- Umsatz deutscher Industrieunternehmen schrumpfte 2025 um 1,1 Prozent – im vierten Quartal sogar um 1,4 Prozent
- Beschäftigungsabbau hält an: 2,3 Prozent weniger Industriejobs als im Vorjahr, 4,7 Prozent weniger als vor Corona
- Seit 2019 ist jeder zwanzigste Industrie-Job verloren gegangen: minus eine Viertelmillion Jobs seit 2019
- Stärkster Beschäftigungsabbau in der Autoindustrie: In sechs Jahren ist jeder siebte Arbeitsplatz weggefallen
- Zahl der Industrieinsolvenzen steigt auf 12-Jahres-Hoch
Der Stellenabbau in der deutschen Industrie hält an: Im Lauf des Jahres 2025 sank die Zahl der Beschäftigten bei Industrieunternehmen in Deutschland um 124.100 bzw. 2,3 Prozent. Damit setzte sich der Negativtrend des Vorjahres fort, als bereits 56.000 Jobs gestrichen wurden. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 sank die Zahl der Industriejobs in Deutschland um 266.200 – ein Rückgang um knapp fünf Prozent.
Am massivsten fällt der Stellenabbau in der Automobilindustrie aus: Im vergangenen Jahr gingen fast 50.000 Auto-Jobs verloren, seit 2019 sogar 111.000. Damit schrumpfte die Zahl der Beschäftigten in dieser Branche im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent, seit 2019 sogar um 13 Prozent. Kräftige Einbußen gab es auch in der Textilindustrie mit einem Rückgang um 16 Prozent und der Metallindustrie, wo die Zahl der Stellen seit 2019 um 13 Prozent sank. Gegen den allgemeinen Negativtrend stieg die Beschäftigung in zwei Industriebranchen seit 2019: In der Chemie- und Pharmaindustrie sowie in der Elektroindustrie erhöhte sich die Zahl der Stellen um drei bzw. zwei Prozent.
Der Grund für den aktuellen Stellenabbau in der deutschen Industrie ist die schwache Umsatzentwicklung: Im vergangenen Jahr schrumpfte der Industrieumsatz um 1,1 Prozent, nachdem er im Vorjahr sogar um 3,5 Prozent gesunken war – nicht inflationsbereinigt. Besonders schwach haben sich im vergangenen Jahr die Auto-, die Papier- und die Textilindustrie entwickelt mit Umsatzeinbußen von jeweils etwa drei Prozent. Gestiegen ist hingegen der Jahresumsatz vor allem in der Metallindustrie: um drei Prozent – allerdings nach erheblichen Umsatzrückgängen in den beiden Vorjahren.
Das sind Ergebnisse des aktuellen EY-Industriebarometers. Die Studie analysiert die Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung in der deutschen Industrie und wichtigen Industriebranchen. Basis der Analyse sind Rohdaten, die vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht werden.
„Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen Krise – 2025 war das zweite Jahr in Folge mit einem rückläufigen Umsatz, und eine Trendwende ist nicht in Sicht“, sagt Jan Brorhilker, Managing Partner des Geschäftsbereichs Assurance von EY in Deutschland. „Seit 2023 sind die Industrieumsätze in Deutschland um fast fünf Prozent geschrumpft. Da ist ein Beschäftigungsrückgang um 3,5 Prozent im gleichen Zeitraum noch als moderat zu bezeichnen. Klar ist angesichts dieser Zahlen aber auch: Es bräuchte schon einen echten und deutlichen Aufschwung, um ein weiteres Abschmelzen der Beschäftigung zu verhindern.“ Laut Brorhilker hätten die Industrieunternehmen lange versucht, die Auswirkungen der Industrierezession auf die Beschäftigten abzufedern – „inzwischen haben aber viele die Hoffnung auf eine baldige Besserung der Lage aufgegeben. Und angesichts der schwachen Auftragslage und des enormen Wettbewerbsdrucks wird eine Vielzahl von Unternehmen nicht an weiteren Stellenstreichungen in diesem Jahr vorbeikommen.“
Leitbranche Autoindustrie bleibt stark unter Druck
Hinzu komme die steigende Zahl von Insolvenzen, gerade von Automobilzulieferern, so Brorhilker: „Die Krise der Autoindustrie führt zu immer mehr Insolvenzen in dieser Branche, und vorläufig dürfte sich die Lage nicht verbessern. Denn die weltweiten Absatzzahlen der deutschen Autokonzerne bleiben deutlich unter den Höchstständen der Vor-Corona-Zeit, zudem schwächelt der Export aus Deutschland in wichtige ausländische Märkte wie China und den USA. Die Autokonzerne gehen dazu über, verstärkt Produktion und auch Forschung und Entwicklung vor Ort aufzubauen – und das geht auf Kosten der Arbeitsplätze in Deutschland. Dass der Hochlauf der Elektromobilität deutlich länger braucht als vor wenigen Jahren noch erwartet, sorgt für zusätzliche Belastungen. Nicht alle Unternehmen halten diesem Druck stand – viele müssen aufgeben.“
Gerade in Regionen, wo die Autoindustrie eine sehr wichtige Rolle spiele, seien die Auswirkungen deutlich spürbar, sagt Brorhilker: „Die Arbeitslosigkeit steigt, Perspektiven für Schul- und Hochschulabsolventen trüben sich ein, Steuereinnahmen sinken massiv. Die langfristigen und strukturellen Auswirkungen der aktuellen Autokrise werden immer deutlicher sichtbar.“
Exporte entwickeln sich besser als Inlandsnachfrage
Im vergangenen Jahr ging die Inlandsnachfrage um 1,9 Prozent zurück, die Exporte schrumpften um 0,3 Prozent. „Trotz der Schwäche der wichtigen Märkte USA und China: Einmal mehr hat der Export verhindert, dass die deutsche Industrie noch tiefer in die Krise rutscht“, sagt Brorhilker. Die anhaltend schwache Inlandsnachfrage sei ein strukturelles Problem in Deutschland, sagt Brorhilker: „Es wird einfach viel zu wenig investiert – zum Teil, weil die Standortkosten so hoch sind. Zum Teil aber auch aus psychologischen Gründen: Es fehlt in der deutschen Wirtschaft an Vertrauen in eine wirtschaftliche Erholung. Diesem Mangel an Zuversicht konnte auch die neue Bundesregierung mit ihrem Investitionspaket bislang nicht begegnen.“
Insolvenzen steigen auf 12-Jahres-Hoch
Im Zeitraum Januar bis November 2025 wurden in Deutschland fast 1.483 Insolvenzverfahren von Industrieunternehmen eröffnet, elf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und der höchste Stand seit dem Jahr 2013. Damit setzte sich 2025 der deutliche Aufwärtstrend bei der Zahl der Insolvenzen fort, der seit dem Jahr 2022 anhält. Im Vergleich zum Corona-Jahr 2021 hat sich die Zahl der Insolvenzen von Industrieunternehmen fast verdoppelt.
Hier können Sie die Studie kostenlos herunterladen.