Aufnahme moderner Glasfassaden aus der Froschperspektive in einem Geschäftsviertel.

Warum bleiben Banken trotz Konjunkturflaute optimistisch?

Das EY Bankenbarometer 2026 zeigt: Banken bleiben operativ robust, rechnen aber mit steigenden Kreditrisiken und höherem Regulierungsdruck.


Überblick

  • Banken in Deutschland blicken deutlich pessimistischer auf die wirtschaftliche Entwicklung als noch vor einem Jahr, sehen sich selbst aber weiter in robuster Verfassung.
  • Steigende Risiken: Erwartete Kreditrisiken, zunehmender Wettbewerb und anhaltender Konsolidierungsdruck prägen die Erwartungen der Institute.
  • Fokus Zukunft: Cybersicherheit, Generative KI sowie Investitionen in Risiko-, Compliance- und IT-Kompetenzen stehen weiterhin ganz oben auf der Agenda.

Die Ergebnisse unseres EY Bankenbarometers Deutschland 2026 zeigen eine Branche, die ihre operativ Lage als robust bewertet, gleichzeitig aber mit steigenden Kreditrisiken, zunehmendem Wettbewerbsdruck und wachsenden regulatorischen Anforderungen rechnet. Das EY Bankenbarometer 2026 basiert auf einer Befragung von 100 Finanzinstituten in Deutschland.

Konjunktursorgen nehmen zu – Banken bewerten eigene Lage positiv

Die Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung hat sich gegenüber dem Vorjahr deutlich verschlechtert. Nur 17 Prozent der Institute erwarten in den kommenden zwölf Monaten eine Verbesserung der Konjunktur, während 56 Prozent mit einer Eintrübung rechnen.

Gleichzeitig bleibt die Einschätzung der eigenen Geschäftslage positiv: 78 Prozent bewerten ihre aktuelle Geschäftsentwicklung als positiv, weitere neun Prozent sogar als sehr positiv. Auch für die kommenden zwölf Monate überwiegt der Optimismus. 76 Prozent erwarten eine positive Entwicklung ihres operativen Geschäfts.

Konjunkturerwartungen
56 %
56 %
der Institute rechnen mit einer Eintrübung der Wirtschaftslage in den kommenden zwölf Monaten.
Geschäftsausblick
76 %
76 %
der Banken erwarten eine positive Entwicklung ihres eigenen operativen Geschäfts in den kommenden zwölf Monaten.

Steigende Kreditrisiken erhöhen den Handlungsdruck

Die schwachen Konjunkturaussichten spiegeln sich auch im Kreditgeschäft wider. 93 Prozent der befragten Institute rechnen mit steigenden Kreditrisiken, davon 34 Prozent sogar mit einem deutlichen Anstieg. Entsprechend erwarten 63 Prozent der Banken, dass die Kreditvergabe an Unternehmen in den kommenden sechs Monaten restriktiver ausfallen wird.

Trotz dieser Risiken sehen sich viele Institute gut positioniert. Effizienzsteigerungen und konsequente Kostendisziplin haben die Widerstandsfähigkeit der Institute gestärkt und schaffen Handlungsspielräume in einem anspruchsvollen Marktumfeld. Die größte Sorge gilt daher weniger dem eigenen Geschäftsmodell als den wirtschaftlichen Belastungen für Unternehmen und Kreditnehmer. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, rücken eine stärkere Risikosteuerung, Produktivitätssteigerungen und gezielte Investitionen in Zukunftsthemen weiter in den Fokus.

Kreditrisiken
93 %
93 %
der Banken rechnen infolge der schwachen konjunkturellen Entwicklung mit steigenden Kreditrisiken.

Konsolidierung und Regulierung verschärfen den Wettbewerbsdruck

Neben steigenden Kreditrisiken bleibt auch der Wettbewerbs- und Konsolidierungsdruck hoch. 63 Prozent der Institute rechnen bereits innerhalb der nächsten zwölf Monate mit einer stärkeren Konsolidierung des deutschen Bankensektors, auf Sicht von drei Jahren sogar 86 Prozent. 68 Prozent der Institute sehen zusätzliche Erlöspotenziale in der Finanzierung des Strukturwandels der deutschen Wirtschaft, 63 Prozent in der Altersvorsorgereform.

Regulierung bleibt ein zentraler Belastungsfaktor für die Branche. Besonders relevant sind Basel III/IV, DORA und die europäische Geldwäscheverordnung. Knapp drei Viertel der Institute sehen in den regulatorischen Anforderungen eine Herausforderung für ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig wächst die Sorge, im internationalen Wettbewerb gegenüber weniger stark regulierten Marktteilnehmern ins Hintertreffen zu geraten.

Bereits 25 Prozent der Institute sehen in der Regulierung einen signifikanten Wettbewerbsnachteil gegenüber internationalen Playern, insbesondere gegenüber US-regulierten Banken. Der hohe Umsetzungsaufwand bindet Kapazitäten, die für Transformation und Innovation dringend benötigt werden. Damit wird Regulierung zunehmend nicht nur als Compliance-Thema wahrgenommen, sondern auch als strategischer Faktor für die internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Konsolidierung
63 %
63 %
rechnen bereits innerhalb der nächsten zwölf Monate mit zunehmender Konsolidierung.

Geopolitische Risiken führen bislang zu wenigen Strategieanpassungen

Während die Institute regulatorische Vorgaben also zunehmend als konkrete Belastung für ihre Wettbewerbsfähigkeit einordnen, reagieren sie auf geopolitische Risiken deutlich zurückhaltender. Trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten sehen viele Institute aktuell keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Lediglich 23 Prozent der befragten Banken haben ihre Geschäftsstrategie zuletzt angepasst, während 42 Prozent keine Auswirkungen geopolitischer Risiken auf die eigene Strategie erkennen.

Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage deutet diese Zurückhaltung darauf hin, dass viele Häuser geopolitische Risiken bislang nicht als unmittelbaren strategischen Einflussfaktor bewerten. Auch beim Thema Souveränität sehen die meisten Institute keinen Änderungsbedarf: Drei von vier Instituten halten eine Anpassung ihrer Strategie derzeit nicht für notwendig.

EY Bankenbarometer Deutschland

Ergebnisse einer EY Befragung von 100 Finanzinstituten in Deutschland zu folgenden Themen:

Konjunktur und Geschäftslage, Geopolitik, Konsolidierung und Wettbewerb im, Bankensektor, Geschäftsaussichten, Digitalisierung, Mitarbeitende, Regulierung

Transformation verändert Prozesse, Filialnetze und Kompetenzen

Die Digitalisierung bleibt für die Banken ein strategisches Kernthema. Besonders hohe Priorität messen die Institute der Cybersicherheit bei, die von 87 Prozent als wichtiges Zukunftsthema eingestuft wird. Gleichzeitig gewinnt generative KI weiter an Bedeutung: 42 Prozent der Institute haben bereits konkrete GenAI-Anwendungsfälle identifiziert, weitere 38 Prozent befinden sich aktuell in der Planungsphase. Das größte Potenzial sehen die Banken vor allem im Backoffice, etwa bei internen Prozessen und regulatorischen Anforderungen. Im Vordergrund stehen dabei Effizienzgewinne und Kosteneinsparungen. Doch die vollständige Prozessautomatisierung und die Erschließung zusätzlicher Ertragspotenziale stehen bei den meisten Instituten noch aus.
 

Auch im Filialnetz setzt sich der strukturelle Wandel fort, allerdings mit abgeschwächter Dynamik. Keines der befragten Institute plant, die Zahl der Filialen in den kommenden zwölf Monaten zu erhöhen; bis 2027 erwarten 95 Prozent einen weiteren Rückgang. Allerdings rechnen nur noch 37 Prozent mit einem mittleren bis starken Abbau, gegenüber 59 Prozent im Vorjahr.
 

Diese Entwicklung macht deutlich: Die Transformation der Banken ist nicht nur eine Technologie-, sondern auch eine Struktur- und Kompetenzfrage. Während Automatisierung und generative KI mittelfristig Effizienzpotenziale heben können, verändert der Umbau der Prozesse und Vertriebsstrukturen zugleich die Anforderungen an Personal und Qualifikationen. Zwar rechnen 56 Prozent der Institute in den kommenden sechs Monaten mit einem stabilen Personalbestand; 23 Prozent gehen von einem Stellenabbau aus. Zusätzlicher Personalbedarf besteht vor allem in den Bereichen Risikomanagement, Compliance und IT. Damit rücken genau jene Funktionen in den Fokus, die für Resilienz, Steuerungsfähigkeit und erfolgreiche Transformation zentral sind.


Fazit

Das EY Bankenbarometer 2026 zeigt eine Branche, die trotz deutlich eingetrübter Konjunkturaussichten operativ robust und handlungsfähig bleibt. Die größten Herausforderungen sehen die Institute derzeit weniger im eigenen Geschäftsmodell als im wirtschaftlichen Umfeld. Steigende Kreditrisiken, verschärfter Wettbewerbsdruck, hohe regulatorische Anforderungen sowie anhaltende geopolitische Unsicherheiten prägen den Ausblick.

Gleichzeitig setzen viele Banken auf drei zentrale Handlungsfelder: eine stärkere Risikosteuerung, den gezielten Einsatz von generativer KI sowie die konsequente Weiterentwicklung und Industrialisierung ihrer Geschäftsmodelle. Langfristig wird die Wettbewerbsfähigkeit davon abhängen, wie erfolgreich regulatorische, technologische und strukturelle Herausforderungen gemeistert werden und daraus nachhaltige Wachstums- und Innovationsimpulse entstehen.

Mehr zum Thema

EU-Anti-Korruptionsrichtlinie: was sich für Finanzdienstleister ändert

Neue Haftungsrisiken, strengere Sanktionen: was die EU-Anti-Korruptionsrichtlinie 2026 für Finanzdienstleister bedeutet – jetzt mehr erfahren!

Warum strategische Datenqualität zentral für die IReF-Umsetzung ist

Warum es wichtig ist, eine strategische Perspektive zur Datenqualität im Kontext granularer Datenlieferungen in IReF zu integrieren. Mehr dazu hier!

Bankenbarometer 2025: Wie optimistisch blicken Banken in die Zukunft?

Bankenbarometer 2025: Deutsche Banken blicken optimistisch in die Zukunft – trotz Regulierung, Wettbewerb und KI-Herausforderungen. Jetzt mehr erfahren!