Vier Handlungsfelder und drei Barrieren prägen die zirkuläre Transformation
Um dieses Potenzial zu realisieren, ist ein grundlegender Wandel in der Konzeption, Produktion und Monetarisierung von Fahrzeugen und Komponenten erforderlich. Es bedarf eines ganzheitlichen Ansatzes entlang des gesamten Fahrzeuglebenszyklus, der vier zentrale Handlungsfelder inkludiert:
- Zirkuläres Design: Entwicklung von Fahrzeugen und Komponenten für Demontage, Reparatur und Recycling
- Zirkuläre Bauteile: Wiederaufbereitung und Wiederverwendung von Teilen und Komponenten
- Zirkuläre Materialien: verstärkter Einsatz sekundärer Materialien in Fahrzeugen und Komponenten
- Zirkuläre Vertriebsmodelle: Übergang zu nutzungs- und lebenszyklusorientierten Vertriebsmodellen
Die zirkuläre Transformation hat bereits begonnen. Branchenweit investieren Unternehmen in zirkuläre Innovationen, bauen erste operationelle Fähigkeiten auf und etablieren initiale Partnerschaften. Dennoch bleiben die meisten Kreislaufwirtschaftsinitiativen trotz dieser Dynamik fragmentiert, im Umfang begrenzt oder kommerziell noch nicht bewiesen. Die Kluft zwischen zirkulärer Ambition und operativer Realität ist weiterhin groß.
Hauptursächlich hierfür sind drei strukturelle Barrieren:
- Erstens erschwert ein hochkomplexes und fragmentiertes Ökosystem mit vielen, nur begrenzt koordinierten Akteuren entlang der Wertströme für Fahrzeugteile und ‑materialien eine wirksame vollständige Schließung von Kreisläufen.
- Zweitens ist die wirtschaftliche Tragfähigkeit vieler zirkulärer Geschäftsmodelle aufgrund von einer Reihe von operativen Herausforderungen bislang nicht nachhaltig belegt. Hierzu zählen etwa der begrenzte Zugang zu Altfahrzeugen und Altfahrzeugteilen, die Komplexität von Demontage- und Triageprozessen sowie die begrenzte Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger und transparent rückverfolgbarer Rezyklate.
- Drittens fehlt es an klarer strategischer Verankerung und langfristiger Verpflichtung, indem Unternehmen – und die Industrie insgesamt – Kreislaufwirtschaft aktiv priorisieren, verbindlich investieren und sich auf gemeinsame Ziele und Rahmenbedingungen verständigen.
Vier Zukunftsszenarien zeigen die Pfade der zirkulären Automobilindustrie
Stand heute bleibt die Zukunft der automobilen Kreislaufwirtschaft ungewiss. Zwar nimmt das Marktmomentum zu, jedoch bestehen weiterhin Unsicherheiten darüber, wie stark sich die zugrunde liegenden Treiber der zirkulären Transformation tatsächlich auswirken werden und ob es der europäischen Automobilindustrie gelingt, die bestehenden Barrieren nachhaltig zu überwinden.
Um dieser Unsicherheit zu begegnen und aussagekräftige strategische Orientierung für Industrieakteure abzuleiten, haben wir eine zukunftsgerichtete Perspektive eingenommen und vier alternative Szenarien entwickelt, die veranschaulichen, wie sich die zirkuläre Automobillandschaft in Europa bis 2040 entfalten könnte – und was diese Zukunftsverläufe für Unternehmen heute bedeuten.