Der Schriftzug „Bundesgerichtshof“ und ein deutscher Bundesadler sind auf einer Stele an einem Zaun vor dem Hauptgebaeude vom Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe (Baden-Wuerttemberg) zu sehen. Der Bundesgerichtshof (BGH) ist das oberste Gericht der Bundesrepublik Deutschland auf dem Gebiet der ordentlichen Gerichtsbarkeit und damit letzte Instanz in Zivil- und Strafverfahren.

Wie Rechtsabteilungen KI für ihre Transformation nutzen


Die General-Counsel-Studie 2025 von EY Law zeigt die Herausforderungen in Zeiten geopolitischer, technologischer und regulatorischer Umbrüche.


Überblick

  • Die General-Counsel-Studie 2025 von EY Law zeigt, dass Rechtsabteilungen unter dem Druck geopolitischer und technologischer Veränderungen stehen.
  • 75 Prozent der Befragten betrachten die Verfeinerung ihrer Technologie- und Datenstrategie als zentrale Priorität, während interne Hürden den Fortschritt hemmen.
  • Sechs strategische Handlungsfelder wurden identifiziert, um die Transformation der Rechtsabteilungen erfolgreich voranzutreiben.

Die aktuelle General-Counsel-Studie von EY Law – durchgeführt in Kooperation mit Oxford Economics – liefert eine umfassende Bestandsaufnahme: 1.000 General Counsels und Chief Legal Officers global tätiger Unternehmen wurden zu Prioritäten, Herausforderungen und Strategien ihrer Rechtsabteilungen befragt. Das Ergebnis: Die Anforderungen an Rechtsabteilungen steigen stetig. Neue Regulierungen, geopolitische Unsicherheiten, technologische Umbrüche und steigende Geschäftserwartungen setzen die Funktionen unter Zugzwang. Dabei ist der Wandel unumkehrbar, auch wenn Tempo und Richtung bei den einzelnen Rechtsabteilungen erheblich variieren.

Externer Druck, interne Hürden

75 Prozent der Befragten sehen die laufende Verfeinerung ihrer Technologie- und Datenstrategie als zentrale Priorität, 25 Prozent bewerten den Einsatz von generativer KI als besonders relevant. Gleichzeitig hemmen interne Faktoren wie starre Budgetzuweisungen, mangelnde Technikintegration und fehlendes Change Management den Fortschritt. Ein Ergebnis der Studie lautet beispielsweise: Obwohl 83 Prozent der Befragten ein steigendes Budget erwarten, berichten viele, dass die Mittel zweckgebunden sind – etwa für bestehende Projekte statt für neue Technologien oder zusätzliche Ressourcen. Der Bedarf nach Veränderung ist also erkannt, doch die Umsetzung bleibt oft im alten Trott auf der Strecke.

Grafik: Mit welchen Technologien Rechtsabteilungen bereits arbeiten

Sechs Hebel

Die Studie identifiziert sechs strategische Handlungsfelder, mit denen Rechtsabteilungen ihre Transformation wirksam vorantreiben können:

  1. Tiefere Einblicke gewinnen: Nur 11 Prozent der Rechtsabteilungen führen regelmäßig Stakeholder-Befragungen durch. Dabei ist genau dieses Feedback essenziell, um Prioritäten richtig zu setzen. Ebenso fehlt häufig eine dokumentierte Betriebsstrategie oder ein Reifegradmodell. Effektives Legal Management erfordert klar definierte Ziele und passende Leistungskennzahlen – sowohl prozess- als auch ergebnisorientiert.
  2. Ausgabengewohnheiten analysieren: Trotz wachsender Budgetverantwortung haben nur 24 Prozent der Befragten eine systematische Ausgabenbewertung durchgeführt. Dabei kann gerade ein datengetriebenes Kostenmanagement helfen, Einsparpotenziale zu identifizieren, Outsourcing gezielter zu steuern und die Verteilung der Budgets an Geschäftsprioritäten anzupassen.
  3. Vielfältige Beschaffungsstrategien nutzen: Rechtsabteilungen setzen zunehmend auf hybride Modelle aus interner Expertise und anderweitigen Ansätzen zur Beschaffung von Rechtsdienstleistungen wie Alternative Legal Service Providers (ALSPs) oder Managed Services (z. B. durch die Big Four). 60 Prozent planen, künftig Big-Four-Organisationen oder alternative Legal-Service-Anbieter stärker einzubinden. Voraussetzung ist dabei eine klare, datenbasierte Analyse des Arbeitsvolumens und der Bedarfe.
  4. Talente fördern und binden: Rechtsabteilungen setzen verstärkt auf Initiativen zur Mitarbeiterbindung, insbesondere durch verstärkten Fokus auf Talententwicklung und bessere Aufstiegsmöglichkeiten, Mitarbeiterbindungsprogramme und unternehmenskulturelle Maßnahmen. Angesichts technologischer Entwicklungen wie GenAI wird es zunehmend wichtig, Soft Skills und neue Kompetenzen gezielt zu fördern. Zudem rücken die Schaffung einer positiven, offenen Kultur und somit auch regelmäßiges Feedback stärker in den Fokus.
  5. Klarheit im Risikomanagement schaffen: Nur knapp die Hälfte der Rechtsabteilungen verfügt über Governance-Strukturen wie Risikotoleranzniveaus, Eskalationsprozesse oder dokumentierte Verantwortlichkeiten. Dabei fordern 80 Prozent der Unternehmen stärkere Investitionen in das Risiko- und Compliance-Management. Ein umfassender und funktionsübergreifender Ansatz ist essenziell – gerade bei regulatorischen Anforderungen.
  6. Technologie als Enabler verstehen: Technologie sollte nicht Selbstzweck sein, sondern konkrete Probleme lösen – etwa durch Contract Lifecycle Management, Horizon Scanning oder GenAI-gestützte Analyseprozesse. 75 Prozent der Befragten priorisieren ihre Digitalstrategie, doch viele Projekte scheitern an unklaren Use Cases oder fehlendem ROI-Nachweis. Erfolgversprechend sind Pilotansätze mit klaren KPIs und Business Cases.

Fazit

Die Rolle der Rechtsabteilung wandelt sich von der reaktiven Kontrollinstanz hin zum proaktiven strategischen Partner. Erfolgreiche Rechtsabteilungen machen ihre Leistung transparent, verknüpfen technologische Chancen mit operativer Realität und gewinnen durch ein verständliches, klares Risikomanagement an Einfluss im Unternehmen. Die General-Counsel-Studie 2025 zeigt auch: Nur wer Prozesse, Daten, Stakeholder-Bedarfe und externe Anforderungen wirklich kennt, kann wirksam transformieren. Rechtsabteilungen, die frühzeitig klare Strategien entwickeln, interne Widerstände berücksichtigen und Technologie nicht nur einführen, sondern problem- bzw. lösungsorientiert einsetzen, sind hier klar im Vorteil.

Durch eine klare Zielsetzung hinter dem KI-Einsatz wird die Rechtsabteilung befähigt, neben der Rechtsberatung einen strategischen und bestenfalls messbaren Mehrwert für die Stakeholder im Unternehmen zu schaffen, z. B. durch ein proaktiveres/prädiktives Risikomanagement oder tiefer gehende, KI-getriebene Datenanalysen. Durch diesen von KI geförderten Wertbeitrag können rechtliche Belange frühzeitig in Entscheidungsprozesse des Business eingebunden werden.


Wie können Rechtsabteilungen in Zeiten des Wandels innovativ und selbstbewusst agieren?

Die Langfassung dieses Artikels finden Sie bei Interesse bei EY Law.

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