- Branche setzt im Jahr 2025 299 Milliarden Euro um
- Umsatz in der Landtechnik stabilisiert sich auf niedrigem Niveau, Zuwächse bei Importen und Exporten in der Milchwirtschaft, Fleischwirtschaft mit Rekordumsatz
- Wirtschaftliche Aussichten für das Agribusiness sind insgesamt dennoch eingetrübt
- Circular Bioeconomy: volles Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft – Herausforderungen in puncto Investitionskosten und Regulatorik
Der Umsatz steigt wieder, doch die Aussichten bleiben trübe: 299 Milliarden Euro Umsatz erzielte das deutsche Agribusiness im Jahr 2025, ein Plus von 3,5 Prozent im Vergleich zum Jahr zuvor. Das sind gute Nachrichten angesichts der Tatsache, dass 2024 den ersten Umsatzrückgang der Branche seit 2016 markierte. Allerdings sind die Umsatzsteigerungen größtenteils preisgetrieben, die Lebensmittelproduktion in Deutschland steckt mitten in einem Strukturwandel. Trotzdem bleibt das Agribusiness damit hierzulande mit einem Anteil von knapp 14 Prozent der zweitstärkste Sektor im verarbeitenden Gewerbe. Die Ernährungsindustrie ist dabei der mit Abstand umsatzstärkste Bereich im Agribusiness: Gut 240 Milliarden Euro – und damit 80 Prozent des Umsatzes – wurden in diesem Sektor erzielt. Den größten Anteil an diesem Ergebnis hatten die Fleisch- (51 Milliarden Euro) und die Milchwirtschaft (43 Milliarden Euro). Dahinter folgen der Handel mit Getreide, Saatgut und Futtermitteln (gut 34 Milliarden Euro) sowie die Landtechnik mit einem Umsatz von knapp elf Milliarden Euro (ohne Forsttechnik).
Der Sektor Ernährung ist mit mehr als 673.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der beschäftigungsstärkste Bereich im Agribusiness. In dieser Branche stieg der Umsatz um 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, Treiber dieser Entwicklung war vor allem die Milchwirtschaft, die mit 8,6 Prozent ein deutliches Plus erzielte – dies allerdings aufgrund der aktuellen Preislage. Der Umsatz der Fleischwirtschaft wuchs um 3,7 Prozent. In der Düngemittelindustrie fielen die Zuwächse mit 1,3 Prozent geringer aus. In den Subsektoren Getreide-, Saatgut- und Futtermittelhandel (minus 3,4 Prozent), der Pflanzenschutzmittelindustrie (minus 2,4 Prozent) und der Landtechnik (ohne Forsttechnik, minus 1,5 Prozent) ging der Umsatz dagegen zurück.
Das sind Ergebnisse des Konjunkturbarometers Agribusiness 2026, in dem die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY gemeinsam mit der Georg-August-Universität Göttingen und der Justus-Liebig-Universität Gießen Trends und Kennzahlen für das Agribusiness erhebt. Grundlage sind unter anderem Daten des Statistischen Bundesamtes. Da für das letzte Quartal 2025 noch keine Daten vorliegen, wurden diese von den Studienautoren geschätzt.
Ein durchwachsenes Ergebnis in einem herausfordernden Umfeld – das trotzdem gezeigt hat, wozu die Branche im Stande ist, analysiert Dr. Christian Janze, Partner bei EY: „Das Jahr 2025 war kein einfaches für das Agribusiness. Die gute Nachricht ist aber: Allen Widrigkeiten zum Trotz hat die Branche in den vergangenen zwölf Monaten erneut gezeigt, wie widerstandsfähig sie ist – und wie unverzichtbar sie für die sichere und unabhängige Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln bleibt. Trotz extremer Witterung und globaler wirtschaftlicher Unsicherheiten konnten deutsche Landwirte stabile und teils sogar überraschend gute Ernten einfahren. Allerdings bleiben vor allem die Landtechnik sowie die Märkte für Düngemittel und Futtermittel unter Druck. Hohe Zinsen hemmen Investitionsanstrengungen, geopolitische Risiken und volatile Rohstoffpreise verstärken die Kaufzurückhaltung.“
Dr. Stefan Seifert von der Universität Göttingen ergänzt: „Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen: Die Agrarbranche steht vor einem Balanceakt zwischen Anpassung an Klimarisiken und der Bewältigung globaler Marktverwerfungen. 2026 wird für das Agribusiness ein Jahr der Umsetzung: Nicht die Menge entscheidet, sondern Effizienz, Vernetzung und Transparenz. Wer Daten, Automatisierung und präzise Ausbringung konsequent kombiniert, stabilisiert seine Lieferketten und senkt operative Kosten – und das trotz weiterhin volatiler Märkte.“ Was darüber hinaus Hoffnung macht? Seifert: „Die Landwirtschaftsbranche und damit auch die zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind überdurchschnittlich technologieaffin. Die Kombination aus hervorragend ausgebildeten Fachkräften einerseits und Technologie- und Know-How-Führern im vor- und nachgelagerten Bereich andererseits bietet ausgesprochen vielversprechende Optionen für die Entwicklung der Branche.“
Massive Vorteile durch immer bessere Nutzung von Neben- und Reststoffen
Diese günstigen Voraussetzungen eröffnen der Branche neue Perspektiven – ein besonders vielversprechendes Themenfeld ist hierbei die Weiterentwicklung bewährter Kreislaufprinzipien durch innovative Technologien und gezielte politische Impulse. Die Circular Bioeconomy steht dabei exemplarisch für einen Ansatz, der das Potenzial hat, die hochwertige Nutzung von Neben- und Reststoffen sowie neue biotechnologische Verfahren im deutschen Agribusiness voranzutreiben. Janze: „Durch gezieltes Matchmaking könnten Nebenprodukte aus der Agrarbranche noch besser genutzt und so auch neue Geschäftsmodelle entwickelt werden. Diese erfordern jedoch Vernetzungen und Partnerschaften mit Industrieunternehmen sowie einen gezielten Wissensaufbau in der gesamten Wertschöpfungskette – den es leider nicht zum Nulltarif gibt.“ Zudem habe das Thema Circular Economy insbesondere in Verbindung mit KI ein enormes Potenzial. Das habe etwa auch China erkannt und diesen Bereich als wesentlichen Wirtschaftsbereich in den Fünfjahresplan aufgenommen. „Die EU sollte ein Treiber dieser Entwicklung sein und nicht wieder warten, bis andere die Marktvorteile des Vorreiters einfahren“, mahnt Janze. Wie wichtig – trotz aller Kosten – Investitionen in diesem Bereich sind, haben nicht zuletzt die neuen geopolitischen Realitäten gezeigt, so Janze weiter: „Wir haben gerade in den vergangenen Jahren gesehen, wie anfällig rein preisgetriebene, globale Lieferketten sein können. Abhängigkeiten von importierten Rohstoffen – etwa Phosphaten aus Nordafrika oder anderen Regionen – stellen ein erhebliches Risiko für unsere heimische Wirtschaft aber auch unsere Gesellschaft dar. Auch der russische Angriffskrieg in der Ukraine oder Ausfuhrkontrollen von China bei seltenen Erden haben hier Verwundbarkeiten aufgezeigt.“
Um die Potenziale und Chancen der Circular Bioeconomy vollends auszuschöpfen, müssen jedoch bestehende Hemmnisse überwunden werden - neben der oft fehlenden oder lückenhaften Vernetzung sind hierbei regulatorische Unsicherheiten sowie hohe Investitionskosten zu nennen. Janze: „Derzeit werden EU-weit laut Berechnungen der European Investment Bank pro Jahr gut 91 Milliarden Euro in den Ausbau fortschrittlicher biobasierter Materialien und in die Infrastruktur einer zirkulären Bioökonomie investiert, notwendig wäre allerdings mehr als das Doppelte, um das gesamte Potenzial der Kreislaufwirtschaft in der Bioökonomie zu heben.“ Die häufig aufgrund fehlender Finanzierung nicht getätigten Investitionen summierten sich auf knapp 122 Milliarden Euro jährlich. Dabei klaffe mit gut 62 Milliarden Euro die größte Finanzierungslücke in der Landwirtschaft. „Gelingt es, die notwendigen Investitionen zu stemmen und die aktuellen Hürden und Herausforderungen zu meistern, kann die Circular Bioeconomy im Agribusiness zu einem strategischen Wettbewerbs- und Resilienzfaktor für die gesamte Branche werden und nachhaltiges Wachstum sichern“, ist Janze überzeugt. Seifert: „Circular Bioeconomy bietet im deutschen Agribusiness sowohl ein großes ungenutztes Potenzial – stellt die Branche allerdings auch vor erhebliche strukturelle Herausforderungen. Viele Grundlagen sind zwar bereits vorhanden, es braucht aber gezielte technologische, organisatorische und politische Impulse, um Kreislaufwirtschaft flächendeckend und wirtschaftlich tragfähig umzusetzen.“
Entwicklung in den Teilbranchen des Agribusiness im Detail
Absatzkrise in der Landtechnik, Innovationslücke droht
Nach dem Umsatzeinbruch vom Jahr 2023 (15,4 Milliarden Euro) zu 2024 (11,1 Milliarden Euro) pegelt sich der Umsatz der Branche auf annähernd dem Wert des Vorjahres ein: Ende 2025 standen 10,9 Milliarden Euro Umsatz für den Bereich Landtechnik zu Buche. Sowohl beim Export als auch beim Inlandsumsatz liegt der Subsektor des Agribusiness 100 Millionen Euro unter dem Wert des Vorjahreszeitraumes. Janze: „Zwar bleiben die Länder der Europäischen Union weiterhin der wichtigste Absatzmarkt für die Branche. Trotz einer weltweit schwachen Nachfrage bieten sich dem Agribusiness sowohl in Schwellenländern als auch in Wachstumsmärkten weiter Wachstumschancen, etwa infolge fortschreitender Professionalisierung der Produktion und eines steigenden Bedarfs an Nahrungsmitteln, vor allem in Asien. Das gilt auch für Anbieter aus dem Agribusiness aus Deutschland.“ Allerdings haben noch nicht alle heimischen Landtechnikhersteller die passenden Produkte für diese Märkte im Angebot und werden hier ihr Portfolio ergänzen oder anpassen müssen. Auch der wichtige nordamerikanische Absatzmarkt ist aus Sicht der deutschen Hersteller belastet – vor allem durch Doppelzölle: Zum einen die direkten Abgaben auf die Produkte, aber auch Sonderzölle, beispielsweise auf Stahl.
Eine herausfordernde Gemengelage, wie Janze betont: „Die Investitionen werden voraussichtlich nur leicht steigen, da große wirtschaftliche und geopolitische Herausforderungen bleiben. Gerade dies könnte sich auf lange Sicht als strategischer Nachteil gegenüber der internationalen Konkurrenz erweisen, denn so nachvollziehbar das Aufschieben von Investitionen aktuell ist, sehen wir einen immensen Innovations- und Wettbewerbsdruck in dieser bedeutenden Branche. Unternehmen müssen sich strategisch und technologisch weiterentwickeln, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Darüber hinaus setzte sich der Trend der negativen Beschäftigungsentwicklung fort: 2025 markiert das zweite Jahr in Folge für die Landtechnik mit einem Minus an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Waren 2023 noch mehr als 46.653 Personen in diesem Bereich beschäftigt, sank die Zahl 2024 um knapp 500 Personen auf 46.130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ende 2025 zählten die Betriebe der Landtechnik 44.519 Angestellte, also noch einmal mehr als 1.500 weniger.
Ernährungsindustrie: 240 Milliarden Euro Umsatz, steigender Anteil
240 Milliarden Euro Umsatz erzielte die Ernährungsindustrie in den vergangenen zwölf Monaten – und damit zehn Milliarden Euro mehr als im Jahr 2024. Der Anteil des Sektors am gesamten Agribusiness liegt aktuell bei 80 Prozent, damit ist sie die mit Abstand größte Teilbranche. 58 Milliarden Euro (23,6 Prozent) des Umsatzes wurden durch den Export realisiert – ein Anstieg von vier Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr. Relativ gute Ernteerträge leisteten laut Seifert einen Beitrag hierzu: „Witterungs- und ertragsseitig war 2025 für den Ackerbau wieder von besonderen Herausforderungen geprägt: einerseits sehr trockene Frühjahrsmonate und andererseits sehr viel Regen und Hitze im Juli. Trotz allem war die Ernte 2025 hinsichtlich Menge und Qualität insgesamt zufriedenstellend, auch wenn es deutliche regionale Unterschiede gibt.“ Allerdings schränkt er ein: „Vor allem die immer noch hohen Kosten für Verbraucher – insbesondere für frische Lebensmittel – treiben den Umsatz des Subsektors. Auch wenn sich Nahrungsmittel im Vergleich nur moderat verteuerten, bleiben die Preise auf einem hohen Niveau. Im Ergebnis sehen wir auf Endverbraucherseite auch weiterhin wenig positive Entwicklungen im Konsumklima.“ Die Anzahl der Betriebe blieb konstant bei 6.037 Betrieben, 75 weniger als im Jahr 2023. Die Zahl der Beschäftigten wuchs dagegen im fünften Jahr in Folge – auf mehr als 673.000 Mitarbeitende. Insgesamt bleiben die Geschäftserwartungen verhalten, auch, weil laut Seifert weiter Unsicherheiten bleiben: „Auf der Kostenseite rechnen wir unter anderem bei der Energie mit Entlastungen, was sich auch auf die Preise für Lebensmittel auswirken könnte. Allerdings bleiben Exportbarrieren bestehen und der Regulierungsdruck weiterhin hoch.“
Fleischwirtschaft: Umsatz steigt über die 50-Milliarden-Euro-Marke
Nach einem Rückgang von einer Milliarde Euro im vergangenen Jahr konnte die Fleischwirtschaft den Umsatz wieder steigern – was vor allem auf Preiseffekte zurückzuführen ist. 50,8 Milliarden Euro stehen für die vergangenen 12 Monate zu Buche, ein Plus von 1,8 Milliarden Euro (plus 3,7 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr. Die Exportquote lag wie in den beiden Vorjahren bei stabilen 23 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten bleibt seit 2021 nahezu konstant bei aktuell voraussichtlich mehr als 150.000 Angestellten. Die Zahl der Betriebe ging dagegen leicht zurück, nach dem dritten Rückgang in Folge gab es Ende 2025 noch 1.444 Unternehmen in der Branche. Die deutsche Fleischwirtschaft zeigt sich vergleichsweise robust, weil sie sich bereits 2021/2022 infolge von Beschränkungen wegen der Afrikanischen Schweinepest im Schweinefleischbereich stärker diversifizieren musste und neue Handelswege erschlossen hat.
Milchwirtschaft: Nächster Umsatzrekord für den Subsektor
In der Milchwirtschaft stieg der Jahresumsatz 2025 und übertraf mit 43 Milliarden Euro sogar den Rekordwert des Vorjahres um 3,4 Milliarden Euro (plus 8,6 Prozent). Jedoch spielten auch hier Preiseffekte die entscheidende Rolle. 2022 war der Umsatz des Subsektors sprunghaft gestiegen, von 30,6 auf 38,5 Milliarden Euro – und bewegt sich seitdem auf diesem hohen Niveau. Insgesamt sind aktuell mehr als 47.000 Mitarbeitende in der Milchwirtschaft beschäftigt. Wie die Fleischproduktion ist auch die Milchproduktion – und damit die Molkereien – von der Umstellung des deutschen Lebensmitteleinzelhandels auf Produkte aus den Haltungsformen 3 und 4 bis zum Jahr 2030 betroffen. Gleichzeitig sorgt der fortschreitende Strukturwandel in der Landwirtschaft innerhalb der Molkereibranche für einen zunehmenden Wettbewerb um den Rohstoff Milch, was bei den deutschen Molkereien mögliche Werksschließungen und einen Rückgang der Investitionen nach sich ziehen könnte. Trotz sinkender Milchpreise zum Jahresende 2025 – ein Trend, der sich 2026 wohl fortsetzten wird – blickt die Molkereiwirtschaft insgesamt im Vergleich zu den anderen Sektoren aber optimistischer in das neue Jahr.
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