Hinzu kommen Rauch und Ruß, Evakuierungen, gesperrte Zufahrten sowie Ausfälle der Strom- oder Telekommunikationsversorgung. Schäden können damit weit über die eigentliche Brandfläche hinaus entstehen. Neben Wohn- und Gewerbegebäuden können Energieanlagen, Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur, Landwirtschaft und Tourismus betroffen sein. Besonders ins Gewicht fallen mögliche Betriebsunterbrechungen.
Wo Waldbrandgefahr und Versicherungswerte zusammentreffen
Aus niedrigen bisherigen Marktschäden folgt keine Entwarnung. Ebenso wenig liefert ein Klimaszenario allein eine Antwort. Entscheidend ist, ob eine zunehmende Waldbrandgefahr und hohe versicherte Werte am selben Ort zusammentreffen.
Die NGFS-Szenarien zeigen, wie sich die witterungsbedingte Waldbrandgefahr und die Dauer der Feuersaison unter unterschiedlichen Klima- und Politikpfaden entwickeln könnten. Für die Bewertung einzelner Gebäude oder Anlagen reichen sie jedoch nicht aus. Die dem Climate Impact Explorer zugrunde liegenden Klimadaten liegen in einem Raster von 0,5 Grad vor. Das entspricht in Deutschland ungefähr 35 mal 55 Kilometern. Damit lassen sich langfristige Entwicklungen in Regionen vergleichen, nicht aber die Gefahr für eine konkrete Adresse bestimmen. Dafür braucht es genauere regionale Klima-, Vegetations- und Standortdaten.
Drei Fragen für eine belastbare Portfoliobetrachtung
Was ist in der Region bisher passiert?
Die Waldbrandstatistik des Bundes, die von EFFIS erfassten Brandflächen, Daten des Deutschen Wetterdienstes und regionale Einsatzinformationen zeigen, wann und wo Brände aufgetreten sind und welche Wetterbedingungen ihre Ausbreitung begünstigt haben. Zusammen mit den eigenen Schadendaten bilden sie den Ausgangspunkt.
Wo liegen die versicherten Werte?
Für einen einzelnen Standort kommt es vor allem auf sein unmittelbares Umfeld an: den Abstand zu Wald- und Grasflächen, die Art und den Zustand der Vegetation, das Gelände, die Zufahrtswege und die Löschwasserversorgung. Ebenso wichtig sind Bauweise und Brandschutz, Versicherungssummen, mögliche Betriebsunterbrechungen und die vereinbarten Deckungen. Detaillierte Vegetations- und Geodaten von Copernicus, Bund und Ländern ermöglichen diese kleinräumige Betrachtung.
Wie könnte sich die Gefahr verändern?
Regionale Klimaprojektionen des Deutschen Wetterdienstes und von Copernicus zeigen, wie sich Hitze, Trockenheit und Wetterlagen, die Brände begünstigen, in Deutschland entwickeln können. NGFS ordnet diese Ergebnisse in einheitliche Szenarien für Unternehmensplanung und ORSA ein. Die künftige Gefahr ergibt sich also nicht unmittelbar aus einem NGFS-Szenario, sondern aus der Verbindung regionaler Klimadaten mit dem konkreten Standort und dem eigenen Bestand. Für 2030 ist eine Bandbreite aussagekräftiger als eine scheinbar präzise Einzelprognose. Die Klimapfade liegen bis dahin noch relativ nah beieinander; regionale Unterschiede und natürliche Wetterschwankungen fallen stärker ins Gewicht.