Die internationale EY-Organisation besteht aus den Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited (EYG). Jedes EYG-Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen. Ernst & Young Global Limited ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht und erbringt keine Leistungen für Mandanten.
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Besonders die Registermodernisierung macht deutlich, worum es künftig praktisch geht: Daten sollen dort abgerufen werden, wo sie bereits qualitätsgesichert vorliegen, statt immer wieder neu abgefragt, hochgeladen und manuell geprüft zu werden. Das spart nicht nur Zeit aufseiten der Antragstellenden, sondern entlastet auch Fachbereiche, erhöht die Datenqualität und schafft die Grundlage für skalierbare digitale Leistungen. Wer die Wallet also nur an das Frontend andockt, digitalisiert bestenfalls die Fassade. Wer sie mit Registern, Vertrauensdiensten und Fachverfahren verbindet, digitalisiert die eigentliche Leistungserbringung.
Diese Logik endet nicht bei Bürgerkontakten. Auch Unternehmen und juristische Personen werden Teil des Wallet-Ökosystems – etwa dort, wo sie Genehmigungen beantragen, Registerangaben nachweisen oder signaturfähige Verwaltungsprozesse medienbruchfrei durchlaufen. Für die öffentliche Verwaltung ist das wichtig, weil digitale Identität künftig nicht nur natürliche Personen, sondern auch Organisationen und Vertretungsbeziehungen betrifft.
Was die EUDI-Wallet für Verwaltung und Programmverantwortliche bedeutet
Für die öffentliche Verwaltung und individuelle Programmverantwortliche folgt daraus eine klare Konsequenz: Die EUDI-Wallet darf nicht als isolierte Identitätskomponente betrachtet werden. Sie muss Teil einer durchgängigen Architektur für digitale Verwaltungsleistungen sein. Entscheidend ist nicht, ob eine Wallet technisch integriert werden kann, sondern ob daraus ein belastbarer, skalierbarer und nutzerfreundlicher Prozess entsteht, der durch Standardisierung und Automatisierung manuelle Prüfungen und Medienbrüche reduziert, die Datenqualität verbessert und der Verwaltung so greifbaren Mehrwert verschafft.
Auch der potenzielle Nutzen für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen ist konkret: Digitale Leistungen werden einfacher zugänglich, wenn Identifizierung, Nachweisführung und Einwilligung in einem Prozess zusammengeführt werden. Bereits vorhandene Daten müssen nicht wiederholt eingereicht werden; Bearbeitungszeiten können sinken, Transparenz und Nachvollziehbarkeit steigen. Das ist kein Komfortgewinn am Rand, sondern eine zentrale Bedingung für leistungsfähige digitale Verwaltung.
Warum die EUDI-Wallet auch für Unternehmen und regulierte Prozesse relevant wird
Die strategische Bedeutung endet jedoch nicht an der Grenze des öffentlichen Sektors. Auch für viele Unternehmen wird die EUDI-Wallet sektorübergreifend überall dort relevant, wo Identitäten, Berechtigungen und Nachweise in regulierten, haftungssensitiven oder grenzüberschreitenden Prozessen verlässlich geprüft werden müssen. Das gilt insbesondere für Finanzdienstleister, etwa beim digitalen Onboarding, in KYC-Prozessen oder bei geldwäscherechtlichen Anforderungen. Aber auch Mandats- und Vertretungsnachweise, Lieferanten- und Partner-Onboarding oder perspektivisch Nachweise im Gesundheits- und Sozialversicherungsumfeld zeigen: Infrastrukturen zur Wallet-Nutzung können zu einer breiteren Vertrauensinfrastruktur für Verwaltung und Wirtschaft werden. Die eIDAS-Novelle bezieht dabei ausdrücklich auch Unternehmen und juristische Personen mit ein. Ergänzend entstehen Konzepte für Business-Wallets, mit denen sich digitale Organisationsidentitäten, Unternehmensnachweise und Vertretungsberechtigungen nutzbar machen lassen.
Damit steigen allerdings auch die Anforderungen an Steuerung und Umsetzung. Einzelne Pilotprojekte oder ein modernisiertes Frontend reichen nicht aus. Benötigt werden priorisierte Use Cases, klare Zuständigkeiten, abgestimmte Zielarchitekturen, verbindliche Standards für Schnittstellen und Nachweise sowie ein Betriebsmodell, das föderale Realität, Fachlichkeit und technische Integration zusammenführt. Gerade weil Registeranbindung, Wallet-Nutzung und Fachverfahrensintegration organisationsübergreifend wirken, muss die Umsetzung auf Leitungsebene verankert werden.
Wer die nächsten Phasen der Digitalisierung erfolgreich gestalten will, sollte daher nicht in voneinander isolierten Komponenten denken, sondern in Serviceketten. Die entscheidende Frage sollte stets lauten: Welche Leistungen erzeugen den größten Nutzen, wenn Identität, Nachweise, Registerdaten und Fachverfahren konsequent zusammengeführt werden? Genau dort sollten Verwaltung, Industrie und Umsetzungspartner ansetzen. Denn die Vorteile für Staat, Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen entstehen nicht durch digitale Einzelmaßnahmen, sondern durch funktionierende Ende-zu-Ende-Prozesse.
Nur im Zusammenspiel entsteht Ende-zu-Ende-Digitalisierung in der Verwaltung
Die Voraussetzungen für einen substanziellen Fortschritt in der Verwaltungsdigitalisierung sind heute besser als noch vor wenigen Jahren. Mit eIDAS 2.0 liegt ein europäischer Rahmen für vertrauenswürdige digitale Identitäten und Nachweise vor. Mit dem Onlinezugangsgesetz und seiner Weiterentwicklung ist der politische und gesetzliche Handlungsdruck eindeutig gesetzt. Mit der Registermodernisierung und dem NOOTS entstehen die infrastrukturellen Voraussetzungen, um Daten rechtskonform und medienbruchfrei dort zu nutzen, wo sie bereits vorhanden sind.
Damit liegt die zentrale Herausforderung nicht mehr in der Beschreibung des Zielbilds, sondern in seiner konsequenten Umsetzung. Die EUDI-Wallet ist in diesem Zusammenhang kein Zusatzmodul, sondern ein strategischer Baustein. Sie kann den Zugang zu Verwaltungsleistungen vereinfachen, Nachweise digital nutzbar machen und die Verbindung zwischen Nutzerinteraktion, Registerdaten und Fachverfahren stärken. Ihr Mehrwert entsteht dort, wo sie in reale Serviceketten eingebettet wird.
Für Verwaltung, Politik und Umsetzungspartner folgt daraus eine klare Priorität: Entscheidend ist jetzt, die EUDI-Wallet, die Registeranbindung und die Fachverfahrensintegration gemeinsam zu planen und umzusetzen. Nur so entstehen digitale Verwaltungsleistungen, die für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen tatsächlich einfacher, schneller und verlässlicher funktionieren.
EUDI-Wallet, Register und Fachverfahren gemeinsam umsetzen
Die Spezialistinnen und Spezialisten der EY Consulting GmbH beraten Sie entlang der gesamten Servicekette der End-to-End-Digitalisierung – von der strategischen Zielbildentwicklung über Architektur, Prozessdesign und Programmsteuerung bis zur konkreten Anbindung von Wallet, Registern, Fachverfahren und relevanten Schnittstellen. Grundlage dafür sind neben einem belastbaren Verständnis der zugrunde liegenden Abläufe, Protokolle und Integrationsanforderungen auch vielfältige Projekterfahrungen aus komplexen Transformationsvorhaben im privaten und öffentlichen Sektor. Gern unterstützen wir bei der Planung, Umsetzung und Skalierung tragfähiger digitaler Serviceketten.
Der Erfolg der nächsten Phase der Digitalisierung wird nicht daran gemessen werden, ob einzelne Komponenten vorhanden sind. Er wird daran gemessen werden, ob daraus funktionierende Ende-zu-Ende-Prozesse entstehen.