Großangelegtes Brückenbauprojekt zeigt modernen Fortschritt im Infrastrukturentwicklungssektor heute

Warum sich der Hochbau langsamer erholt – und Infrastruktur den Markt stabilisiert

Die Hochbau- und Infrastrukturprognose 2026 zeigt: Die Erholung im Hochbau verzögert sich weiter, Infrastruktur stützt den Gesamtmarkt.


Überblick
  • Der Hochbau bleibt schwach: 2026 wird erneut ein Übergangsjahr mit leicht negativem Wachstum.
  • Eine moderate Erholung im Hochbau setzt voraussichtlich erst ab 2027 ein.
  • Infrastrukturinvestitionen wachsen stabil und stützen die Bauwirtschaft deutlich.

Der deutsche Hochbaumarkt verzeichnete 2025 erneut einen realen Rückgang von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit setzt sich der Abwärtstrend der vergangenen Jahre fort. Seit 2021 ist das Hochbauvolumen deutlich gesunken: Nach einem Minus von 3,6 Prozent im Jahr 2024 fiel es 2025 auf rund 437 Milliarden Euro. Der Markt erreichte damit einen vorläufigen Tiefpunkt, geprägt durch eine ausgeprägte Investitionszurückhaltung.

Hochbau blieb 2025 in einer Abschwungphase

Die zentralen Belastungen des Hochbaus blieben auch 2025 bestehen: Hohe Bauzinsen und steile Baukosten treffen auf unsichere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Trotz einer vorübergehenden Entspannung bei Baukosten und Zinsen im Jahr 2024 (flacherer Kostenanstieg, kurzzeitig sinkende Zinsen), blieben Investitionsimpulse aus. Viele Bauherren und Investoren verschoben oder stoppten Projekte, insbesondere im Wohnungsneubau. Die Wohnungsbau-Segmente (Eigenheim- und Geschosswohnungsbau) litten am stärksten unter dem finanzierungsseitigen Druck.

Auch der Renovierungssektor konnte den Markt kaum stabilisieren, da hohe Materialkosten und Unsicherheiten, etwa bei Förderprogrammen, Investitionen bremsten.

Zusätzlich belasteten geopolitische Unsicherheiten (zuletzt der Nahost-Konflikt mit neuen Energiepreis- und Inflationsschüben) sowie eine fragile Konjunktur das Investitionsklima. Projektabsagen und -verschiebungen dominierten; insbesondere private Bauherren und institutionelle Anleger setzten aufgrund des „anspruchsvollen Finanzierungsumfelds“ und hoher Kosten viele Vorhaben weiter aus. So blieb 2025 ein weiteres schwieriges Jahr, in dem Hochbauprojekte aus Besorgnis über Wirtschaftlichkeit und Rahmenbedingungen häufig zurückgestellt wurden.

Hochbauprognose: Stabilisierung und leichte Trendwende in Sicht

Warum 2026 ein Übergangsjahr ist und wann es wieder aufwärts geht.

Ausblick Hochbau: Kein schneller Aufschwung erwartet

 

Zwischen 2026 und 2028 erwarten wir keinen schnellen Aufschwung im Hochbau, sondern lediglich eine verhaltene Erholung. Trotz strukturell hoher Wohnraumnachfrage bleiben hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und geopolitische Unsicherheiten die zentralen Belastungsfaktoren. Nach dem starken Einbruch 2024 und einem weiteren Rückgang 2025 dürfte auch 2026 nochmals leicht negativ ausfallen und die Talsohle markieren.

 

Erst ab 2027 ist mit einer moderaten Erholung zu rechnen (+0,8 Prozent), die sich 2028 leicht verstärkt (+1,2 Prozent), jedoch eher eine Stabilisierung als einen dynamischen Aufschwung darstellt. Maßgeblich wirkt die anhaltend hohe Nachfrage, die durch Zuwanderung und demografische Faktoren gestützt wird, deren Nachfragerückstau sich jedoch nur langsam entfalten dürfte.

 

Baugewerbe leidet unter Kostendruck

 

Gleichzeitig sorgen steigende Baupreise und eine wieder anziehende Inflation (rund 2,9 Prozent im Frühjahr 2026) für zusätzlichen Kostendruck. Eine zu aggressive Weitergabe dieser Kosten könnte das Bauvolumen weiter dämpfen. Auch das Finanzierungsumfeld bleibt herausfordernd: Bauzinsen verharren auf erhöhtem Niveau und zeigen weiterhin hohe Volatilität, was Investitionsentscheidungen verzögert.

 

Makroökonomisch bleibt das Umfeld schwach, mit nur moderatem gesamtwirtschaftlichem Wachstum. Geopolitische Entwicklungen – insbesondere steigende Energiepreise infolge internationaler Konflikte – belasten zusätzlich. Frühindikatoren wie Baugenehmigungen und Auftragseingänge zeigen zwar vereinzelt Stabilisierungstendenzen, bleiben aber insgesamt deutlich unter Vorkrisenniveau.

 

Politische Maßnahmen wie Förderprogramme im sozialen Wohnungsbau sowie geplante regulatorische Reformen wirken stabilisierend, dürften jedoch keinen kurzfristigen Boom auslösen. Insgesamt bleibt die Erholung im Hochbau somit flach und verzögert.

Bauvolumen
-1,9 %
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realen Umsatzrückgang verzeichnete der deutsche Hochbaumarkt auch 2025.

Infrastrukturbau: Robustes Wachstum und stabilisierende Wirkung

Der Infrastrukturbau (unter anderem Verkehrswege, Energie‑ und Wassernetze sowie Telekommunikation) ist weitgehend vom schwachen Hochbau entkoppelt und zeigt sich deutlich resilienter. Öffentliche Investitionen und umfangreiche Förderprogramme treiben ein robustes Wachstum: 2025 verzeichnete der Sektor einen zweistelligen Anstieg der Auftragsbestände (+12,6 Prozent). Nach Jahren der Unterinvestition fließen verstärkt Mittel in Straßen‑ und Schieneninfrastruktur, Energie‑ und Breitbandnetze sowie die Wasserversorgung. Die langfristige Ausrichtung dieser Investitionen – getragen durch staatliche Programme – sorgt für hohe Kontinuität in der Baunachfrage.

Für den Zeitraum 2025 bis 2028 wird ein reales Wachstum von rund 4 Prozent jährlich erwartet. Bereits 2025 überschreitet das Marktvolumen wieder die Marke von 100 Milliarden Euro und auch 2026 wird ein deutliches Wachstum prognostiziert – insbesondere im Energiesektor (Netzausbau) sowie in der Verkehrsinfrastruktur. Insgesamt dürfte das Infrastrukturvolumen bis 2026 auf rund 109 Milliarden Euro steigen. Damit kompensiert der Infrastrukturbau einen wesentlichen Teil der Schwäche im Hochbau und stabilisiert die Entwicklung der gesamten Bauwirtschaft.

Die dynamische Entwicklung im Infrastrukturbau stabilisiert die Bauwirtschaft insgesamt: Kapazitäten werden ausgelastet, Beschäftigung gesichert und angrenzende Industrien profitieren von verlässlicher Nachfrage.

Zudem verbessert die dynamische Infrastrukturkonjunktur die Lage der Bauindustrie insgesamt: Kapazitäten werden ausgelastet, Beschäftigung gesichert und vor‑ sowie nachgelagerte Industrien (zum Beispiel Baustoffe und Maschinenbau) profitieren von stabilen Absatzperspektiven. Der Infrastrukturbau fungiert damit als zentraler Konjunkturanker, der die Branche stabilisiert, bis sich der Hochbau nachhaltig erholt.

Exkurs Sondervermögen: Impulse für Infrastruktur, Hochbau profitiert nur in geringem Umfang

Die Bundesregierung hat 2025 mit dem Sondervermögen „Klima und Transformation“ ein Investitionspaket von rund 500 Milliarden Euro aufgelegt. Über 70 Prozent der Mittel entfallen auf Bauvorhaben, davon etwa 55 Prozent auf den Infrastrukturbau und lediglich rund 18 Prozent auf den Hochbau. Damit besteht eine klare strukturelle Priorisierung großvolumiger, staatlich initiierter Infrastrukturprojekte.

Die Schwerpunkte liegen auf den Bereichen Verkehr (insbesondere Schiene, Straßen und Brücken), Energie‑ und Versorgungsnetzen sowie digitale Infrastruktur; ergänzt durch Investitionen in Krankenhäuser und ähnliches. Ein Großteil der Mittel fließt direkt in bauausführende Leistungen, während technologie‑ und planungsbezogene Programme eher indirekte Effekte entfalten.

Im Hochbau konzentrieren sich die Fördermaßnahmen auf ausgewählte Segmente wie soziale Infrastruktur, Wohnungsbau und energetische Sanierung. Aufgrund begrenzter Volumina und anhaltender Marktrisiken bleibt der gesamtwirtschaftliche Nachfrageimpuls hier jedoch vergleichsweise gering.

Insgesamt entfalten die Programme im Infrastrukturbereich mit einem Förderanteil von rund 20 Prozent eine deutlich höhere Marktwirkung als im Hochbau (rund 2 Prozent). Spürbare Impulse im Infrastrukturbau sind daher ab 2026 zu erwarten, da bereitgestellte Mittel, beschleunigte Planungsverfahren und neue Projekte zunehmend wirksam werden. Das Sondervermögen wirkt damit primär als Wachstumstreiber für den Infrastrukturbau, während der Hochbau nur in begrenztem Umfang davon profitiert.

Co-Autoren: Henning Kleb & Phil Növer

Fazit

Im Hochbau verzögert sich die Erholung weiter: Nach dem Einbruch 2024 ging die Aktivität auch 2025 zurück. Hohe Zinsen, steigende Bau- und Finanzierungskosten sowie Unsicherheiten bremsen Investitionen trotz hoher Nachfrage. Für 2026 wird bei ersten Anzeichen einer Stabilisierung ein leichter Rückgang erwartet, mit weiterhin steigenden Kosten. Eine erste Erholung erscheint erst ab 2027 realistisch. Die Infrastruktur entwickelt sich deutlich robuster: Getrieben durch anhaltend hohe öffentliche Investitionen wächst der Bereich ab 2025 real um rund 4 Prozent jährlich. 2026 kann sie den Rückgang im Hochbau kompensieren und etabliert sich nachhaltig als zentraler Wachstumstreiber der Bauindustrie.

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