Damit verschiebt sich ein Teil der Wertschöpfung von der Transaktionsabwicklung hin zu neuen strategischen Kontrollpunkten.
Warum auch Unternehmen von agentischen Zahlungen profitieren
Relevante Anwendungsfälle für agentische Workflows und Zahlungen gibt es auch in Unternehmen. Denn dort treffen KI-Agenten auf klar definierte Prozesse, Rollen und Governance-Strukturen.
Beschaffungsprozesse, Geschäftsreisen oder wiederkehrende Bestellungen folgen häufig schon heute Regeln für Budgets, Lieferanten, Berechtigungen und Freigaben. Unternehmen könnten beispielsweise festlegen, dass ein Agent bestimmte Leistungen selbstständig einkaufen darf, solange ein Budget eingehalten wird, der Lieferant freigegeben ist und definierte Risikokriterien erfüllt sind.
Damit verschiebt sich die Autorisierung von der einzelnen Transaktion hin zu einem regelbasierten Mandat. Gerade hier können Banken und Zahlungsdienstleister ihre Erfahrungen und Fähigkeiten in Berechtigungs- und Limit-Management, Governance und Risikosteuerung einbringen.
Banken haben strukturelle Vorteile im Wettbewerb
Kundenschnittstelle und Kaufentscheidung verlagern sich zu KI-Plattformen und KI-Agenten. Für Banken besteht die Gefahr auf die Zahlungsabwicklung reduziert zu werden und Einfluss auf den Kunden und die Zahlungswahl zu verlieren. Parallel entsteht ein neuer Wettbewerb um die Besetzung der strategischen Kontroll- und Steuerungspunkte, der darüber hinaus auch durch Margen- und Erfolgsdruck auf Seite der Banken geprägt wird (wenn Agenten beispielsweise günstige Verfahren wie Instant Payments gegenüber margenstarken Netzwerken bevorzugen).
Bereits heute werden technische Standards, Kommunikationsprotokolle und Kontrollstrukturen geprägt. Während KI-Agenten-spezifische Regelungen neben dem geltenden rechtlich-regulatorischen Rahmen noch ausstehen, etablieren sich bereits Infrastruktur und Governance-Mechanismen. Institute, die sich hier nicht beteiligen, riskieren, dass die Steuerungspunkte entgegen eigenen Präferenzen und technischen Standards ausgestaltet werden und nicht interoperabel sind. Offene Standards und interoperable Systeme begrenzen außerdem Abhängigkeiten von neuen Wettbewerbern, KI-Plattformen und fremden Standards.
Banken und Zahlungsdienstleister verfügen bereits heute über wichtige Kompetenzen und zentrale Fähigkeiten für eine agentische Zahlungswelt: Vertrauen, regulatorische Kompetenz, etablierte Identitäts- und Authentifizierungsverfahren sowie den Betrieb kritischer Zahlungsinfrastrukturen. Hausbanken haben damit eine gute Ausgangsposition, eine zentrale Rolle in der Kontroll- und Steuerungsebene einzunehmen. Diese strukturellen Vorteile sollten Banken und Zahlungsdienstleister nutzen.
Was Banken und Zahlungsdienstleister jetzt tun sollten
Vollautonome Zahlungen von KI-Agenten in Europa und im DACH-Raum sind noch Zukunftsmusik. Institute sollten dennoch aktiv werden, denn erste konkrete Tests im DACH-Raum wurden bereits erfolgreich durchgeführt. In diesem Kontext sind folgende Handlungsfelder relevant:
- Marktrolle bestimmen: Definition eines Zielbilds für Agentic Commerce, vom reinen Zahlungsabwickler über Kontrollinstanz zum umfassenden Agenten-Offering in der gesamten Wertschöpfungskette3.
- Readiness aufbauen: Bestehende Systeme für die neuen Kontrollpunkte (Identitäten, Mandate, Berechtigungen, Limits etc.) und relevante Zahlverfahren für die Nutzung durch KI-Agenten vorbereiten.
- Offene Standards vorantreiben: Laufende Standardisierungsinitiativen begleiten und Interoperabilität sicherstellen. Silos durch geschlossene Protokolle und Abhängigkeiten von wenigen Anbietern vermeiden.
- Rahmenbedingungen definieren: Offene Punkte identifizieren und adressieren, Überwachungsmechanismen definieren und KI-Governance aufbauen.
- Anwendungsfälle testen und eigene Angebote entwickeln: Mit Piloten schnell neue Use Cases verproben und technische Anforderungen, Risiken und Kundennutzen für weitere Vertiefung und die perspektivische Integration in das Produktportfolio dokumentieren.