Junge Frau bei der Arbeit am Laptop in einer Haengematte im Gruenen, umgeben von Baeumen

Warum sich Workation auch für kleine und mittlere Unternehmen lohnt


Auch kleine Betriebe profitieren von flexiblen Arbeitsmodellen, müssen jedoch auch steuerliche und arbeitsrechtliche Risiken beachten.


Überblick

  • Workation ist vom Nischenphänomen zum strategischen Tool geworden – sie hilft bei Talentgewinnung, -bindung und moderner Kultur, und eignet sich besonders für den Mittelstand mit pragmatischen Pilotlösungen.
  • Ein klarer Rahmen senkt Risiken: begrenzte Länder und Dauer (z. B. EU, 30 Tage), einfaches Antragsformular, transparente Kommunikation sowie Beachtung von Steuer-, Sozialversicherungs- und Arbeitsrecht, IT-Sicherheit und Datenschutz.
  • Die Nachfrage ist belegt (u. a. 15 % der Unternehmen bieten Auslandsarbeit; für Unter-40-Jährige ist sie für ~80 % wichtig) – Programme wie EYs „Job Portability“ (bis zu 90 Tage in über 20 Ländern) zeigen die strukturierte Umsetzung.

Was einst fast nur den digitalen Nomad:innen vorbehalten war, etabliert sich zunehmend als ernst zu nehmende Arbeitsform: Die sogenannte Workation – also das zeitweise Arbeiten fernab vom Büro – entwickelt sich für viele Unternehmen zu einem strategischen Werkzeug. Es hilft, Talente anzuziehen, Mitarbeitende zu halten und eine moderne Unternehmenskultur zu fördern. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können hier punkten: unkompliziert, flexibel und mit wenig Aufwand umsetzbar.

Rückblick und Zeitenwende

Noch vor wenigen Jahren galt der Gedanke, mit dem Laptop am Strand von Lissabon oder in den Alpen zu arbeiten, als exotisch – eher etwas für kreative Freigeister. In klassischen Unternehmensstrukturen war das weder realistisch noch gern gesehen. Die Pandemie hat das geändert. Mit dem abrupten Wechsel ins Homeoffice entstand ein neues Verständnis: Arbeit kann ortsunabhängig funktionieren. Was als Notlösung begann, wurde zum Bestandteil moderner Arbeitskultur. Aus der Frage „Ob das geht?“ wurde „Wie machen wir das?“ – ein klares Signal für den Durchbruch der Workation.

Wo stehen wir heute?

Laut dem IW-Kurzbericht Nr. 28/2024 bieten inzwischen rund 15 Prozent der Unternehmen in Deutschland offiziell an, vorübergehend aus dem Ausland zu arbeiten. Dabei sind fast zwei Drittel der Beschäftigten grundsätzlich offen für das Modell – doch nur rund ein Drittel nutzt es aktiv. Warum? Vor allem weil es an konkreten Angeboten im Unternehmen fehlt.

Gerade hier liegt viel Potenzial. Denn wer Workation ermöglicht und dies auch transparent kommuniziert, verschafft sich einen echten Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte. Besonders bei den unter 40-Jährigen: Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft betrachten rund 80 Prozent diese Arbeitsform als wichtiges Kriterium bei der Jobwahl. Unternehmen, die darauf eingehen, demonstrieren Fortschritt, fördern Eigenverantwortung und öffnen internationale Spielräume – Aspekte, die für junge Talente heute oft selbstverständlich sind.


Workation: Wunsch oder Wirklichkeit?

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Praxisbeispiel: Workation mit System bei EY

EY zeigt mit seinem „Job Portability“-Programm, wie strukturierte Flexibilität aussehen kann. Bis zu 90 Tage im Jahr dürfen Mitarbeitende von über 20 Ländern aus arbeiten – darunter beliebte Ziele wie Spanien oder Frankreich. Möglich macht das ein digital gestütztes Antragsverfahren, das steuerliche und rechtliche Risiken pro Land prüft und minimiert. Ergebnis: mehr Flexibilität, ohne Abstriche bei Effizienz oder Sicherheit.

Auch der Mittelstand kann profitieren

Workation wird oft mit großen Konzernen wie Microsoft, SAP oder Siemens assoziiert. Diese Unternehmen haben umfassende Programme entwickelt, die es Mitarbeitenden ermöglichen, temporär oder dauerhaft von anderen Standorten aus zu arbeiten – mit klaren Richtlinien zu Dauer, Ländern, Antragswegen und technischen Tools. Doch: Es muss nicht immer groß oder hoch automatisiert sein. Gerade kleinere und mittlere Betriebe haben hier einen strategischen Vorteil. Sie können schneller entscheiden, individueller auf Bedürfnisse reagieren und niedrigschwellige Pilotprogramme einführen – oft ganz ohne aufwendige Plattformen. Ein einfaches Formular, klare interne Kommunikation und ein begrenzter Länderkreis reichen für den Anfang völlig aus. So wird Workation auch im Mittelstand zum praktikablen Instrument – und kann mit überschaubarem Aufwand große Wirkung entfalten. Gerade in Regionen mit Fachkräftemangel oder hoher Konkurrenz am Arbeitsmarkt kann Workation zur echten Visitenkarte werden – als Zeichen für Fortschritt, Vertrauen und moderne Führung.

Grafik: Konzernmodelle vs. KMU – ein Vergleich auf einen Blick

Einfach anfangen – mit klaren Rahmenbedingungen

Ein behutsamer Start hilft: Ein begrenztes Angebot für bestimmte Länder (etwa innerhalb der EU) und eine maximale Dauer von 30 Tagen schafft erste Erfahrungswerte. Mit einem einfachen Formular lassen sich Anträge dokumentieren, externe Beratung sichert rechtliche Fragen ab. Transparenz ist dabei das A und O – FAQ oder kurze Info-Sessions schaffen Vertrauen und Klarheit. Wer zunächst mit einem kleinen Team startet und die Erfahrungen gemeinsam reflektiert, baut Akzeptanz auf und hält Risiken gering.

Wichtige rechtliche Aspekte

Workation eröffnet neue Freiheiten – bringt aber auch rechtliche Verantwortung mit sich. Arbeiten aus dem Ausland kann steuerliche, sozialversicherungsrechtliche und arbeitsrechtliche Konsequenzen haben, etwa wenn unbeabsichtigt eine Betriebsstätte entsteht oder lokale Sozialversicherungspflichten greifen. Auch IT-Sicherheit und Datenschutz dürfen nicht unterschätzt werden: Ein Arbeitsplatz im Ausland erfordert verschlüsselte Geräte, VPN-Zugänge und klare Vorgaben zur Datennutzung. Das klingt komplex, ist aber mit klaren Richtlinien, einer Länderliste und einem einfachen Freigabeprozess gut machbar. Entscheidend ist: Unternehmen sollten Risiken ernst nehmen – aber sich nicht davon abschrecken lassen.

Grafik: Wieviele Unternehmen gestatten ihren Beschaeftigten, im Ausland zu arbeiten?

Co-Autor: Fabian Kuhnt

Fazit

Workation ist kein Trend, der bald verschwindet. Sie steht für eine Veränderung der Arbeitswelt. Die Freiheit, flexibel und ortsunabhängig zu arbeiten, gehört für viele heute zur Normalität. Unternehmen, die diesen Wandel strategisch gestalten, zeigen Weitblick – und positionieren sich als attraktive Arbeitgeber.

Der Weg dorthin ist allerdings nicht trivial. Gerade rechtliche Rahmenbedingungen hinken der Realität mobiler Arbeit oft hinterher. Innerhalb der EU erleichtert das Sozialversicherungsrecht vieles, doch Steuer- und Meldepflichten bleiben komplex. Außerhalb Europas wird es noch schwieriger, Stichwort Visa- und Steuerregime.

Deshalb gilt: Klarer Rahmen, gute Vorbereitung und länderspezifisches Know-how sind entscheidend. Wer pragmatisch startet, gezielt Länder freigibt und seine Mitarbeitenden begleitet, legt den Grundstein für nachhaltigen Erfolg.

Und nicht zuletzt: Workation ist oft nur der erste Schritt. Viele Firmen denken heute schon weiter – in Richtung „Work from anywhere“. Flexible Arbeitszeitmodelle, virtuelle Teams, internationale Talentsuche: Die Arbeitswelt wird globaler, vernetzter und technologisch vielseitiger. Wer jetzt beginnt, gestaltet aktiv die Zukunft – und verschafft sich im Wettbewerb um die besten Köpfe einen echten Vorsprung.




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