Pressemitteilung

29 März 2022 Stuttgart, DE

DAX-Konzerne: Rekordumsatz und Gewinnverdopplung – aber ungewisse Aussichten

Stuttgart, 29.03.2022. Mit einem Umsatzwachstum von 14 Prozent und einem Gewinnplus von 122 Prozent haben die DAX-Konzerne das Jahr 2021 auf Rekordniveau abgeschlossen.

  • „  Der Gesamtumsatz der DAX-Unternehmen stieg 2021 um 14 Prozent
  • „  Gewinn mehr als verdoppelt: plus 122 Prozent
  • „  Die größten Umsatzzuwächse wurden in Asien verzeichnet
  • „  Volkswagen und Mercedes-Benz führen das Gewinnranking an

Mit einem Umsatzwachstum von 14 Prozent und einem Gewinnplus von 122 Prozent haben die DAX-Konzerne das Jahr 2021 auf Rekordniveau abgeschlossen.

Trotz der schon im vergangenen Jahr schwierigen Rahmenbedingungen – gestörte Lieferketten und Engpässe bei der Versorgung mit Halbleitern, Rohstoffen und Zulieferprodukten – übertrafen die DAX-Konzerne auch das Niveau des Vorkrisenjahres 2019: beim Gewinn um 62 Prozent, beim Umsatz immerhin um elf Prozent.

Bis auf ein Unternehmen legten alle DAX-Konzerne beim Umsatz gegenüber dem Vorjahr zu. Auch die Gewinnentwicklung war bei der großen Mehrheit der Unternehmen positiv: Nur vier Unternehmen verzeichneten einen gegenüber 2020 gesunkenen Gewinn.

Das sind Ergebnisse einer aktuellen Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY auf der Basis der Geschäfts- bzw. Quartalsberichte der derzeit im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen.

„Die Pandemie führte schon im vergangenen Jahr zu Dauerstress bei den Unternehmen, weil gestörte Lieferketten, Lieferengpässe und steigende Logistik- und Materialkosten gemanagt werden mussten. Dennoch konnten die meisten Top-Unternehmen Umsatz und Gewinn steigern – auch weil es vielfach gelang, gestiegene Kosten an die Kunden weiterzugeben“, sagt Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung bei EY.

Wie sich die Wirtschaftslage im Jahr 2022 entwickeln werde, sei allerdings derzeit völlig ungewiss, sagt Ahlers. Zwar führe die Pandemie nicht mehr zu derart gravierenden Beeinträchtigungen wie im Vorjahr. „Allerdings ist mit dem Krieg in der Ukraine ein neues Stadium der Unsicherheit und der geopolitischen Konfrontation erreicht worden, das alle bisherigen Konjunkturprognosen zu Makulatur werden lässt.“

Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine kaum absehbar

Absehbar sei allerdings, dass die neue geopolitische Situation langfristig erhebliche Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben werde, ergänzt Mathieu Meyer, Partner bei EY: “Deutschland als Industriestandort und Exportnation ist auf offene Märkte angewiesen und auf eine multilaterale Weltordnung, in der sich alle an vereinbarte Regeln halten. Der Freihandel, effiziente weltweite Lieferketten mit Just-in-Time-Lieferung und Produktionsverlagerungen in sogenannte Best-Cost-Countries brachten uns über Jahrzehnte enorme Wohlstandsgewinne. Deutschland war der Globalisierungsgewinner par excellence. Diese Logik wurde in den vergangenen Jahren auf eine harte Probe gestellt.“

Die Pandemie und der Ukraine-Konflikt hätten in den Chefetagen zu einem Umdenken geführt, so Ahlers: „Die Pandemie war der erste Schock, der unter anderem Lieferketten in bisher unbekanntem Ausmaß belastete, der Krieg in der Ukraine ist der zweite. Jetzt müssen die Unternehmen umsteuern und ihre Produktions- und Zuliefernetzwerke neu aufstellen, ihre Lieferketten diversifizieren. Das heißt auch: Aufträge werden an mehrere Unternehmen in unterschiedlichen Weltregionen vergeben, um in der Lage zu sein, den Ausfall eines Lieferanten durch Hochfahren der Produktion beim anderen auszugleichen. Das kostet Marge – aber es kann jetzt nicht mehr um maximale Kostenoptimierung gehen, heute steht Versorgungssicherheit im Vordergrund. Das wird allerdings dazu führen, dass die Wertschöpfung am Standort Deutschland tendenziell teurer wird.“

Asien als Umsatztreiber

Im vergangenen Jahr hat die internationale Aufstellung vieler Unternehmen das Umsatzwachstum beflügelt: Haupttreiber war das Geschäft in Asien, wo die Umsätze in Summe um 16 Prozent stiegen. In Nordamerika wurde ein Wachstum von 15 Prozent verzeichnet, in Europa lag der Gesamtumsatz um 10 Prozent höher als im Vorjahr.

„Gerade China ist und bleibt trotz schwieriger Rahmenbedingungen für viele deutsche Top-Konzerne ein enorm wichtiger Wachstumsmarkt“, sagt Ahlers. „Hier werden erhebliche Investitionen getätigt, und auch Forschung und Entwicklung findet immer stärker vor Ort statt. Unterm Strich hat der Standort Deutschland zumindest bisher vom starken Engagement deutscher Unternehmen im Reich der Mitte sehr profitiert – auch wenn die Risiken, die mit einer starken Abhängigkeit von einzelnen Absatzmärkten einher gehen, gestiegen sind.“

Autobauer mit den höchsten Gewinnen

Gewinnstärkstes Unternehmen war im vergangenen Jahr Volkswagen: Der Wolfsburger Autokonzern erwirtschaftete einen operativen Gewinn von
19,3 Milliarden Euro – doppelt so viel wie im Vorjahr. Mit einem Gewinn von 16 Milliarden Euro belegt Mercedes-Benz den zweiten Platz im Gewinnranking – vor dem Versicherungskonzern Allianz und dem Autobauer BMW (jeweils 13,4 Milliarden Euro).

Während Umsatz und Gewinn stark nach oben gingen, reichte es bei der Beschäftigung nur für ein leichtes Plus: Die Zahl der Mitarbeiter der DAX-Konzerne stieg im vergangenen Jahr um 1,6 Prozent auf 3,8 Millionen. Allerdings standen 23 Unternehmen mit steigender Beschäftigung 14 Unternehmen gegenüber, die eine rückläufige Zahl an Beschäftigten meldeten. Die übrigen Unternehmen machten keine entsprechenden Angaben und meldeten eine Mitarbeiterzahl auf Vorjahresniveau. „Große Sprünge sind bei der Mitarbeiterzahl derzeit unwahrscheinlich. Zum einen dürfte sich das Umsatzwachstum im laufenden Jahr deutlich verlangsamen, zum anderen sehen sich auch die DAX-Konzerne mit dem Fachkräftemangel konfrontiert, der es immer schwieriger macht, freiwerdende oder neu geschaffene Stellen zu besetzen,“ sagt Ahlers. 

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