- Weltweit nennen 40 Prozent der CEOs Cyberrisiken als Top-Belastung – nur die Konjunkturschwäche wird häufiger genannt (44 Prozent)
- 53 Prozent der deutschen CEOs fürchten, beim KI-Kompetenzaufbau nicht Schritt zu halten – nur in Japan und China sind es mehr
- KI wird weltweit zum wichtigsten Produktivitätsbooster – deutsche Unternehmen setzen aber noch stärker auf Reorganisation und Automatisierung
- Gut jedes vierte Unternehmen weltweit hat keinen verlässlichen Überblick über KI-Kosten und ROI – in Deutschland 24 Prozent
- Deutsche Unternehmen erwarten Kostensprung: 27 Prozent rechnen damit, dass sich ihre Ausgaben für generative KI in drei Jahren mehr als verdoppeln
Die schwache Konjunktur bleibt für Unternehmen weltweit die größte Belastung – doch direkt dahinter folgen inzwischen Cyber- und Technologierisiken: 44 Prozent der CEOs weltweit zählen die makroökonomische Unsicherheit zu den drei größten Belastungsfaktoren für ihr Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten. 40 Prozent nennen Cyberrisiken und Datenschutzbedrohungen, 34 Prozent den technologischen Umbruch einschließlich KI-Risiken. In Deutschland liegen Konjunkturschwäche und Cyberrisiken mit jeweils 40 Prozent gleichauf an der Spitze.
Weitere wichtige Belastungsfaktoren sind weltweit regulatorische bzw. politische Unsicherheit (34 Prozent), der Fachkräftemangel (32 Prozent) sowie geopolitische Spannungen und Störungen von Handel und Lieferketten (jeweils 31 Prozent). Deutsche Unternehmen sorgen sich überdurchschnittlich häufig um den Fachkräftemangel (35 Prozent) und um Lieferketten (34 Prozent).
Das sind Ergebnisse des aktuellen CEO Outlook Survey von EY-Parthenon, der Strategie- und Transaktionsberatung von EY, basierend auf einer Befragung von 1.200 CEOs in 21 Ländern, darunter 100 in Deutschland. Zusätzlich wurden in Deutschland 100 weitere Unternehmen zum Umgang mit KI-Kosten befragt.
„Cyberangriffe, Datenschutzprobleme, der rasante technologische Wandel und die immer weiter steigende Bedeutung von KI lassen sich nicht mehr an die IT-Abteilung delegieren – das ist Chefsache“, sagt Sandra Krusch, Managing Partner EY-Parthenon in Deutschland. „Unternehmen müssen neue Technologien schnell einführen, um nicht abgehängt zu werden – und zugleich die Risiken im Griff behalten. Das ist eine schwierige Gratwanderung. Hinzu kommt: Durch KI werden auch Cyberangriffe immer raffinierter und gefährlicher.“
Deutsche Unternehmen sehen Tech- und KI-Risiken gelassener
Beim technologischen Umbruch zeigen sich deutsche Unternehmen etwas gelassener als der globale Durchschnitt: 31 Prozent der deutschen CEOs zählen technologische und KI-Risiken zu den Top-Belastungsfaktoren, weltweit sind es 34 Prozent. Am größten ist die Sorge in China (40 Prozent), gefolgt von Frankreich (36 Prozent) und den USA (35 Prozent).
Cyberrisiken werden vor allem in Großbritannien (50 Prozent) und den USA (49 Prozent) als Problem gesehen – Deutschland folgt im Ranking der großen Volkswirtschaften mit 40 Prozent auf Rang drei.
Deutsche CEOs fürchten, bei KI-Kompetenzen den Anschluss zu verlieren
Gelassen ist allerdings nicht gleichbedeutend mit gut aufgestellt: Mehr als jeder zweite deutsche CEO (53 Prozent) stimmt der Aussage zu, dass das eigene Unternehmen Kompetenzen nicht schnell genug aufbaut, um mit KI-Innovationen Schritt zu halten und ihren vollen Nutzen zu heben. Nur in Japan (60 Prozent) und China (57 Prozent) ist der Anteil höher. Mit 21 Prozent stimmen in Deutschland zudem so viele CEOs wie in keinem anderen Land der Aussage „voll zu“. Am zuversichtlichsten sind Unternehmen in Kanada, wo nur 28 Prozent einen Rückstand sehen.
„KI-Technologie kann heute jedes Unternehmen einkaufen. Den Unterschied machen die Menschen, die damit auch umgehen können“, sagt Martin Gerber, CFO von EY Deutschland. „Hier sehen gerade deutsche Unternehmen erheblichen Nachholbedarf. Wer beim Kompetenzaufbau zu langsam ist, riskiert, dass Investitionen in KI verpuffen.“
„Es gibt aktuell weltweit einen Kampf um Talente im KI-Bereich – und da sind deutsche Unternehmen nicht übermäßig gut aufgestellt“, beobachtet Krusch. „Die großen US-Technologiekonzerne, aber auch finanziell teils hervorragend ausgestattete Start-ups bieten Talenten oft bessere Perspektiven als deutsche Konzerne.“
Deutsche Unternehmen holen mehr Produktivität aus schlankeren Prozessen als aus KI
KI ist weltweit inzwischen der wichtigste Produktivitätstreiber: 50 Prozent der CEOs nennen den Einsatz KI-gestützter Tools und Anwendungen als einen der Faktoren, die in den vergangenen zwölf Monaten am stärksten zur Produktivitätssteigerung beigetragen haben. In Deutschland liegt der Anteil mit 48 Prozent nur knapp darunter.
Noch wichtiger ist für deutsche Unternehmen allerdings die interne Reorganisation: 62 Prozent nennen die Neugestaltung und Vereinfachung von Geschäftsprozessen einschließlich der Automatisierung von Routineaufgaben als zentralen Produktivitätshebel – weltweit liegt der Anteil nur bei 46 Prozent.
„KI bringt wenig, wenn man sie auf veraltete Prozesse setzt“, sagt Krusch. „Deutsche Unternehmen gehen hier einen pragmatischen Weg: Sie räumen zunächst ihre Abläufe auf und automatisieren Routinen – das schafft die Basis für einen wirksamen KI-Einsatz. Dass allerdings nach mehreren konjunkturell schwierigen Jahren immer noch viele deutsche CEOs Möglichkeiten für Produktivitätsfortschritte durch Automatisierung und Reorganisation sehen, gibt zu denken. Eigentlich hätten diese Potenziale längst gehoben sein müssen.“
Gut jedes vierte Unternehmen ohne verlässlichen Überblick über KI-Kosten
Mit dem zunehmenden KI-Einsatz rückt die Wirtschaftlichkeit in den Fokus – und hier zeigen sich Lücken: 28 Prozent der Unternehmen weltweit haben keinen verlässlichen Überblick über ihre KI-Kosten und können den Return on Investment nicht sicher bewerten. In Deutschland liegt der Anteil bei 24 Prozent. Nur 18 Prozent der deutschen Unternehmen haben ihre KI-Kosten umfassend und in Echtzeit im Blick (weltweit: 16 Prozent).
Im internationalen Vergleich haben Unternehmen in Kanada (82 Prozent) und den USA (79 Prozent) ihre KI-Kosten nach eigener Einschätzung am besten im Griff. Deutschland liegt mit 76 Prozent im Mittelfeld. Deutlich schlechter sieht es in Japan aus, wo nur 47 Prozent über eine verlässliche Kostentransparenz verfügen.
„Die Experimentierphase ist vorbei – jetzt wollen die Vorstände wissen, was KI tatsächlich bringt“, sagt Gerber. „Aber wer seine KI-Kosten nicht im Griff hat, kann nicht beurteilen, welche Projekte sich lohnen. Ohne Transparenz über Kosten und Nutzen lässt sich KI nicht sinnvoll skalieren.“
Nur jedes dritte deutsche Unternehmen misst KI-Kosten umfassend
Aktuell haben nur 32 Prozent der deutschen Unternehmen umfassende Prozesse zur Kostenüberwachung eingeführt – weitere 26 Prozent verfügen immerhin teilweise über entsprechende Prozesse oder Systeme. Trotzdem geben sieben von zehn deutschen Unternehmen an, ihre KI-Budgets meistens oder nahezu immer einzuhalten.
„Viele Unternehmen befinden sich noch in einer trügerischen Komfortzone“, sagt Gerber. „Fast alle machen etwas mit KI, viele haben das Gefühl, die Kosten im Blick zu haben – aber strukturiert, gemessen und geplant läuft das in den wenigsten Firmen ab. Wer KI-Kosten nicht misst, kann sie nicht steuern. Solange Monitoring, Budgetierung und klare Business Cases fehlen, bleibt jede Aussage über die Wirtschaftlichkeit von KI Spekulation.“
Jedes vierte deutsche Unternehmen erwartet mehr als doppelt so hohe KI-Kosten
Aktuell liegen die jährlichen KI-Gesamtkosten im Mittel bei 0,9 Prozent des Umsatzes. Doch der Druck wächst: 88 Prozent der befragten deutschen Unternehmen erwarten, dass ihre Gesamtkosten für generative KI in den kommenden drei Jahren steigen. 57 Prozent rechnen mit einem Plus von mehr als 50 Prozent, mehr als jedes vierte Unternehmen (27 Prozent) geht sogar von einer Steigerung um mehr als 100 Prozent aus. Lediglich fünf Prozent erwarten unveränderte Kosten. Das Problembewusstsein ist durchaus da: Für 79 Prozent ist die Kontrolle der KI-Kosten sehr wichtig oder eher wichtig.
KI-Kosten sind meist Sache der IT – nicht der Finanzabteilung
Ein Grund für die Steuerungslücke liegt in der Verteilung der Zuständigkeiten: Bei 47 Prozent der Unternehmen liegt die Hauptverantwortung für die KI-Kosten beim CIO beziehungsweise der IT. In 16 Prozent der Unternehmen teilen sich mehrere Funktionen die Verantwortung, in acht Prozent liegt sie in den Fachbereichen.
Auch ein belastbarer Business Case fehlt oft: Nur 20 Prozent der Unternehmen rechnen alle größeren KI-Initiativen sauber durch, 29 Prozent tun dies für ausgewählte Projekte, 33 Prozent nur vereinzelt – und 14 Prozent gar nicht.
Gerber: „Es ist ein natürlicher Reflex, die Kostenkontrolle für KI in die IT zu geben. Aber KI wird heute in ganz unterschiedlichen Bereichen eingesetzt, mit unterschiedlichem Nutzen. Deshalb gehört die Kostenverantwortung dorthin, wo der Nutzen entsteht – nach dem Prinzip: Wer viel Nutzen daraus zieht, darf auch hohe Kosten haben, muss sie aber rechtfertigen. Das kann ein CIO für das gesamte Unternehmen häufig nicht beurteilen."
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