Monitore zeigen Daten und Diagramme in einem Lager voller Kartons.

Von wegen selbstheilend: Was Supply Chains wirklich zusammenhält

Warum viele KI-Initiativen scheitern und welche Schritte wirklich nötig sind, um Planung zukunftsfähig zu machen.


Überblick:

  • Mythos Selbstheilung: Buzzwords wie Agentic AI vermitteln die Illusion autonomer Supply Chains – die Realität ist jedoch eine andere.
  • Operative Realität: Transformationen scheitern oft still, da Systeme starr sind, Forecasts eingefroren und Parameter händisch nachjustiert werden.
  • Weg nach vorn: Nur durch strukturelle Änderungen kann KI echten Mehrwert bieten und mehr sein als ein Schlagwort.

KI-Demos und Anbieterpräsentationen zeichnen das Bild autonomer, sich selbst heilender Supply Chains. Doch hinter den glänzenden Slides und ambitionierten Plattform-Versprechen zeigt sich ein anderes Bild: Die meisten Planungsinitiativen scheitern leise – in der Umsetzung. Was als AI-enabled verkauft wird, ist in Wahrheit oft ein Mix aus Excel, Bauchgefühl und Flickwerk.

Dieser Artikel räumt auf mit der Illusion technologischer Selbstheilung. Er zeigt in sieben Punkten, wo Führungskräfte wegschauen, was operative Realität ist – und welche grundlegenden Änderungen erforderlich sind, damit KI mehr wird als ein Etikett.

1. Die Illusion: Selbstheilung durch Agentic AI

Self-healing Networks. Lights-out Planning. Autonome Agenten. Das sind die Buzzwords der Stunde. Aber die Realität? Die meisten Planungsumgebungen scheitern bereits an simplen Feedback-Schleifen. Was wir auf Konferenzen hören, klingt wie Science Fiction. Was wir vor Ort sehen, ist Krisenmodus.


Die meisten Planungsinitiativen scheitern leise in der Umsetzung. Was als AI-enabled beworben wird, ist häufig nichts anderes als eine Mischung aus Excel, Bauchgefühl und Flickwerk.


2. Die Realität: Heilen heißt immer noch Handarbeit

Supply Chains laufen nicht auf Architektur-Slides. Sie benötigen Menschen, die täglich gefordert sind, zu improvisieren. Und diese Stabilisierung erfolgt heute manuell:

  • Forecasts werden eingefroren, um Systemchaos zu vermeiden
  • Planer überschreiben Systeme mit Erfahrungswerten
  • Excel füllt Lücken in angeblich integrierten Systemen
  • Parameter werden von Hand justiert, nicht von Logik

Was hier „heilt“, ist kein intelligentes System. Es sind Menschen, die improvisieren. Täglich und am Limit.

 

3. Der Konferenz-Irrtum

Viele Planungs-Transformationen gelten als abgeschlossen, wenn das System läuft, die PowerPoint Slides gut aussehen und das Budget aufgebraucht ist. Doch hinter der Bühne ergibt sich folgendes Bild:

  • Systeme werden umgangen oder falsch genutzt
  • Forecasts werden eingefroren oder ignoriert
  • Entscheidungen in der Ausführung werden von der Planung entkoppelt
  • Designlogik von gestern

Dann folgen Case Studies, Keynotes, vermeintliche Erfolgsstories – und in der Kaffeepause hört man: „Wir haben 18 Planer und wissen trotzdem nicht, welchen Batch wir zuerst freigeben sollen.“

 

4. Was wirklich kaputt ist: Design und Parameterlogik

Man kann nichts „heilen“, was nie für Wandel gebaut wurde. Legacy-Systeme sind statisch: Forecast oben, Planung in Zeitbuckets, Ausführung im Blindflug. Was fehlt:

  • Schwankungsbereiche zur Aufnahme von Volatilität
  • Dynamische Parameter
  • Feedback Loops mit Wirkung

Ohne das wird KI zur Farce: tägliches Umplanen, Volumenverschiebung, eskalierendes Rauschen. Keine Intelligenz. Nur beschleunigte Instabilität.

 

5. Das unausgesprochene Dilemma

Viele Führungskräfte wissen, dass Transformationen ihr Ziel verfehlen. Aber niemand spricht es offen aus. Warum?

  • Projekte waren politisch teuer
  • Vendor Roadmaps versprachen Erfolg
  • Das Leadership Team braucht einen „Win“

Also wird Erfolg neu definiert: Go-live statt Impact. Und die entscheidende Frage wird nicht gestellt: Hilft dieses System wirklich, bessere Entscheidungen zu treffen?

 

Solange Planung zwischen Schreibtisch, Excel und Tool zerfasert, bleibt sie wirkungslos.

 

6. Was sich ändern muss

Erster Schritt: Verlernen, dass Prozesse fix sind. Nicht wiederholen, was nie funktioniert hat – nur weil es jetzt Cloud oder AI heißt. Stattdessen:

  • Geschlossene Regelkreise mit Feedback aufbauen
  • Parameterbasiertes Design mit Spannbreiten nutzen
  • Planung an Ausführung ausrichten

Adaptiv. Strukturiert. Umsetzbar. Nur dann wird KI zur Substanz – und kein Show-Effekt.

Nur dann wird KI mehr als Slideware.

 

7. Die eigentliche Frage

Bevor gefragt wird, was KI für die Planung tun kann, sollten wir fragen: Was muss Planung sein, damit KI überhaupt Sinn ergibt? Denn Selbstheilung beginnt mit

  • Früherkennung,
  • Rekalibrierung und
  • struktureller Klarheit.

Und vor allem: mit dem Mut, Altes loszulassen und das System neu zu denken – von Grund auf.

Fazit

Die Vision selbstheilender Supply Chains klingt verlockend, bleibt in der Praxis jedoch oft Fassade. Solange Planung auf starren Legacy-Systemen, eingefrorenen Forecasts und menschlicher Improvisation basiert, kann KI keine nachhaltige Wirkung entfalten. Entscheidend ist nicht, ob eine Lösung AI-enabled genannt wird, sondern ob sie Feedback ermöglicht, Dynamik zulässt und Planung konsequent mit der Ausführung verbindet. Erst wenn diese Grundlagen geschaffen sind, wird aus technologischem Versprechen echte Resilienz.

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