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Wie Unternehmen ERP-Carve-outs erfolgreich meistern können

ERP-Carve-outs sind ein wesentlicher Bestandteil vieler M&A-Transaktionen. Struktur, Strategie und frühzeitige Planung spielen dabei eine wichtige Rolle.


Überblick:

  • ERP-Carve-outs sind entscheidend für die operative Eigenständigkeit eines Unternehmensbereichs.
  • Zwei Faktoren bestimmen den Erfolg: strukturelle Komplexität und operative Herausforderungen.
  • Frühzeitige Planung kann Transparenz schaffen, Risiken frühzeitig sichtbar machen und die Voraussetzungen für Day-1-Readiness verbessern.

Ein ERP-Carve-out umfasst die Trennung eines Unternehmensteils aus einem bestehenden ERP-System, einschließlich Daten, Prozesse und Systemlandschaft, mit dem Ziel, eine eigenständig funktionsfähige Organisation zu schaffen.

ERP-Carve-outs zählen zu den anspruchsvollsten Vorhaben im Kontext von M&A-Transaktionen. Anders als klassische IT-Transformationen geht es hierbei nicht primär um Optimierung, sondern um die präzise Trennung bestehender Systemlandschaften. ERP-Systeme bilden das Rückgrat geschäftskritischer Prozesse – von Finanzen über Logistik bis zur Produktion – und entscheiden damit maßgeblich darüber, ob ein ausgegliederter Geschäftsbereich ab Day 1 eigenständig und handlungsfähig operieren kann.

Im aktuellen Marktumfeld gewinnen Carve-outs weiter an Bedeutung. Unternehmen stehen zunehmend unter Druck, ihre Portfolios zu fokussieren und einzelne Geschäftsbereiche gezielt auszugliedern. Dabei entstehen komplexe Abhängigkeiten zwischen IT-Systemen, Daten und Prozessen, die im Rahmen eines ERP-Carve-outs konsequent identifiziert, bewertet und sauber getrennt werden müssen.


ERP-Carve-outs: Komplexität beherrschen, Risiken gezielt managen

Unser Framework zeigt, worauf es bei der erfolgreichen Trennung von ERP-Landschaften in M&A-Transaktionen ankommt.

Gleichzeitig fehlt es bislang häufig an etablierten Best Practices. Ein strukturiertes Verständnis der zugrunde liegenden Komplexität ist daher entscheidend, um Risiken frühzeitig zu adressieren und Projekte erfolgreich umzusetzen.

Zwei Dimensionen bestimmen den Erfolg eines ERP-Carve-outs

Ein von EY gemeinsam mit der Universität St. Gallen entwickeltes Rahmenkonzept zeigt, dass sich die zentralen Einflussfaktoren in zwei Dimensionen gliedern lassen: strukturelle Komplexitätstreiber und operative Herausforderungen.

Strukturelle Faktoren definieren den grundlegenden Schwierigkeitsgrad eines Projekts – etwa durch Systemarchitektur oder Datenstrukturen. Operative Herausforderungen bestimmen hingegen, wie stark sich diese Komplexität in der Umsetzung tatsächlich auswirkt, beispielsweise durch Zeitdruck oder Ressourcenengpässe.

Nur durch das Zusammenspiel beider Dimensionen lässt sich ein ERP-Carve-out ganzheitlich steuern.

Strukturelle Komplexitätstreiber von ERP-Carve-outs

Drei zentrale Faktoren prägen den grundlegenden Komplexitätsgrad eines ERP-Carve-outs.

1. ERP-System-Fit als Ausgangspunkt der Transformation

Der ERP-System-Fit beschreibt die Übereinstimmung zwischen der bestehenden Systemlandschaft und der angestrebten Zielarchitektur. Je größer die Abweichung zwischen Ist- und Zielbild, desto höher sind Aufwand, Risiken und Anforderungen an Migration, Integration und Testing.

2. Das Target Operating Model als strategischer Treiber

Das zukünftige Betriebsmodell des ausgegliederten Unternehmens definiert die Geschäftsprozesse und organisatorischen Strukturen, die im ERP-System abgebildet werden müssen. Unklare Zielbilder oder nachträgliche Änderungen führen in der Praxis häufig zu Verzögerungen, zusätzlichem Aufwand und steigender Projektkomplexität.

3. Datenverflechtung als kritischer Erfolgsfaktor

Die Tiefe der Datenverflechtung beeinflusst maßgeblich den Aufwand der Trennung. In vielen Organisationen sind Datenstrukturen über Jahre hinweg gewachsen und eng miteinander verzahnt. Diese Abhängigkeiten erschweren die saubere Abgrenzung und Migration der relevanten Datenbestände und erhöhen das Risiko von Fehlern sowie Compliance-Problemen.

Operative Herausforderungen erhöhen das Umsetzungsrisiko von ERP-Carve-outs

Neben strukturellen Faktoren spielen operative Herausforderungen eine entscheidende Rolle in der Umsetzung.

Zeitdruck als dominierender Risikofaktor

ERP-Carve-outs sind eng mit den typischerweise sehr aggressiven Zeitplänen von M&A-Transaktionen verknüpft. In der Regel ist das Ziel eine funktionsfähige Systemlandschaft zum sogenannten Day 1 – dem Zeitpunkt, an dem die neue Organisation eigenständig operiert.

Ambitionierte Zeitpläne führen jedoch häufig zu verkürzten Vorbereitungsphasen, unklaren Anforderungen und verzögerten Entscheidungen. In der Folge steigt der Aufwand in späteren Projektphasen, insbesondere bei Migration, Testing und Stabilisierung.


ERP-Carve-outs entscheiden maßgeblich darüber, ob ein ausgegliederter Geschäftsbereich ab Tag 1 stabil und eigenständig operieren kann. Entscheidend ist, strukturelle Komplexität und operative Herausforderungen frühzeitig gemeinsam zu adressieren.


Ressourcen- und Kompetenzengpässe als Herausforderung

ERP-Carve-outs erfordern spezifische Expertise, die in vielen Organisationen nicht in ausreichendem Maße vorhanden ist. Gleichzeitig sind interne Fachbereiche unverzichtbar, da sie über detailliertes Prozess- und Systemwissen verfügen.

Fehlende Erfahrung im Umgang mit Carve-out-spezifischen Fragestellungen sowie unklare Verantwortlichkeiten können die Umsetzung erheblich erschweren.
 

Frühzeitige Planung reduziert Komplexität und Risiken

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass der Erfolg eines ERP-Carve-outs maßgeblich von der frühzeitigen und strukturierten Planung abhängt. Unternehmen sollten bereits in frühen Phasen einer Transaktion zentrale Fragestellungen systematisch adressieren:

  • Analyse der bestehenden ERP-Systemlandschaft
  • Definition eines klaren Target Operating Models (TOM)
  • Bewertung von Datenumfang und -qualität

Ein strukturierter Ansatz – vergleichbar mit einer Discover-Phase – hilft dabei, Komplexitätstreiber frühzeitig sichtbar zu machen, Risiken transparent zu bewerten und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Fazit

ERP-Carve-outs sind keine rein technischen Projekte, sondern strategische Transformationsvorhaben mit unmittelbarer Auswirkung auf den Geschäftserfolg.

Die frühzeitige Berücksichtigung struktureller Komplexität und operativer Herausforderungen kann dazu beitragen, die Voraussetzungen für einen stabilen und regelkonformen Betrieb ab Day 1 zu schaffen.

FAQ zu ERP-Carve-outs

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