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Wie Spin-off- und Carve-out-IPOs die Transformation vorantreiben

Spin-off- und Carve-out-IPOs werden im deutschen Kapitalmarkt zunehmend genutzt, um Transformationen aktiv zu finanzieren.


Überblick:

  • Spin-offs und Carve-outs gewinnen im deutschen IPO-Markt an Bedeutung, da Unternehmen sie gezielt als Instrumente der Transformation einsetzen. 
  • Unternehmensaufspaltungen und -abspaltungen ermöglichen fokussierte Geschäftsmodelle, erhöhen die Flexibilität und unterstützen die Transformation von Branchen.
  • Der offene Kapitalmarktzugang stärkt Wachstum und Wertschöpfung, indem er Transformationsvorhaben finanziell ermöglicht und beschleunigt. 

Börsengänge von Auf- und Abspaltungen gewinnen im Kontext der Transformation von Branchen an Bedeutung. Unternehmen positionieren sich neu und erschließen sich zugleich über den Kapitalmarkt neue Finanzierungsquellen. In einem dynamischen Umfeld der digitalen Transformation durch künstliche Intelligenz (KI), im Bereich der E-Mobilität und erneuerbarer Energien sowie der Transformation im Hinblick auf veränderte geopolitische Realitäten sind Unternehmen zunehmend gefordert, ihre Strukturen und Strategien anzupassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Unternehmensaufspaltung als Strategieoption im IPO-Markt Deutschland

Die Verselbstständigung von Geschäftseinheiten und Tochtergesellschaften durch sogenannte Spin-off- oder Carve-out-IPOs zählt dabei zu den strategischen Handlungsoptionen im Management. Seit dem Jahr 2000 haben sich im deutschen Kapitalmarkt insgesamt 32 Unternehmen entschieden, diesen Weg zu gehen – und das mit steigender Aktivität. Verursacht wird diese Entwicklung durch die Dynamik der Transformationsprozesse in vielen Branchen. Es handelt sich um 10 Auf- und 22 Abspaltungen, die insgesamt zum Start der Börsennotiz eine Marktkapitalisierung von 288 Milliarden Euro verzeichneten. Häufig werden diese Transaktionen von bereits börsennotierten Unternehmen aus den großen Auswahlindizes wie DAX oder MDAX angestoßen. So hat beispielsweise Siemens gleich mehrere Geschäftsbereiche auf diesem Wege erfolgreich an die Börse geführt. Sektoren wie Technologie, Industrie und Konsumgüter sind besonders aktiv. Für den heimischen IPO-Markt sind sie besonders bedeutend und sichtbar. Die Zahlen sprechen für sich: Spin-offs mit einer durchschnittlichen Marktbewertung von 6,5 Milliarden Euro und Carve-outs mit einem durchschnittlichen Emissionsvolumen von 1,7 Milliarden Euro.

Grafiken Transformation fördert Börsengänge durch Auf und Abspaltungen deutscher Emittenten.

Unterschiede zwischen Spin-offs und Carve-outs

Eine grundlegende Unterscheidung zwischen Spin-offs und Carve-outs ist zentral für das Verständnis dieser Transaktionen. Von einer Aufspaltung, im englischen Spin-off, spricht man, wenn aus einem Unternehmen an einer Börse zwei börsennotierte Unternehmen durch Spiegelung der Aktionärsstruktur entstehen. In der Regel werden zum Listing keine neuen Aktien aus einer Kapitalerhöhung platziert. Dadurch entfällt das Platzierungsrisiko der Erstnotiz. Zu den größten Spin-offs zählen Daimler Truck, Siemens Energy und Metro.

Dagegen spricht man von einer Abspaltung, im englischen Carve-out, wenn eine börsennotierte Muttergesellschaft Anteile an einer Tochtergesellschaft an die Börse bringt. Bei dieser Art des Börsengangs können Aktien aus dem Altbesitz zum Listing verkauft und/oder neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung platziert werden, was Platzierungsrisiken birgt. Die überwiegende Mehrheit nutzt den Börsengang zur Kapitalaufnahme. Zu den größten Carve-outs zählen zum Beispiel Porsche, Innogy und Siemens Healthineers.

Strategische Überlegungen von Spin-off- und Carve-out-IPOs 

Die Motivation hinter Börsengängen von Spin-offs und Carve-outs konzentriert sich häufig auf vier Hauptziele: 

  1. Finanzierung und Investition
  2. Unabhängigkeit 
  3. Wachstum 
  4. Wertschöpfung 

Die häufigsten Nennungen in Wertpapierprospekten fallen in die Kategorie „Finanzierung und Investition“. Ziel ist es, mit der eigenen Börsennotiz einen eigenen Zugang zu Kapital und zu neuen Investorenpools zu erschließen. Verbunden damit ist auch die Motivation, in eigene Projekte zu investieren und eigene Kunden und Absatzmärkte zu erschließen. Bei Carve-out-IPOs erzielt die Anteile veräußernde Muttergesellschaft zusätzlich Erlöse, die wiederum für die Stärkung des Kerngeschäfts verwendet werden können.

Die Motivation hinter Börsengängen von Spin-offs und Carve-outs verfolgt
4
Hauptziele: Finanzierung und Investition, Unabhängigkeit, Wachstum und Wertschöpfung.

„Unabhängigkeit“ ist eine weitere Kategorie der Motivation. Ziel ist es, mehr Flexibilität und Agilität im eigenen Geschäft zu erreichen, unabhängig und autonom von der ehemaligen Muttergesellschaft. So verspricht man sich, mit schnelleren Entscheidungsprozessen in einer eigenen Corporate Governance besser auf Marktveränderungen reagieren zu können.

Ein stärkeres Wachstum versprechen sich Unternehmen auch, da sie sich durch den Spin-off oder den Carve-out besser durch eine eigene Strategie auf wachstumsstarke Segmente konzentrieren können. Dies fördert die Innovationskraft und kann zu einer besseren Marktposition führen. Zudem ist anorganisches Wachstum durch gezieltere Akquisitionen in einer eigenen M&A-Strategie möglich.

Dem folgend sollen Spin-off- und Carve-out-IPOs auch zu mehr Wertschöpfung beitragen. Die stärkere Fokussierung auf das eigene Geschäft schafft Wertpotenzial. Dies wird häufig am sogenannten Konglomeratsabschlag in der Unternehmensbewertung gemessen, der insbesondere nach einem Spin-off oder einem Carve-out wegfallen soll. Die nunmehr fokussiertere Equity Story soll zu einer vergleichbareren Peergroup-Betrachtung führen, mit positiven Implikationen für die Bewertungsfaktoren.

Marktentwicklung und Performance nach dem Börsengang: Entwicklung von Spin-offs und Carve-outs 

Dabei spielen die aktive Neupositionierung durch gute Investor Relations und die Wahrnehmung der vier genannten Argumente auf den Kapitalmärkten eine entscheidende Rolle für den Erfolg von Spin-offs und Carve-outs. Das gilt für beide Unternehmenseinheiten – die bereits börsennotierte Mutter und den Börsenneuling.

Die Leistungsindikatoren der Börsenneulinge belegen, dass die weit überwiegende Mehrheit signifikante Werte für ihre Stakeholder geschaffen hat. Spitzenreiter sind derzeit, gemessen an der Gesamtwertsteigerung des Unternehmens, bei Spin-offs Siemens Energy mit einem Plus von 464 Prozent und bei Carve-outs Covestro mit einem Plus von 110 Prozent. Zudem ist die Mehrheit der auf- oder abgespaltenen Börsenneulinge wieder selbst in den großen Auswahlindizes vertreten und bereichert den DAX, MDAX oder SDAX.

 


Die Mehrheit der auf- oder abgespaltenen Börsenneulinge ist wieder selbst in den großen Auswahlindizes vertreten. Sie bereichern den DAX, MDAX oder SDAX.


Auch die neuen börsennotierten Unternehmen entwickeln sich weiter. Insgesamt 16 Unternehmen sind nach wie vor börsennotiert. Sie repräsentieren eine Marktkapitalisierung von insgesamt 180 Milliarden Euro zur Zeit des Börsengangs und erreichen heute einen gestiegenen Gesamtwert von 294 Milliarden Euro. Fusionen und Übernahmen sind die Hauptgründe für die Delistings von 16 früher börsennotierten Firmen.
 

Offener Kapitalmarkt als Teil der Transformation

In einer Zeit der Transformation, in der Agilität, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit mehr denn je gefordert sind, sind Börsengänge von Spin-offs und Carve-outs Teil der Strategieoptionen für Unternehmen, die sich in einem sich ständig verändernden Markt behaupten müssen. Die Analyse der Spin-off- und Carve-out-Aktivität in Deutschland zeigt, welch bedeutenden Beitrag ein offener Kapitalmarktzugang für die Transformation etablierter Branchen bei bereits börsennotierten und diversifizierten Großkonzernen spielen kann. Dabei ist die Börsennotiz der Mutter ein Asset für beide Einheiten bei der Neupositionierung der Geschäftsfelder, für Aktionäre und für neue Investoren.


Fazit

Spin-off- und Carve-out-IPOs entwickeln sich zu einem zentralen Instrument der Kapitalmarktfinanzierung in Deutschland. Vor dem Hintergrund industrieller Transformation, technologischen Wandels und geopolitischer Veränderungen nutzen Unternehmen Börsengänge gezielt zur strategischen Neupositionierung. Auf- und Abspaltungen schaffen eigenständige Wachstumsprofile, verbessern den Kapitalmarktzugang und können verborgene Unternehmenswerte hervorheben. Die Analyse zeigt, dass insbesondere große börsennotierte Konzerne den IPO-Markt aktiv nutzen, um Flexibilität, Investitionsfähigkeit und Wertschöpfung nachhaltig zu stärken.

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