Pressemitteilung
18 Okt. 2026  | Stuttgart, Germany

Rekord bei E-Autos, aber deutsche Konzerne verlieren Marktanteile – jedes achte E-Auto kommt aus China

  • Marktanteil deutscher Konzerne im E-Auto-Segment fällt im dritten Quartal um zehn Prozentpunkte auf 50 Prozent – im September nur 47 Prozent
  • Chinesische Hersteller steigern Absatz um 168 Prozent
  • Leapmotor wächst unter den Top-10-Konzernen am stärksten
  • Skoda Elroq ist der Bestseller des dritten Quartals
  • Sorge vor Strohfeuer: Endet die Prämie, bricht die private Nachfrage ein – Hersteller stecken im Kapazitätsdilemma

Elektroprämie und hohe Spritpreise haben den deutschen E-Auto-Markt im dritten Quartal auf Rekordkurs gebracht – doch die Gewinner sitzen vor allem im Ausland. Mit 236.000 Neuzulassungen und einem Plus von 77 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum kamen so viele Elektroautos neu auf die Straße wie nie zuvor in einem Quartal. Die deutschen Konzerne wuchsen mit 47 Prozent allerdings deutlich langsamer als der Markt: Ihr Marktanteil sackte binnen eines Jahres um zehn Prozentpunkte von 60,5 auf 50,2 Prozent ab.

Der Abwärtstrend der deutschen Hersteller zieht sich dabei durch das gesamte Jahr: Im Januar lag ihr Marktanteil im Elektrosegment noch bei 61 Prozent, im September nur noch bei 47 Prozent.

Größter Profiteur sind die chinesischen Autobauer. Sie steigerten ihren Absatz um 168 Prozent und bauten ihren Marktanteil von 8,0 auf 13,5 Prozent aus – etwa jedes achte neue Elektroauto in Deutschland stammt damit inzwischen von einem chinesischen Konzern. Aber auch andere ausländische Hersteller ziehen in punkto Wachstumsdynamik an den deutschen vorbei: Stellantis etwa hat seinen E-Auto-Absatz mit einem Plus von 94 Prozent fast verdoppelt, Tesla konnte den Absatz um 168 Prozent steigern, die Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi legte sogar um 252 Prozent zu. Von den deutschen Konzernen entwickelte sich nur Mercedes-Benz (plus 105 Prozent) besser als der Gesamtmarkt und gewann Marktanteile.

Das zeigt eine aktuelle Analyse von EY auf Basis der Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA).

„Die hohen Spritpreise bringen immer mehr Autofahrer zum Umdenken – und die Kaufprämie wirkt wie ein Turbo“, sagt Constantin M. Gall, Global Aerospace, Defence and Mobility Industry Practice Leader bei EY. „Der Elektroanteil am Neuwagenmarkt ist binnen eines Jahres um zehn Prozentpunkte nach oben geschossen, nie zuvor wurden in Deutschland in einem Quartal so viele E-Autos zugelassen. Die Förderung zeigt eindeutig Wirkung.“

An der Spitze des Konzernrankings steht dennoch unangefochten Volkswagen mit knapp 74.000 Elektro-Neuzulassungen (plus 37 Prozent), gefolgt von BMW (plus 43 Prozent) und Stellantis (plus 94 Prozent).

Den Hauptgrund für den Vormarsch der ausländischen Konkurrenz sieht Gall in Preis und Angebot: „Unterhalb von 25.000 Euro sind die deutschen Hersteller praktisch nicht vertreten – genau dort bieten vor allem chinesische Anbieter inzwischen E-Autos mit ordentlicher Technik an. Und dort sitzt die Kernzielgruppe der Förderung: preisbewusste Käufer mit kleinerem Einkommen, für die der Zuschuss oft den Ausschlag gibt.“ Sein Fazit: „Mit der Elektroprämie sorgen wir für einen Absatzboom gerade bei elektrischen Kleinwagen, aber wir finanzieren gleichzeitig auch das Wachstum ausländischer Marken auf dem deutschen Markt.“

Bemerkenswert ist der Erfolg der chinesischen Hersteller auch deshalb, weil viele deutsche Neuwagenkäufer chinesischen Marken bislang überwiegend noch skeptisch gegenüberstehen, beobachtet Jan Sieper, Partner Automotive bei EY-Parthenon. „Neue Automarken hatten es in Deutschland traditionell schwer. Die Kunden waren ihren Marken treu – davon haben vor allem die deutschen Hersteller profitiert“, sagt Sieper. „Mit dem Wechsel auf E-Autos und der Offensive aus China gerät diese Regel ins Wanken. Die chinesischen Autobauer investieren massiv in ihren Markteintritt: in Fahrzeuge mit teils beeindruckender Technik zu sehr attraktiven Preisen, in ein flächendeckendes Vertriebs- und Servicenetz und zunehmend in Vertriebskooperationen mit etablierten westlichen Partnern.“

Sieper rechnet daher mit weiter steigenden Marktanteilen der chinesischen Hersteller: „Die etablierten Autokonzerne müssen sich auf einen dauerhaft verschärften Wettbewerb einstellen, denn die chinesischen Konzerne sind gekommen, um zu bleiben. Für die Kunden ist das allerdings eine gute Nachricht: Das Innovationstempo bleibt hoch, und der Preiskampf geht weiter.“

Boom auf Zeit: Hersteller in der Zwickmühle

Wie stark die Prämie vor allem private Käufer mobilisiert, zeigen aktuelle KBA-Daten: Im Juli und August – Zahlen für September liegen noch nicht vor – haben sich die Elektro-Neuzulassungen auf Privatpersonen mehr als verdoppelt (plus 102 Prozent), die auf Unternehmen (ohne Autohersteller, -händler und Vermieter) stiegen dagegen nur um 20 Prozent.

Gall sieht ein Problem: „Das Wachstum auf dem Elektromarkt ist zu einem großen Teil mit Steuergeld gekauft – und das Budget ist endlich. Angesichts leerer Kassen und Sparrunden in anderen Bereichen ist eine Verlängerung der Prämie weder wahrscheinlich noch vermittelbar. Die Prämie sorgt für vorgezogene Käufe, die dann später fehlen. Sobald die Förderung ausläuft, wird die private Nachfrage einbrechen – das haben wir bei früheren Förderprogrammen schon erlebt.“

Für die Autobauer wird der Prämienboom damit zur strategischen Zwickmühle, sagt Gall: „Sollen die Hersteller ihre Elektro-Kapazitäten hochfahren und auf dauerhaft deutlich stärkeres Wachstum setzen – mit dem Risiko, nach dem Auslaufen der Förderung auf teuren Überkapazitäten sitzen zu bleiben? Oder bleiben sie zurückhaltend und nehmen in Kauf, dass Kunden lange auf ihr Auto warten müssen oder gleich zu einer Marke wechseln, die sofort liefern kann? Gerade für die deutschen Hersteller, die ohnehin aktuell Marktanteile verlieren, ist das ein gefährliches Spiel. Denn wer einmal die Marke gewechselt hat, kommt so schnell nicht zurück.“

Stabiler schätzt Sieper das Geschäft mit Firmenkunden ein: „Bei den Dienstwagen liegen die deutschen Hersteller weiterhin klar vorn, und gerade ihre neuen Modelle kommen dort sehr gut an. Von der weiteren Elektrifizierung der Firmenflotten dürften vor allem die deutschen Autobauer profitieren. Und dieser Markt bricht auch dann nicht weg, wenn die Prämie ausläuft. Das Premiumsegment ist daher aktuell weniger gefährdet als das Volumensegment“.

Modellranking: Deutsche Konzerne dominieren die Spitze

Bei den Bestseller-Modellen geben die deutschen Konzerne weiter den Ton an: Von den 15 meistzugelassenen Elektroautos des dritten Quartals stammen 12 von deutschen Konzernen. Daneben schafft es nur Tesla mit dem Model Y (Rang 2) und dem Model 3 (Rang 8) und Citroen mit dem e-C3 in diese Spitzengruppe. Am besten verkaufte sich der Skoda Elroq mit 10.761 Neuzulassungen, vor dem Tesla Model Y (9.763) und dem VW ID.4/5 (8.225). Erfolgreichstes chinesisches Modell war der Leapmotor T03 mit 3.064 Neuzulassungen auf Rang 26.

Neuzugänge schicken sich an, die Bestseller-Liste aufzumischen: Gleich vier Modelle, die erst in den vergangenen zwölf Monaten auf den Markt kamen, stoßen aus dem Stand in die Top-20-Spitzengruppe vor: der Mercedes GLC (Rang 11), der Cupra Raval (15), der Renault Twingo (19) und der BMW iX3 (20).

Sowohl im oberen als auch im Einstiegssegment ist aber aktuell viel in Bewegung, sagt Sieper: „Derzeit sehen wir sehr attraktive neue Modelle sowohl im Premiumsegment als auch im niedrigeren Preissegment. Die deutsche Autoindustrie zieht gerade nach und bringt neue Kleinwagenmodelle auf den Markt, so dass man auch Kunden mit kleinerem Budget ein Angebot machen kann. Sowohl die Verkaufs- als auch die Bestellzahlen zeigen, dass das Interesse an diesen neuen und attraktiven elektrischen Kleinwagen deutscher Hersteller groß ist. Gut, dass die deutschen Autobauer dieses Segment nicht kampflos der Konkurrenz überlassen.“

Marken: Volkswagen bleibt vorn

Im Markenranking verteidigt Volkswagen mit rund 26.500 neu zugelassenen Elektroautos Platz eins – trotz eines relativ geringen Wachstums von 13 Prozent. Dahinter folgen Skoda (plus 59 Prozent) und BMW (plus 53 Prozent). Die erfolgreichste chinesische Marke waren im dritten Quartal Leapmotor auf Rang 12 und BYD (14) und MG Roewe (16).

 

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