„Der Staat hat eine Rolle“

4 Minuten Lesezeit 2 März 2020

Um im digitalen Zeitalter mitzuspielen zu können, sind Staat und Unternehmen gefordert. Es geht um die Zukunft des Standortes Deutschland. 

Fast eine Dekade lang war Deutschland der Wachstumsmotor Europas. Made in Germany, ein Standort mit Strahlkraft – ausländische Unternehmen, die in Deutschland investieren, schätzen die Transportinfrastruktur, das politische und rechtliche Umfeld und das Qualifikationsniveau der Arbeitskräfte. „Politische Stabilität und Berechenbarkeit sind für einen Standort ein hohes Gut“, sagt Bernhard Lorentz, Partner bei EY und Leiter des Bereichs Government & Public Sector für Deutschland, die Schweiz und Österreich. „Aber auch ein wettbewerbsfähiges Steuersystem, wirtschaftliche und politische Aufbruchstimmung sowie Offenheit für neue Technologien sind wichtige Faktoren. Und da hat Deutschland Nachholbedarf.“

Wichtigste Baustelle: digitale Infrastruktur

Nachholbedarf hat Deutschland vor allem bei der digitalen Transformation. Neben der drängenden Dekarbonisierung der Wirtschaft ist die Digitalisierung der zweite Imperativ unserer Zeit. Sie ist das Fundament für künftiges Wirtschaftswachstum und den Wohlstand der Gesellschaft. Künstliche Intelligenz? Industrie 4.0? Big Data? Cybersecurity? Automatisierung? Cloud? Dies alles sind digitale Herausforderungen. Und sie stehen alle gleichzeitig an.

Für die Zukunft von Deutschland als traditionsreichem Industriestandort ist die digitale Wettbewerbsfähigkeit entscheidend. Laut „Digitalreport 2020“ finden es vier von fünf Spitzenkräften aus Wirtschaft und Politik „sehr wichtig“, dass Deutschland bei der Digitalisierung zu den führenden Ländern gehört, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Dabei es geht um weit mehr als nur um die Produktion erstklassiger Güter. „Made in Germany“ darf sich nicht länger nur auf das Produkt beziehen. Das zeigt die Autobranche: Vom Fahrzeugproduzenten zum Mobilitätsdienstleister der Zukunft zu werden ist das Ziel.

Digitalisierung essenziell für Wettbewerbsfähigkeit

Deutschlands Unternehmen befinden sich mitten in der digitalen Transformation. Manche Branchen sind zögerlicher als andere. Mitunter hält eine starre Unternehmenskultur innovative Ideen auf. Doch um eine umfassende Digitalisierungsstrategie kommt niemand mehr herum. Das betrifft auch den Staat, der den strategischen Rahmen setzt und den Aufbau einer digitalen Infrastruktur vorantreiben muss. Dabei ist laut „Digitalreport 2020“ das Vertrauen in die Digitalkompetenz des Staates schwach – 86 Prozent der Bundesbürger halten die Unterstützung der Regierung beim Digitalisierungsprozess für „nicht ausreichend“. 

Wichtiger Wettbewerbsfaktor

79%

der Spitzenkräfte aus Wirtschaft und Politik halten es für sehr wichtig, dass Deutschland bei der Digitalisierung zu den führenden Ländern gehört.

Die Zahlen zeichnen ein deutliches Stimmungsbild. Aber bilden sie auch die Realität ab? Wohl kaum. Zwischen Selbstwahrnehmung und dem aktuellen Digitalisierungsstand klafft eine große Lücke. So lautet der Befund des aktuellen „Digital Readiness Index“ von Cisco. Obwohl die Mehrheit der Bürger glaubt, dass Deutschland ein digitaler Nachzügler ist, liegt das Land auf Platz 6 von 118 untersuchten Nationen. Deutschlands digitaler Reifegrad scheint demnach besser als sein Ruf. 

Fazit

Wirtschaft und Gesellschaft befinden sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Digitalisierung ist das Gebot der Stunde. Wie reagieren Staat und Unternehmen auf den disruptiven Wandel – und was muss getan werden?

Über diesen Artikel

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EY Deutschland

Wegbereiter des Wandels