5 Minuten Lesezeit 29 Oktober 2021

Nachhaltigkeit, Fachkräftemangel und Pandemie treiben die digitale Transformation. Vor allem der Automatisierung kommt eine Schlüsselrolle zu.

Person, die ein Mobiltelefon außerhalb eines Gebäudes benutzt

Wie Digitalisierung die Existenz der Immobilienwirtschaft sichert

Autoren
Christian Schulz-Wulkow

Leiter Real Estate, Hospitality & Construction Sector | Deutschland, Schweiz, Österreich; Managing Partner Ernst & Young Real Estate GmbH

Immobilienprofi mit den Schwerpunkten M&A, Strategie und Digitalisierung. Neben dem Beruf ist er Kunstfreund, der sich mit Crossfit und Golf fit hält, im Privaten leitet ihn seine junge Tochter.

Alexander Hellmuth

Senior Manager, Real Estate, Strategy and Transactions | Deutschland

Arbeitet gemeinsam mit seinem Team an der Digitalisierung der Immobilienwirtschaft. Dabei fokussiert er sich stark auf den Einsatz innovativer Technologien.

5 Minuten Lesezeit 29 Oktober 2021

Nachhaltigkeit, Fachkräftemangel und Pandemie treiben die digitale Transformation. Vor allem der Automatisierung kommt eine Schlüsselrolle zu.

Überblick

  • Die Immobilienwirtschaft birgt immenses Automatisierungspotenzial. 
  • Digitalisierung entfaltet ihre Vorteile vor allem bei der Optimierung von Geschäftsprozessen und der Generierung von Daten.
  • Nachhaltigkeit und das damit einhergehende Erfordernis der Datentransparenz sind besonders starke Treiber für die digitale Transformation.

Die Immobilienbranche ist sich weitgehend einig: Die Existenz von Unternehmen und Geschäftsmodellen steht und fällt langfristig mit der Automatisierung durch digitale Technologie. Mehr als 90 Prozent der Befragten schlossen sich dieser Aussage im Rahmen der Digitalisierungsstudie 2021 von EY Real Estate und dem Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA), dem Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, an. Rund die Hälfte der Befragten sprach zudem die Erwartung aus, dass der sich zunehmend verschärfende Fachkräftemangel zumindest teilweise durch Automatisierung ausgleichen lasse. Mit 96 Prozent gehen dagegen deutlich mehr Teilnehmer davon aus, dass sich Mitarbeitende dank Automatisierung vermehrt wertschöpfenden Aufgaben und Tätigkeiten widmen können.

Digitalisierungsstudie der Immobilienwirtschaft 2021

90 %

der befragten Unternehmen sind überzeugt, dass automatisierte Prozesse den Fortbestand des Unternehmens sichern.

Für die bereits zum sechsten Mal in Folge vorgelegte Real Estate Digitalisierungsstudie wurden im Sommer 2021 insgesamt rund 220 Mitarbeitende von privaten wie auch öffentlichen Unternehmen mit Bezug zur Immobilie befragt. Die Teilnehmerstruktur bildet die gesamte Wertschöpfungskette der Immobilienwirtschaft ab. Ein anteiliger Schwerpunkt liegt in diesem Jahr bei Immobilieninvestoren und Bestandshaltern (26 Prozent) sowie Asset-Managern (18 Prozent), gefolgt von Projektenwicklern und Beratern/Vermittlern (jeweils 10 Prozent).

Schlüsselrolle für Automatisierung

Automatisierung wird oftmals mit einer Gefahr für Geschäftsmodelle und Arbeitsplätze assoziiert. Das muss sich ändern und die Chancen müssen in den Vordergrund treten. Denn angesichts des demografischen Wandels und des sich absehbar verschärfenden Fachkräftemangels kommt der Automatisierung für Immobilienunternehmen eine Schlüsselrolle zu. 

Besonders hoch schätzen die Befragten das Automatisierungspotenzial im Bereich der Rechnungsverarbeitung (78 Prozent) und der Verwaltung des Zahlungsverkehrs (69 Prozent) ein. Ebenfalls vielversprechende Automatisierungsmöglichkeiten sehen sie in der Datenübertragung zwischen Systemen (67 Prozent), dem Reporting (62 Prozent), dem Controlling (55 Prozent) und der Dokumentenanalyse (54 Prozent). Weiteres Potenzial liegt nach den Ergebnissen der Studie in der Mieterkommunikation (24 Prozent), der Bewertung (22 Prozent), der Vermarktung (19 Prozent) und Predictive Maintenance (16 Prozent). Das geringste Automatisierungspotenzial wird im Bereich der Bauausführung ausgemacht (4 Prozent).

Aufwärtstrend bei Digitalisierungsausgaben gestoppt

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass sich die Ausgaben für Digitalisierungsmaßnahmen einpendeln: Mehr als 50 Prozent der befragten Unternehmen investieren zwischen 1 und 5 Prozent ihres Umsatzes in die Digitalisierung. Der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre setzt sich damit zunächst nicht fort. Gleichzeitig ist zu konstatieren, dass die Branche zwar eine gewisse Reife erreicht hat, der Stand der Automatisierung jedoch noch deutlich hinter den Möglichkeiten zurück liegt. 40 Prozent der Befragten geben beispielsweise an, dass der Anteil der bereits automatisierten Prozesse bei maximal 10 Prozent liegt. Anderes ausgedrückt: Es gibt noch viel Luft nach oben.

Digitalisierungsstudie der Immobilienwirtschaft 2021

10 %

beträgt der Anteil der der automatisierten Prozesse bei 40 Prozent der Befragten. Über 60 Prozent erreichen nur 7 Prozent der Befragten.

Das größte Digitalisierungspotenzial wird mit jeweils 17 Prozent in den Bereichen Property Management und Energiedienstleistungen gesehen. Beide Bereiche hatten noch im Vorjahr nur einstellige Zustimmungsraten erreicht. Hierzu passt, dass die Befragten die Vorteile der Digitalisierung vor allem bei der Optimierung von Geschäftsprozessen und der Generierung von Daten sehen. 

Datentransparenz als Grundvoraussetzung für ESG

Besonders im Hinblick auf Nachhaltigkeitsthemen und konstant steigende regulatorische Anforderungen gewinnt eine digital gestützte Automatisierung der Unternehmensabläufe an Bedeutung. 97 Prozent von der Studienteilnehmer stimmten der Aussage zu, dass Datentransparenz die Chancen erhöhe, ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) in das Geschäft zu integrieren. Zudem herrscht Einigkeit darüber, dass digitale Technologien und Anwendungen (96 Prozent) sowie Daten und deren Auswertung (95 Prozent) der Schlüssel für ein professionelles ESG-Management sind.

Die zwingend notwendige Transformation der Immobilienbranche im Hinblick auf Nachhaltigkeitsthemen und konstant steigende regulatorische Anforderungen erfordert eine digital gestützte Automatisierung der Unternehmensabläufe.

Neben dem Fachkräftemangel und Klimawandel ergänzt die Corona-Pandemie den Dreiklang der Digitalisierungstreiber. Ein Drittel der Befragten unterstützen diese Aussage. Rund 70 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass die Pandemie zum Anlass genommen wurde, sich stärker mit der Digitalisierung im Unternehmen auseinanderzusetzen.

Fazit

Automatisierung gilt in zahlreichen Branchen als zukunftssichernder Faktor. Die Immobilienwirtschaft bildet hier keine Ausnahme. Die Grundlagen sind zwar gelegt, ihr Automatisierungsgrad bleibt gegenwärtig allerdings noch deutlich hinter den Möglichkeiten zurück. Demografischer Wandel, gebotene Produktivitätssteigerung sowie Regulatorik im Kontext der Nachhaltigkeit und darüber hinaus dulden jedoch kein Zögern mehr und zwingen die Branche geradezu in die digitale Transformation und die Automatisierung durch digitale Technologie.

Über diesen Artikel

Autoren
Christian Schulz-Wulkow

Leiter Real Estate, Hospitality & Construction Sector | Deutschland, Schweiz, Österreich; Managing Partner Ernst & Young Real Estate GmbH

Immobilienprofi mit den Schwerpunkten M&A, Strategie und Digitalisierung. Neben dem Beruf ist er Kunstfreund, der sich mit Crossfit und Golf fit hält, im Privaten leitet ihn seine junge Tochter.

Alexander Hellmuth

Senior Manager, Real Estate, Strategy and Transactions | Deutschland

Arbeitet gemeinsam mit seinem Team an der Digitalisierung der Immobilienwirtschaft. Dabei fokussiert er sich stark auf den Einsatz innovativer Technologien.