Gruppenaufnahme eines Teams in einem modernen Büro mit EY-Branding und Pflanzenwand.

Wie stärken Unternehmen den gesellschaftlichen Zusammenhalt?

Unternehmen können gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken – durch Begegnung, Vertrauen und werteorientiertes Handeln im Kerngeschäft.


Überblick

  • Gesellschaftlicher Zusammenhalt stärkt Vertrauen, Kooperation, Wachstum und Innovation. Polarisierung kann diese Grundlagen wirtschaftlichen Erfolgs schwächen.
  • Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht dabei nicht nur in öffentlichen Debatten, sondern auch im Arbeitsalltag: in Meetings, Pausen und Projekten.
  • Ein Hebel liegt im Kerngeschäft von Unternehmen, also in Produkten, Dienstleistungen, Prozessen sowie in der Art, wie Entscheidungen getroffen werden.

Mehr als 81 Prozent der Menschen in Deutschland sehen aktuell eine Spaltung der Gesellschaft in ihrem Land.1 Diese Wahrnehmung betrifft nicht nur das gesellschaftliche Miteinander, sondern kann auch Vertrauen und Zusammenarbeit erschweren, die für wirtschaftliche Prosperität essenziell sind. Gleichzeitig zeigt die Forschung der gemeinnützigen Organisation More in Common, dass Unternehmen einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten können, indem sie die Arbeitswelt und das innerbetriebliche Miteinander bewusst gestalten.

Wie das konkret gelingen kann, haben wir im Rahmen der EY-Zukunftswerkstatt in drei Workshops mit Vertretenden von mehr als 20 Unternehmen sowie Fachleuten aus der Zivilgesellschaft erarbeitet. Dabei haben wir uns an drei von More in Common definierten Gestaltungsfeldern2 orientiert.

Gestaltungsfeld 1: Begegnung und Gesprächsfähigkeit

Am Arbeitsplatz treffen unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Lebensrealitäten aufeinander. Unternehmen sollten deshalb Räume schaffen, in denen Menschen auch bei kontroversen Themen miteinander im Gespräch bleiben können. Hilfreich sind niedrigschwellige Formate und konkrete Anlässe für den Austausch, etwa im Arbeitsalltag oder in gemeinsamen Pausen.

Gespräche gewinnen an Tiefe, wenn nicht nur Meinungen, sondern auch die Erfahrungen dahinter zur Sprache kommen. Kristina Krömer zeigte in ihrem Impuls, wie Perspektivwechsel und neugieriges Zuhören helfen können, unterschiedliche Sichtweisen besser nachzuvollziehen. Entscheidend ist eine Haltung, die nicht belehrt, sondern echtes Interesse am Gegenüber zeigt.

Kultur zeigt sich darin, welches Verhalten gefördert oder geduldet wird.

Gestaltungsfeld 2: Würde und Vertrauen

Vertrauen entsteht dort, wo Menschen sich respektiert, gehört und ernst genommen fühlen. Unternehmen können dies fördern, indem sie klare Regeln und Verantwortlichkeiten schaffen, Beteiligung ermöglichen und verlässliche Räume für Feedback anbieten.

Wie Dr. Lena Marbacher verdeutlichte, entsteht Unternehmenskultur nicht allein durch Leitbilder. Kultur zeigt sich vielmehr darin, welches Verhalten gefördert oder geduldet wird. Erst wenn sich Wertschätzung, Beteiligung und Vertrauen in konkreten Strukturen, Prozessen und Entscheidungen widerspiegeln, werden sie für Mitarbeitende tatsächlich erlebbar. Ebenso wichtig sind Konfliktkompetenz, wertschätzende Zusammenarbeit und der bewusste Umgang mit individuellen Unterschieden.

Wenn Werte ernst gemeint sind, beeinflussen sie Entscheidungen – und werden am Ende im Produkt sichtbar. Sind sie es nicht, bleiben sie reines Marketing.

Gestaltungsfeld 3: Werte und Kerngeschäft

Ein besonders wirksamer Hebel für gesellschaftlichen Zusammenhalt liegt im Kerngeschäft. Unternehmen sollten ihre Werte deshalb konsequent in Produkte, Dienstleistungen, Prozesse und Entscheidungen übersetzen. Diesen Gedanken griff Anna Gottschalg auf: Werte entfalten ihre Wirkung nicht in Leitbildern, sondern als Teil des Betriebssystems in den Entscheidungen, die Unternehmen täglich treffen.
 

Wenn ein Wert wie Teilhabe tatsächlich gelebt wird, beeinflusst er konkrete Fragen: Trägt mein Produkt zu mehr Teilhabe in der Gesellschaft bei? Erleichtert es den Zugang zu Informationen, Dienstleistungen oder Chancen? Sind Werte hingegen nur Teil der Kommunikation, ohne das unternehmerische Handeln zu prägen, bleiben sie reines Marketing und verlieren an Glaubwürdigkeit.

Fazit

Gesellschaftlicher Zusammenhalt lässt sich nicht verordnen, aber aktiv gestalten. Unternehmen können dazu beitragen, indem sie Begegnung ermöglichen, Vertrauen stärken und ihre Werte konsequent in ihr unternehmerisches Handeln übersetzen. Wer diese Hebel nutzt, versteht gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht als Zusatz, sondern als Investition in die eigene Zukunftsfähigkeit.

Als EY Deutschland werden wir das Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt auch künftig in unterschiedlichen Formaten weiter begleiten und den Dialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft fortsetzen. Denn die Frage, wie Unternehmen zu einer resilienten und zukunftsfähigen Gesellschaft beitragen können, wird aus unserer Sicht weiter an Bedeutung gewinnen.


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