Herstellung von Drohnen in einem Start-up

Wer künftig vom EU Defence Funding profitieren kann

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Die EU stärkt ihr Verteidigungsökosystem. Für Unternehmen bieten sich Förderchancen in Milliardenhöhe.


Überblick

  • Die EU richtet ihre Verteidigungsförderung neu aus und schafft mit Programmen wie EDF, EDIP, SAFE und ReArm Europe langfristige industriepolitische Instrumente.
  • Unternehmen, einschließlich Dual‑Use‑Anbieter sowie technologiegetriebener Start‑ und Scale‑ups, erhalten ab 2026 Zugang zu Förder‑ und Finanzierungsmöglichkeiten in Milliardenhöhe.
  • Die Programme gehen mit neuen Marktzugangs‑ und Governance‑Anforderungen einher, um die europäische industrielle Verteidigungsbasis zu stärken und Abhängigkeiten von Drittstaaten zu reduzieren.

Europa rüstet auf. Mit immensen Beträgen will die EU dazu beitragen, die Streitkräfte auf „langwierige, hochintensive Kriege vorzubereiten und Lücken in den europäischen militärischen Fähigkeiten zu schließen“, wie die Europäische Verteidigungsagentur in ihrem jüngsten Jahresbericht schreibt. Entsprechend läutet Brüssel mit neuen Förder- und Finanzierungselementen einen Paradigmenwechsel ein, um sicherheitspolitische Prioritäten der Mitgliedstaaten enger zu verzahnen und eine verteidigungsbereite Industriebasis aufzubauen. Das heißt praktisch: Für Unternehmen ergeben sich neue Chancen, auch jenseits etablierter Defence Player. Das gilt insbesondere für Technologielieferanten aus dem zivilen Bereich mit Gütern mit mehrfachem Verwendungszweck (Dual Use) und für technologiegetriebene Start- und Scale-ups.

2026 als Jahr der Weichenstellung

Mit den neuen Instrumenten überführt die EU bislang – geopolitisch bedingt – kurzfristige Notfallmaßnahmen in Werkzeuge einer strukturierten Verteidigungsindustriepolitik. Für Unternehmen eröffnet sich nicht nur bereits zeitnah (2026) ein möglicher Zugang zu Förder- und Finanzierungsinstrumenten wie EDF, EDIP oder SAFE (siehe unten), sondern auch die Möglichkeit einer strategischen Positionierung im sich formenden Verteidigungsökosystem der EU.

Wer sich darauf einlässt, dem bietet das Jahr 2026 gleich mehrere Chancen, sich frühzeitig in den förderkonzeptionellen Diskurs einzubringen – und sich langfristig strategisch in einem sich formenden europäischen Defence Funding-Ökosystem zu positionieren. Nachfolgend stellen wir Ihnen die wichtigsten Programme im neuen Verteidigungsökosystem der EU vor.

I. EDF – European Defence Fund

Der EDF ist das zentrale EU-Instrument für kooperative Forschung und Entwicklung (F&E) im Verteidigungsbereich. Er fungiert als strategisches Taktgeberinstrument, weil er Forschungs‑ und Entwicklungsprioritäten zwischen Mitgliedstaaten und Industrie bündelt und das Schließen identifizierter Fähigkeitslücken systematisch vorantreibt. Das Programm unterstützt über das EU Defence Innovation Scheme (EUDIS) insbesondere auch kleine und mittlere Unternehmen durch Zuschüsse sowie die Co-Finanzierung durch InvestEU.

Im Februar hat die EU erste Förderaufrufe unter dem EDF Arbeitsprogramm 2026 veröffentlicht. Für Unternehmen mit verteidigungsrelevanter F&E ist damit der richtige Zeitpunkt für strategische Planung, Konsortialbildung und IP-/Governance-Set-up gekommen.

II. EDIP – European Defence Industry Programme

Das EDIP ist eines der wichtigsten Instrumente zur Umsetzung der Verteidigungsindustriepolitik. Es soll helfen, durch industrielle Skalierung und Koordination kritische länderübergreifende Verteidigungsfähigkeiten zu entwickeln, die gemeinsame Beschaffung zu verbessern und Lieferketten zu stärken. Dafür stehen 2026–2027 im Programm 1,5 Milliarden Euro an Zuschüssen für die Überbrückung bis zum nächsten europäischen Finanzrahmen (2028–2034) bereit. Ein Schwerpunkt des Programms sind die European Defence Projects of Common Interest (EDPCIs), bei denen es um große, mitgliedstaatsübergreifende Projekte zum Aufbau von Kapazitäten zur Schließung kritischer Lücken bei zentralen europäischen Verteidigungsfähigkeiten geht, etwa in den Bereichen Luft‑ und Raketenabwehr, Munition, Drohnen, Cyber oder militärische Mobilität. Hier bietet sich für Unternehmen eine Chance, sich strategisch zu positionieren.

III. ReArm Europe

Der ReArm Europe Plan/Readiness 2030 wird operationalisiert, wodurch die Verteidigungsbereitschaft durch die massive Änderung bestehender Rechtsrahmen beschleunigt werden soll. Das erklärte Ziel: 800 Milliarden Euro an Verteidigungsausgaben zu mobilisieren, ein Beschleunigungsverfahren von Verteidigungsinvestitionen zu ermöglichen und gemeinsame Einkaufsvorhaben sowie den länderübergreifenden Transport von Verteidigungsgütern zu vereinfachen.

Das Herzstück aus Fördersicht: Zivile EU-Förderinstrumente werden für die Erforschung und Entwicklung von Verteidigungs- und Dual-Use-Technologien geöffnet. Darunter befinden sich prominente Programme wie Horizon Europe, STEP, Connecting Europe Facility und Digital Europe.

IV. SAFE – Security Action for Europe

SAFE ist kein klassisches Zuschussprogramm für Unternehmen, sondern ein EU-Finanzierungsinstrument, um Mitgliedstaaten bei dringenden Verteidigungsinvestitionen zu unterstützen. Die Europäische Kommission beschreibt SAFE als Instrument mit bis zu 150 Milliarden Euro an langfristigen Darlehen zur Beschleunigung gemeinsamer Beschaffungsmaßnahmen zur Steigerung der Verteidigungsbereitschaft. Für Unternehmen entstehen hier Chancen primär über nationalstaatliche Beschaffungsentscheidungen und die Einbindung in nationale bzw. multinationale Beschaffungspläne. Da die industriellen Kapazitäten stark ausgebaut werden sollen, können sich auch für zivile Unternehmen mit Dual-Use-fähigen Produkten und für Scale-ups neue Marktchancen eröffnen.

Co-Autor:innen: Sophie Doll & Manuel Schmidt

Fazit

Um die Abhängigkeit Europas von Drittländern zu reduzieren, enthalten die Förderprogramme im Rüstungsbereich spezifische Vorgaben, die sicherstellen sollen, dass Mittel in die europäische industrielle Basis fließen. Dabei geht es insbesondere um Anforderungen an Sitz- und Leitungsstrukturen sowie Kontrollverhältnisse. So knüpfen zentrale Instrumente die Teilnahme unter anderem daran, dass Empfänger und relevante Partner EU-basiert sind und nicht von einem nicht assoziierten Drittstaat kontrolliert werden (Ausnahmen nur unter engen Voraussetzungen). In der Praxis erhöht das den Bedarf an belastbaren Governance- und Nachweiskonzepten, um die Sicherheitsanforderungen zu erfüllen.



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