Steuerliche Rahmenbedingungen werden von Unternehmen weiterhin als ein wichtiger Standortfaktor wahrgenommen. Rund drei Viertel der Befragten messen ihnen im Vergleich zu anderen Faktoren wie Energiepreisen, Fachkräfteverfügbarkeit oder Bürokratie eine mittlere, hohe oder gar sehr hohe Bedeutung bei. Die Stimmung zur aktuellen steuerpolitischen Linie ist jedoch überwiegend negativ: 67 % sehen die Bundesregierung steuerpolitisch nicht auf dem richtigen Weg, lediglich 7 % bejahen den Kurs. Diese kritische Grundstimmung zieht sich durch alle Themenblöcke der Erhebung. Befragt wurden die Steuerfunktionen der 138 teilnehmenden Unternehmen; die Ergebnisse verstehen sich als Stimmungsbild dieses Kreises.
Steuerstandort Deutschland
Mit dem Investitionssofortprogramm wurde die schrittweise Absenkung des Körperschaftsteuersatzes bis 2032 auf 10 % verankert. Die Erhebung zeigt, dass dieser Pfad aus Unternehmenssicht weder vom Zeitpunkt noch vom Niveau her als ausreichend angesehen wird. 81 % der befragten Unternehmen halten die Senkung für zu spät, nur 15 % bewerten den Zeitpunkt als angemessen. Dieser Befund lässt sich als klares Votum für ein Vorziehen der Tarifsenkung lesen.
Auch das im Jahr 2032 erreichte Besteuerungsniveau von ca. 24,55 % auf Ebene der Kapitalgesellschaft wird zurückhaltend bewertet: 46 % sehen es als nicht wettbewerbsfähig an, nur 22 % halten es für eher oder voll wettbewerbsfähig. Selbst nach vollständiger Umsetzung der beschlossenen Reform sieht die Mehrheit den Wirtschaftsstandort Deutschland im internationalen Vergleich also weiterhin im Nachteil.
Hinzu kommt eine strukturelle Sorge mit Blick auf die kommunale Ebene: 82 % der Befragten rechnen damit, dass Städte und Gemeinden die Entlastungswirkung der KSt-Senkung durch eine Anhebung der Gewerbesteuerhebesätze zumindest teilweise konterkarieren werden. Damit wird die Reformwirkung in der Wahrnehmung der Wirtschaft zunehmend von der kommunalen Hebesatzpolitik abhängig.