Schnittstelle zum Kapitalmarkt aktiv zu begleiten.

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