Vier Hände halten eine kleine, grüne Kugel aus Gras.

Warum ESG beim Börsengang der entscheidende Erfolgsfaktor ist

Nur wer Nachhaltigkeit strategisch verankert, überzeugt Investoren, steigert Kapitalmarktfähigkeit  und macht sein Geschäftsmodell resilient.


Überblick:

  • ESG als IPO-Erfolgsfaktor: Nachhaltigkeit strategisch verankern steigert Kapitalmarktfähigkeit, überzeugt Investoren und stärkt das Risikomanagement.
  • Governance und Organisation: Klare Rollen (RASCI), Management-Commitment und funktionsübergreifende Zusammenarbeit sind zentrale Elemente.
  • Regulatorik und Vergütung: 85 Prozent der DAX40-Unternehmen (2022) hatten spezifische ESG-Ziele in der Vorstandsvergütung.

Stakeholder und an einem Aktienkauf Interessierte achten heute nicht nur auf Finanzzahlen, sondern auch auf nachhaltiges Wirtschaften, unabhängig von politischen und regulatorischen Änderungen. Die Erfüllung von ESG-Vorgaben, etwa durch Offenlegungspflichten, ist essenziell – doch erst eine klare Vision von Nachhaltigkeit und strategisch verankerte Ziele machen das Geschäftsmodell resilient und zukunftssicher.

Eine effektive ESG-Organisationsstruktur verankert Nachhaltigkeit an den Stellen des Unternehmens, an denen die Umsetzung operativ stattfindet. So gelingt es, Prozesse und Technologien effizient zu integrieren und den steigenden Erwartungen der Stakeholder – auch im Rahmen eines Börsengangs (IPO) – gerecht zu werden.

ESG als Erfolgsfaktor beim Börsengang

Gerade im Kontext eines IPO ist es entscheidend, die Sprache des Kapitalmarktes zu sprechen und überzeugend eine Perspektive auf nachhaltiges Wachstum zu vermitteln. Neben regulatorischen Berichtspflichten wie der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) kommt es vor allem darauf an, klar aufzuzeigen, welche Themen für das Geschäftsmodell heute und in Zukunft relevant sind und mit welchen strategischen Maßnahmen sich das Unternehmen vorbereitet.

Für ein resilientes Geschäfts- und Betriebsmodell ist die Integration von ESG in das Risikomanagement unerlässlich, um Risiken wie jene durch den Klimawandel frühzeitig zu erkennen und zu bewerten sowie den wachsenden Anforderungen von Kapitalgebern gerecht zu werden. Regularien wie die EU Green Bond Standards erhöhen den Druck auf Finanzinstitute, ESG-Kriterien systematisch in ihre Kreditvergabeprozesse zu integrieren, um Finanzflüsse auf nachhaltige Projekte zu lenken. Gleichzeitig gewinnen Nachhaltigkeitsaspekte auch im Rahmen der Proxy Voting Guidelines institutioneller Investoren zunehmend an Bedeutung.

Für börsennotierte Unternehmen sind das Aktiengesetz und der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) von zentraler Bedeutung. Sie fordern, dass im Aufsichtsrat Expertise zu unternehmensrelevanten Nachhaltigkeitsthemen vorhanden ist und die Vergütungsstruktur auf eine nachhaltige und langfristige Entwicklung der Gesellschaft ausgerichtet wird.

EY-Studie
85 %
der DAX40-Unternehmen hatten 2022 spezifische ESG-Ziele in der Vorstandsvergütung verankert.

Eine EY-Studie zeigt, dass im Jahr 2022 bei 85 Prozent der DAX40-Unternehmen spezifische ESG-Ziele in der Vorstandsvergütung verankert waren. Darüber hinaus wird bereits im Rahmen des IPO-Prozesses erwartet, dass Unternehmen ESG-Aspekte berücksichtigen. Alle Unternehmen, die 2024 in den Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse aufgenommen wurden, haben in ihren Wertpapierprospekten eine ESG-Strategie ausgewiesen – meist mit konkreten Zielen zu Themen wie Diversität und Dekarbonisierung.

Grafik der Zentrale ESG-Kompetenzabteilung

Fünf Erfolgsfaktoren einer wirksamen ESG-Organisation

Wie Unternehmen ESG in ihrer Organisationsgestaltung berücksichtigen und welche Faktoren zu einer erfolgreichen ESG-Organisationsstruktur beitragen, zeigt eine aktuelle Studie von EY.  A nalysiert wurden die ESG- und Geschäftsberichte von je 15 MDAX- und DAX40-Unternehmen hinsichtlich beschriebener Governance-Strukturen und der Integration von ESG. Aus der Beratungspraxis wurden fünf wesentliche Erfolgsfaktoren für die Verankerung von ESG in den Dimensionen Strategie, Implementierung, Steuerung und Berichterstattung definiert:

  1. Ausgewogene Mischung aus zentralisierten und dezentralen Verantwortlichkeiten
    90 Prozent der Unternehmen haben eine ESG-Abteilung eingerichtet, wobei 78 Prozent diese Abteilung als Kompetenzzentrum betrachten und die restlichen 22 Prozent sie als Koordinationsabteilung ansehen, die dezentrale ESG-Aktivitäten steuert. Der Zentralisierungsgrad hängt dabei sowohl von der Unternehmensgröße als auch von der bestehenden Kultur bezüglich zentraler/dezentraler Kompetenzverteilung ab. Erfahrungswerte zeigen, dass in mittelgroßen Unternehmen in der Regel zwei bis fünf Vollzeitäquivalente in der ESG-Abteilung tätig sind, bei großen börsennotierten Unternehmen sind es zwischen 10 und 30.

  2. Klare Definition von ESG-Rollen und Verantwortlichkeiten
    Dieser Punkt klingt so simpel – und ist doch so entscheidend. Nachhaltigkeit ist nie nur ein Thema eines zentralen Teams, sondern braucht Kollaboration über verschiedene Funktionen hinweg. Um diese Zusammenarbeit zu orchestrieren, ist es entscheidend, klare Rollen und das Zusammenspiel von Bereichen festzulegen. Mit einer RASCI-Matrix können Unternehmen ESG-Rollen und ­Verantwortlichkeiten klar definieren sowie Schwachstellen identifizieren.

  3. Volle Zustimmung und Unterstützung des Managements
    Bereits 97 Prozent der untersuchten Unternehmen geben an, die Verantwortung für ESG im Vorstand zu verankern, wobei entweder der CEO (23 Prozent), der CFO (17 Prozent), der CHRO (7 Prozent) oder ein Vorstandsmitglied mit anderer Haupttätigkeit (13 Prozent) für ESG verantwortlich ist. Von den befragten Unternehmen geben 53 Prozent an, einen Chief Sustainability Officer (CSO) zu haben, der in 20 Prozent der Fälle direkt an den CEO berichtet. Die Unterstützung des Managements ist entscheidend, um sicherzustellen, dass ESG-Rollen etabliert werden und Leitende von ESG-Initiativen feste Kontaktpersonen im Top-Management haben.

  4. Strukturierte funktionsübergreifende Zusammenarbeit
    Angesichts des funktionsübergreifenden Charakters von ESG ist es unerlässlich, Verantwortlichkeiten dort zu verankern, wo sie mit der größten Schnittmenge in die bestehende Organisation integriert werden können. Um eine bereichsübergreifende Abstimmung und Koordination sicherzustellen, sind sowohl spezialisierte ESG-Teams als auch funktionsübergreifende Gremien entscheidend – über solche verfügen bereits über 90 Prozent der untersuchten Unternehmen.

  5. Starke Abstimmung zwischen Finanz- und Nachhaltigkeitsabteilungen
    Mit der zunehmenden Bedeutung von ESG in der Finanzberichterstattung wird eine enge Zusammenarbeit zwischen Finanz- und ESG-Abteilungen zu einem konsequenten und notwendigen Schritt. Bei 26 Prozent der befragten Unternehmen liegt die Hauptverantwortung für die ESG-Berichterstattung in der Hand des CFO und bei der Finanz- beziehungsweise Controlling-Abteilung – ein Trend, der wahrscheinlich über die Jahre zunehmen wird.

Fazit

ESG ist mehr als Regulierung – es ist ein strategischer Erfolgsfaktor. Wer Nachhaltigkeit wirksam in der Organisation verankert, stärkt die Resilienz des Geschäftsmodells, erhöht die Kapitalmarktattraktivität und sichert den Zugang zu Finanzierung. Besonders für Unternehmen mit Börsenambitionen ist eine klare ESG-Ausrichtung entscheidend, um im IPO-Prozess zu überzeugen. Investoren schätzen zukunftsorientierte Unternehmen, während Banken zunehmend belastbare Klimatransitionspläne voraussetzen.

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