Pressemitteilung

27 Juli 2022 Stuttgart, DE

Konsumenten in Deutschland machen sich große Sorgen wegen Krieg, Inflation und Klimawandel

Stuttgart, 27.07.2022. Viele Dinge, die wir für selbstverständlich hielten, wurden in den vergangenen zweieinhalb Jahren auf den Kopf gestellt. Auch Konsumverhalten und Kauferlebnisse der Kunden haben sich massiv verändert. So sagen drei von fünf Befragten (59 Prozent) in Deutschland, dass sie ein Produkt kaufen wollten, es aber nicht vorrätig war.

  • Hälfte der Befragten glaubt, dass sich die eigene Situation in Zukunft verschlechtern wird
  • Deutsche im internationalen Vergleich überdurchschnittlich pessimistisch
  • Immer mehr Konsumenten erleben Engpässe bei Produkten – Anteil steigt von 36 auf 59 Prozent
  • Hohe Bereitschaft bei Konsumenten in Deutschland zum Wechsel auf Eigenmarken – vor allem bei Lebensmitteln

Viele Dinge, die wir für selbstverständlich hielten, wurden in den vergangenen zweieinhalb Jahren auf den Kopf gestellt. Auch Konsumverhalten und Kauferlebnisse der Kunden haben sich massiv verändert. So sagen drei von fünf Befragten (59 Prozent) in Deutschland, dass sie ein Produkt kaufen wollten, es aber nicht vorrätig war. Im Februar dieses Jahres waren es dagegen nur 36 Prozent, die eine solche Situation erlebten. Damit entwickelt sich die Lage in Deutschland gegen den weltweiten Trend: Sagte im Februar weltweit noch jeder Zweite (50 Prozent), dass gewisse Produkte nicht vorrätig waren, ging dieser Anteil im Juni leicht zurück – auf 46 Prozent.  

Zur schwierigen Waren- und Versorgungslage kommen bei den Konsumenten in Deutschland Befürchtungen, wenn es um ihre Sicherheit geht: Fast alle Befragten haben aktuell Sorgen wegen internationaler Konflikte und Krieg (98 Prozent), steigenden Lebenshaltungskosten (97 Prozent) und dem Klimawandel sowie dessen Folgen (91 Prozent). Der Großteil ist dabei laut eigener Aussage sogar äußerst besorgt: 60 Prozent sagen dies in Bezug auf Krieg, 61 Prozent bezüglich steigender Lebenshaltungskosten und 48 Prozent sind es, wenn es um den Klimawandel geht. Im weltweiten Durchschnitt werden die steigenden Lebenshaltungskosten (57 Prozent) mit Abstand am häufigsten genannt, wenn es um äußerst große Sorgen geht. Dahinter folgen die wirtschaftliche Lage des Heimatlands (45 Prozent), internationale Konflikte, sowie der Klimawandel (beides 43 Prozent).

Allerdings: Geht es darum, die Folgen des Klimawandels durch persönliche Beiträge abzumildern oder sogar zurückzudrehen, liegen die Kunden in Deutschland im internationalen Vergleich in der Spitzengruppe. So geben 63 Prozent an, so viel Energie wie möglich zu sparen, um die Umwelt (aber natürlich auch den eigenen Geldbeutel) zu schonen. Weltweit sind es 47 Prozent. Fast ein Drittel der Befragten in Deutschland (29 Prozent) gibt außerdem an, auf Autofahrten zu verzichten und stattdessen lieber mit Bus, Bahn oder Fahrrad zu fahren. Weltweit sind es 22 Prozent.

Dies ergab der aktuelle EY Future Consumer Index. Es ist die zehnte Ausgabe der vierteljährlichen, weltweiten Umfrage unter mehr als 18.000 Verbrauchern. In Deutschland nahmen 1.000 Personen an der Umfrage teil. Sie wurde im Juni 2022 durchgeführt.

Michael Renz, Leiter des Bereichs Konsumgüter und Handel bei EY Deutschland: „Vor Corona hat sich kaum jemand vorstellen können, dass gewohnte und gewünschte Produkte nicht in den Regalen der Händler oder online zu finden sind. Von heute auf morgen horteten Kunden Klopapier und Sonnenblumenöl. Der Industrie fehlen essenzielle Produkte wie beispielsweise Halbleiter. Viele geopolitische Gewissheiten sind Geschichte, das führt zu Knappheiten – und diese lösen Unsicherheiten und Sorgen aus.“

Wunsch nach günstigen Alternativen wächst, Chance für Eigenmarken

Konsumenten in Deutschland rechnen damit, dass steigende Kosten für Strom, Gas und Wasser ihr Leben innerhalb des nächsten Jahres sehr stark beeinflussen werden. Zwei Drittel (67 Prozent) gab dies an – im weltweiten Vergleich waren es 59 Prozent. Auch den Preisanstieg bei den Lebensmitteln nehmen die Kunden in Deutschland (61 Prozent) stärker wahr als der globale Durchschnitt (56 Prozent).

Doch wie wirken sich diese Trends konkret auf das Kaufverhalten aus? Deutsche Kunden wenden sich vermehrt Eigenmarken zu – vor allem bei frischen (74 Prozent) und verarbeiteten (73 Prozent) Lebensmitteln besteht eine große Bereitschaft neue, günstigere Produkte auszuprobieren. Renz: „Vor allem bei Lebensmitteln haben Käufer den Wunsch nach günstigen Alternativen zu den herkömmlichen Markenprodukten. Ein Effekt, der durch die aktuelle Inflationswelle noch verstärkt wird. Viele Kunden müssen sich inzwischen ganz genau überlegen, was sie sich beim Einkauf noch leisten können – schaffen es die Supermärkte und Discounter hier qualitativ hochwertige Produkte zu niedrigeren Preisen anzubieten, ist das eine große Chance, um das eigene Markenprofil zu schärfen.“

Gegenwind für Bio-Produkte?

Welche Rolle der Preis spielt, zeigt sich auch bei nachhaltigen Produkten: Hohe Kosten sind der Hauptgrund, der Kunden in Deutschland bei Öko-Produkten abschreckt. Sieben von zehn Befragten (70 Prozent) sagen dies, etwas mehr als im internationalen Vergleich (67 Prozent). Außerdem nennen deutsche Konsumenten als weitere Begründung die vermeintlich schlechtere Qualität nachhaltiger Produkte (58 Prozent). Hierzulande hat aber auch mehr als jeder Dritte (38 Prozent) schlichtweg kein Interesse an umwelt- und klimafreundlichen Alternativen zu herkömmlichen Produkten. Weltweit ist es fast jeder zweite Kunde (43 Prozent). Renz: „Hochpreisige Bio-Produkte haben es bei den aktuellen Entwicklungen schwerer als vor der Pandemie. Der Preisunterschied zu Standard-Produkten ist hier zum Teil sehr groß. Wer jeden Euro zwei Mal umdrehen muss, wird sich den Griff zum Bio-Produkt ganz genau überlegen.“

Deutsche im weltweiten Vergleich überaus pessimistisch

Im globalen Vergleich wird außerdem deutlich: In Indien (76 Prozent) und China (62 Prozent) sagt die deutliche Mehrheit der Befragten, dass sich ihre Lage in den nächsten drei Jahren verbessern wird. Auch in den USA überwiegt der Anteil derer, die dies sagen. In Deutschland glaubt dagegen fast jeder Zweite (45 Prozent) das Gegenteil – und rechnet mit einer Verschlechterung seiner derzeitigen Lage. Auch unsere europäischen Nachbarn blicken weniger positiv in die Zukunft: In Großbritannien halten sich Optimisten und Pessimisten die Waage, in Italien gibt es 17 Prozent mehr Menschen, die sagen, dass sich ihre Situation im Gegensatz zu heute in drei Jahren verschlechtert haben wird als solche die glauben, dass es ihnen in drei Jahren besser geht. Am pessimistischsten sind unsere französischen Nachbarn: 57 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung ihrer persönlichen Situation, nur 15 mit einer Verbesserung.

Ähnlich sieht es beim Geld aus: Auch hier sind die Befragten in Indien (83 Prozent) und China (69 Prozent) zuversichtlich, dass sich ihre finanzielle Situation in den kommenden drei Jahren verbessern wird. Am unteren Ende stehen die Befragten in Deutschland – sowohl wenn es darum geht, ob sich ihre Situation verbessern wird – dies glauben nur 18 Prozent – als auch, wenn es darum geht, ob sich ihre Situation verschlechtern wird. Davon gehen immerhin 35 Prozent aus. Renz: „Die Verbraucher-Stimmung in Deutschland ist schlecht – und droht noch weiter abzurutschen. Schuld daran sind die aktuellen Krisen: Krieg in Europa, stark eingetrübte Konjunkturaussichten, rekordhohe Inflation. Und es ist mit weiteren schlechten Nachrichten zu rechnen, spätestens, wenn es im Herbst und Winter zur befürchteten Gasknappheit kommt.“

 

Die aktuelle Studie „Future Consumer Index“ können Sie hier kostenlos bestellen.

 

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