- 39 Prozent der Befragten sind sich sicher, nach dem Studium schnell den passenden Job zu finden – Rückgang um 15 Prozentpunkte
- Top-Kriterien bei der Arbeitgeberwahl: 52 Prozent der Studierenden nennen sicheren Arbeitsplatz – Lohnperspektiven folgen auf dem zweiten Platz (43 Prozent)
- Nur 13 Prozent glauben an Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in Deutschland – Frauen pessimistischer als Männer
- Studierende erwarten durchschnittliches Einstiegsgehalt von 44.800 Euro, inflationsbereinigt ist dies weniger als vor zehn Jahren
Die Zuversicht der Studierenden, was den Berufseinstieg angeht, ist deutlich gesunken: Nur noch vier von zehn Studierenden (39 Prozent) sind sich sicher, nach ihrem Abschluss schnell einen Job zu finden, der ihren Erwartungen entspricht. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 54 Prozent. Aktuell zeigt sich darüber hinaus fast die Hälfte der Befragten (49 Prozent) zumindest vorsichtig optimistisch – vor zwei Jahren waren es 40 Prozent. Deutliche Unterschiede zeigen sich je nach Studienrichtung: Am zuversichtlichsten sind aktuell Studierende der Medizin (50 Prozent, Minus zwölf Prozentpunkte). Vergleichsweise hoch sind die Werte auch bei den angehenden Juristinnen und Juristen (49 Prozent, Minus fünf Prozentpunkte). Am anderen Ende der Skala finden sich Studierende der Naturwissenschaften (29 Prozent, Minus zwölf Prozentpunkte) und angehende Kulturwissenschaftler (30 Prozent, Plus sechs Prozentpunkte).
Mehr als die Hälfte der Studierenden (52 Prozent) sagt darüber hinaus, dass ein stabiler und sicherer Arbeitsplatz für sie ein Top-Faktor bei der Wahl ihres zukünftigen Arbeitgebers sei. Damit liegt dieser Aspekt bei Studierenden an erster Stelle, neun Prozentpunkte vor dem Gehalt, das von mehr als vier von zehn Befragten (43 Prozent) als wichtiges Kriterium genannt wird. Bei der letzten Studierendenstudie von EY aus dem Jahr 2024 lag noch das Gehalt auf Platz eins, die Jobsicherheit kam erst danach. Für Frauen (57 Prozent) ist die Arbeitsplatzstabilität sogar noch etwas wichtiger als für Männer (47 Prozent). Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Gehalt: Auch dieser Faktor ist für Studentinnen (48 Prozent) wichtiger als für Studenten (38 Prozent). In puncto Lohn rechnen die angehenden Akademikerinnen und Akademiker zum Berufseinstieg mit einem – auf dem Papier – höheren Einstiegsgehalt als in der Vorbefragung. Das erhoffte Jahressalär steigt um 2,5 Prozent bzw. 1.100 Euro auf 44.800 Euro. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren hatten Deutschlands Studierende noch ein Einstiegsgehalt von 40.000 Euro angepeilt. Dies entspricht inflationsbereinigt heute einem Betrag von etwa 48.000 Euro – also einem deutlich höheren Gehalt, als aktuell erwartet wird.
Das sind Ergebnisse einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Für die Studie wurden im Frühjahr 2026 mehr als 2.000 Studierende in Deutschland befragt.
Jan-Rainer Hinz, Mitglied der Geschäftsführung und Leiter Personal und Unternehmenskultur bei EY: „Die Ergebnisse zeigen einen klaren Paradigmenwechsel: Für die Generation Studierender wird Sicherheit zum immer stärkeren Orientierungsfaktor – über Karriere, Gehalt und Entwicklung hinweg. Dies hat auch mit der aktuellen wirtschaftlichen Lage zu tun, die auch bei den Studierenden auf die Stimmung drückt. Der Optimismus, nach dem Studium rasch einen passenden Job zu finden, lässt nach.“ Angesichts steigender Arbeitslosenzahlen auch unter Akademikerinnen und Akademikern sei dies nicht überraschend, so Hinz. Nicole Dietl, Partnerin Assurance und Talent Leaderin bei EY, ergänzt: „Wir sehen eine Generation von Studierenden, die sehr bewusst und realistisch auf ihre berufliche Zukunft und auf das wirtschaftliche Umfeld blickt. Klassische Karriere- und Gehaltsziele verlieren etwas an Gewicht, während verlässliche Perspektiven und Stabilität stärker in den Fokus rücken. Der rasante Fortschritt bei neuen Technologien, wie Künstlicher Intelligenz, verändert Tätigkeiten und Qualifikationsanforderungen zudem spürbar – und stellt für viele Studierende die langfristige Verlässlichkeit einzelner Berufsbilder infrage.“
Auffällig sei dabei zudem, dass Studentinnen im Schnitt geringere Gehaltsvorstellungen formulierten als ihre Kommilitonen – ein Unterschied, der eng mit strukturellen Faktoren wie der Wahl häufig niedriger vergüteter Studienfächer zusammenhänge. „Gleichzeitig sind besonders gut bezahlte naturwissenschaftliche und technische Studiengänge weiterhin überwiegend männlich geprägt. Dass sich diese Unterschiede früh verfestigen, ist problematisch, weil sie bestehende Ungleichgewichte verstärken und Potenziale ungenutzt lassen“, so Dietl.
Gesamtwirtschaftliche Einschätzung ebenfalls pessimistischer
Der verhaltene Blick auf den Arbeitsmarkt wird durch eine deutlich pessimistischere Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung verstärkt: Nur jede und jeder Achte (13 Prozent) rechnet damit, dass sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland im kommenden Jahr verbessert. Dagegen erwarten mehr als zwei von fünf Studierenden (45 Prozent) eine Verschlechterung, weitere 42 Prozent gehen von einer Stagnation aus. Auffällig ist dabei die Differenz zwischen den Geschlechtern: Während mehr als jede zweite Studentin (53 Prozent) mit einer Verschlechterung rechnet, trifft dies nur auf gut jeden dritten Studenten (38 Prozent) zu. Frauen bewerten die wirtschaftliche Entwicklung damit deutlich pessimistischer als ihre Kommilitonen. Trotz dieser skeptischen Konjunkturerwartungen zeigt sich bei der persönlichen Lage ein differenziertes Bild: Vier von fünf Studierenden (80 Prozent) sind insgesamt mit ihrer aktuellen persönlichen Situation zufrieden, darunter knapp jede und jeder Vierte (23 Prozent) sogar „sehr zufrieden“. Gleichzeitig bleibt jede und jeder Fünfte (20 Prozent) eher oder sehr unzufrieden. Damit hat sich dieser Wert im Vergleich zur letzten Befragung kaum verändert, 2024 lag er bei 21 Prozent.
Insgesamt liegen die Zufriedenheitswerte damit deutlich unter dem Niveau von vor der Corona-Pandemie. Zum Vergleich: 2018 waren nur gut zwölf Prozent der Befragten unzufrieden. Hinz: „Die spürbar pessimistischere Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung seitens der Studierenden ist kein kurzfristiger Effekt, sondern Ausdruck eines tiefergehenden Einschnitts. Seit der Pandemie hat sich das ökonomische Umfeld grundlegend verändert, ohne dass wir bislang wieder an das frühere Niveau anknüpfen konnten. Zahlreiche Krisen geben sich die Klinke in die Hand: Von den Folgen des Kriegs in der Ukraine über hohe Energiepreise, die sich durch den aktuellen Iran-Konflikt noch verschärfen, bis hin zu einer insgesamt schwachen Konjunktur. Das sorgt auch bei den angehenden Akademikerinnen und Akademikern für anhaltende Unsicherheit: Sie erleben eine Phase struktureller Veränderungen, in der Stabilität und Verlässlichkeit wichtiger werden als schnelle Aufstiegschancen.“
Familie bleibt Top-Priorität
Bei den langfristigen Prioritäten dominiert das Private das Berufliche: Mehr als acht von zehn (81 Prozent) messen der Familie eine sehr große Bedeutung bei. Freunde und das soziale Umfeld folgen mit knapp zwei Dritteln (65 Prozent). Freizeit und Sport sind für mehr als jede und jeden Zweiten (53 Prozent) zentral. Beruflicher Aufstieg bleibt relevant (52 Prozent), ebenso ein hoher Lebensstandard (51 Prozent). Auch gesellschaftliche Themen prägen das Wertebild stark: Menschenrechte werden von mehr als acht von zehn (85 Prozent) als wichtig eingestuft. Umweltschutz/Klimaschutz (84 Prozent) sowie internationale Krisen und Kriege (84 Prozent) folgen nahezu gleichauf. Die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland nennen mehr als vier von fünf (83 Prozent) als wichtiges Thema – ein Befund, der zur insgesamt skeptischeren Einschätzung der kommenden Monate passt.
Dietl fasst zusammen: „Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich: Für viele Studierende verschieben sich die Prioritäten. Private Stabilität, ein verlässliches Umfeld und gesellschaftliche Orientierung gewinnen an Gewicht – auch vor dem Hintergrund anhaltender Krisen und Unsicherheiten. Gleichzeitig bleibt der Anspruch, sich beruflich zu entwickeln und aktiv zu gestalten. Der entscheidende Punkt für Arbeitgeber ist es hier, Sicherheit und Entwicklung zu vereinen. Die Unternehmen, die dies schaffen, haben nicht nur einen Vorteil im Ringen um die besten Talente, sondern auch, was die unmittelbare Effektivität und Effizienz ihres Unternehmens betreffen.“
Hier können Sie die Studie kostenlos bestellen.