Hintergrund: IReF und BIRD
Das Banks’ Integrated Reporting Dictionary (BIRD) und das Integrated Reporting Framework (IReF) sind Initiativen des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) zur Harmonisierung der Anforderungen an das regulatorische Meldewesen innerhalb der Europäischen Union (EU). Derzeit besteht eine erhebliche Heterogenität hinsichtlich Datendefinitionen, Meldeprozessen und Meldefristen.
Das IReF umfasst die Integration verschiedener statistischer Meldeverpflichtungen, einschließlich monatlicher Bilanzstatistiken, Zinsstatistiken für MFIs, Wertpapierbestandsstatistik (SHS) und AnaCredit. Weitere Anforderungen wie FinRep, CoRep und Abwicklungsberichte (Resolution Reporting) sollen zu einem späteren Zeitpunkt im Rahmen der EBA‑Initiative Integrated Reporting System (IRS) eingebunden werden. Die Einhaltung des IReF ist für alle Kreditinstitute verpflichtend.
Das IReF verlangt Daten auf granularer Ebene, wobei jeder Datenpunkt einmalig definiert und berichtet wird. Die granularen Datensätze beziehungsweise Datenwürfel werden ohne Templates direkt an die Aufsichtsbehörden weitergeleitet. Das IReF wird auf zwei Datenebenen abgebildet. Zum einen werden im sogenannten Logical Data Model (LDM) im IReF Collection Layer Informationen eingesammelt, zum anderen werden im Extended Logical Data Model (ELDM) weitere Datenelemente anhand definierter Transformationsregeln abgeleitet.
Das BIRD stellt ein standardisiertes Datenmodell bereit und bietet bereits heute einheitliche Definitionen für die Datenpunkte im Meldewesen (zum Beispiel FINREP, AnaCredit). Es beseitigt Redundanzen und löst Mehrdeutigkeiten auf. Das BIRD‑Datenmodell dient als Blaupause für die Definition und Befüllung des IReF Collection Layer. Die Implementierung von BIRD ist derzeit optional.
Warum Datenqualität für Institute ein zentrales Problem ist
Viele Kreditinstitute stehen im regulatorischen Meldewesen vor Herausforderungen bezüglich ihrer Datenqualität – bedingt durch zunehmende regulatorische Anforderungen (zum Beispiel CRR, CRD, ESG‑Vorgaben, nationale Anforderungen wie MaRisk etc.), die oft die Erfassung neuer Datenpunkte erfordern.
1. Datenmodellkomplexität: Die Zahl der Datenpunkte steigt kontinuierlich und wird aufgrund des schieren Volumens immer schwerer beherrschbar.
2. Prozessaufwand: Der Gesamtaufwand der Datenverarbeitung nimmt zu. Neue Anforderungen müssen konzeptionell verstanden und aus unterschiedlichen Quellen beschafft, neue Kontrollen müssen definiert und Daten fristgerecht geliefert werden, um Berichte unter engen Deadlines zu erstellen. Dies wird häufig dadurch verschärft, dass viele Prozesse manuell sind und Legacy‑Systeme sowie Daten‑Governance‑Rahmenwerke ineffizient und langsam arbeiten.
3. Redundanz und Inkonsistenz: Datenanforderungen verschiedener aufsichtsrechtlicher Meldungen sind oft redundant, was zu unterschiedlichen Definitionen oder Formaten führt. Besonders herausfordernd ist dies für grenzüberschreitend tätige Institute, die gleiche oder ähnliche Datenpunkte an verschiedene Aufsichtsbehörden melden müssen. Dabei müssen nicht nur die aufsichtsrechtlichen Anforderungen, sondern auch die Datenmodelle der eingesetzten Meldesoftware (sofern vorhanden) verstanden werden.
Häufig sind mehrere Iterationen nötig, um eine hohe Datenqualität für eine Datenanforderung zu erreichen – mit Projektverzögerungen und ineffizientem Einsatz von Zeit, Personal und Ressourcen als Folge.
Das IReF mit dem Konzept „Define once, report once“ bietet eine Chance, diese Probleme zu beheben. Das gelingt jedoch nur mit einer umfassenden, klar formulierten Datenstrategie, die auf den folgenden Aspekten aufbaut:
Grenzüberschreitende Aspekte (für internationale Institute)
Um die Ziele strategischer Datenqualität zu erreichen und Einsparpotenziale voll auszuschöpfen, sind eine Datenharmonisierung über Ländergrenzen hinweg und eine Gruppenstrategie anzustreben. Die Datenlieferung der gesamten Gruppe basiert auf einheitlichen, konsistenten Definitionen und einem zentralen Datenwörterbuch, wie BIRD und IReF es vorgeben. Mit dem IReF wird dies im europäischen statistischen Meldewesen vollumfänglich durch die Regulatoren angestrebt. Es ist derzeit auf Einzelinstitutsebene geplant, wobei die Zentralen die Daten ihrer Auslandsfilialen an die jeweiligen nationalen Behörden übermitteln. Das bietet die Chance, die Datenlieferung gruppenweit zu harmonisieren. Entsprechend ist ein übergreifender Governance-Mechanismus für granulare, hochwertige Datenlieferungen zu etablieren.
Strategische Datenqualität
Strategische Datenqualität bedeutet, ein klar definiertes Zielniveau für die Datenqualität festzulegen und durch neue oder erweiterte Governance, Rollen, Standards und Prozesse sicherzustellen, dass die Organisation langfristig IReF‑konforme, vollständige und konsistente Daten liefert. Eine strategische Datenqualität kann anhand der folgenden fünf Kernelemente entworfen werden: