7 Minuten Lesezeit 20 Februar 2019
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Klartext: Wie machen wir die Ergebnisse eines Unternehmens transparent messbar?

Von

EY Global

Multidisciplinary professional services organization

7 Minuten Lesezeit 20 Februar 2019

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Das Konzept der Ergebnismessung ist im Grunde simpel: In einer komplexen Welt müssen Unternehmen verstehen lernen, wie sie Werte schaffen.

Es gibt unterschiedliche Parameter, um den Wert eines Unternehmens zu bestimmen. Dazu zählen unter anderem folgende Kategorien: der Langzeitwert (Long-Term Value; LTV), das Integrierte Reporting, die sechs Kapitalbereiche (Finanzen, Produktion, Menschen, Soziales und Beziehungen, geistiges Eigentum, Naturkapital), das Erweiterte Reporting sowie die gemeinsame Wertschöpfung.

Zwischen diesen Kategorien gibt es zahlreiche Überschneidungen. Eine zentrale Gemeinsamkeit ist, dass sie Unternehmensergebnisse unter einer breit angelegten Perspektive messen.

Was ist überhaupt Ergebnismessung, und warum verdient sie so viel Aufmerksamkeit?

Das Konzept hinter der Ergebnismessung ist leicht verständlich: In einer komplexen Welt müssen Unternehmen lernen und verstehen, wie sie Werte für Stakeholder und die Gesellschaft im Allgemeinen generieren. Nur so können sie eine tragfähige, langfristige Strategie entwickeln, die letztlich ihre Existenz sichert.

Die Ergebnismessung zeigt, dass Wertschöpfung nicht mit Erlösen aus dem finanziellen und materiellen (Kapital-)Einsatz gleichzusetzen ist. Denn bei der Ergebnismessung wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass nicht monetäre Kapitalformen wie Sozial-, Human-, Natur- und intellektuelles Kapital ebenso wichtig für den langfristigen Unternehmenserfolg sind. Jedoch lassen sie sich kaum oder gar nicht in Zahlen erfassen.

Da diese Kapitalformen häufig unsichtbar bleiben, besteht das Risiko, dass Unternehmen und ihre Stakeholder keine adäquate Entscheidungsbasis haben, um entsprechende Wertschöpfungsrisiken zu minimieren. Dank des Engagements aller EY-Partner für unser Ziel, die Wirtschaftswelt von morgen nachhaltig mitzugestalten, konnten wir aus direkter Nähe beobachten, wie die Beurteilung von nicht monetären Werten entsteht. Dadurch ist es uns gelungen, frühzeitig eine entsprechende Infrastruktur auf den Weg zu bringen, die die komplexe Wertbeurteilung auf mehreren Ebenen unterstützen kann: 

  1. Wir haben ein Messcluster anhand typischer Ergebnisse erarbeitet, das wir kontinuierlich weiterentwickeln.
  2. Wir verfügen über ganzheitlich abgestimmte Methoden zur Ergebnismessung.
  3. Wir haben typische finanzielle Stellvertreterwerte identifiziert, die helfen, den Wert der gemessenen Ergebnisse zu beurteilen.
cutting through the noise of outcomes measurement

Früher konzentrierten sich Unternehmen und Investoren ausschließlich auf die finanzielle Wertschöpfung, während sich Regierungen und NGOs stark auf soziale und umweltbezogene Faktoren fokussierten. Die ökonomischen Bedingungen haben sich jedoch inzwischen gewandelt; Ressourcen werden neu geordnet.

Unternehmen und Wirtschaftsorganisationen haben die Kunst des finanzorientierten Leistungsmanagements kontinuierlich optimiert. Doch seit etwa zehn Jahren wird dieser eindimensionale Blick auf die Identifikation von Werten infrage gestellt. Immer mehr Unternehmen mit einem klaren Organisationszweck sehen sich in der Annahme bestätigt, dass „unsichtbare“ Werte, die durch nicht finanzielle Bewertungsmethoden definiert werden, maßgeblich zu ihrem Erfolg beitragen. Dafür braucht es spezifische Leistungsbewertungsmodelle und Reporting-Rahmenpläne. Diese wegweisenden Unternehmen, die von Disruptoren geführt werden, sind kurz davor, die Ergebnismessung zur Standardmethode im Management zu machen.

Was bedeutet „Ergebnismessung“ in diesem Zusammenhang? Grundsätzlich bezieht sich der Begriff auf den Unterschied, den eine Maßnahme, ein Programm oder ein Unternehmen für Stakeholder bewirkt. Die Messung zeigt auf, ob Maßnahmen und Programme eine tief greifende Auswirkung haben oder nicht. Sie gibt den Unternehmen Aufschluss darüber, welche Aktivitäten (nicht) funktionieren. 

Wie Ergebnismessung aktuell eingesetzt wird

Die Ergebnismessung erregt immer mehr Aufmerksamkeit und weckt Interesse in Unternehmen wie NGOs, bei Investoren, Regierungen und Sozialunternehmen.

Die Relevanz dieses Themas ist inzwischen bekannt, wobei grundsätzlich zwei Trends zu beobachten sind: die Diskussion um die Begriffe „Unternehmenszweck“ und „gemeinsame Wertschöpfung“ einerseits sowie andererseits die zunehmende Konvergenz globaler Reporting-Standards. Einen wichtigen Anteil an der Expansion der Ergebnismessung haben Veränderungen im Berichtswesen, die dafür sorgen, dass Unternehmen sukzessive auch andere Kapital- und Wertkategorien miteinbeziehen.

Zudem müssen sich Unternehmen vor dem Gesetz für ihre Ergebnisse und die Auswirkungen ihres Handelns verantworten. Für diese Rechenschaftspflicht gibt es neue Bewertungsmodelle, die vorrangig dazu genutzt werden, ehemals unsichtbare Vermögenswerte messbar zu machen. Mit diesen Werten lassen sich innovative Investitionsmodelle rentabel gestalten. Die Zeit ist reif, für einen Marktansatz, der sich auf Ergebnisse konzentriert. Den Beweis liefern diverse Entwicklungen, wie beispielsweise das Aufkommen neuer, konvergenter Organisationsmodelle, die Expansion von Unternehmenszweckagenden, der Reifegrad von Ergebnismessungen sowie die immer lauter werdende Forderung der Kapitalmärkte nach einer breiteren Definition der Kapitalleistung.

Da das Interesse an Ergebnismessung steigt, setzen immer mehr Organisationen systematische Rahmenwerke zur Ergebnismessung ihrer Strukturen und Finanzierungsprogramme um. Doch dabei bleibt es nicht. Im zweiten Schritt nutzen sie die gewonnenen Informationen aus ihrer Ergebnismessung zunehmend zur Strategieentwicklung und Leistungsverbesserung.

Die internationale Entwicklungshilfe setzt die Prinzipien der Ergebnismessung bereits seit Jahren ein, um Programme zu entwickeln, umzusetzen und zu evaluieren. Auch Regierungen verlassen sich zunehmend auf den Ergebnisansatz, um öffentliche Ausgaben zu evaluieren, mehr Transparenz zu generieren und höhere Gewinne zu erzielen.

Lediglich die Unternehmenswelt fängt gerade erst an, Methoden der Ergebnismessung zu implementieren – und das gilt für Unternehmen aller Größen und Branchen. Sie wollen tiefer gehende Analysen nutzen, um Werttreiber zu identifizieren und verlässliche Entscheidungen zu treffen.

Wie sich Ergebnismessung künftig auswirken und entwickeln kann

Ergebnismessung wird die Investoreneinstellung zunehmend beeinflussen.

Die Natur der Wertdefinition hat sich verändert. Etwa in der Entwicklungshilfebranche sind „unsichtbare“ Werte bereits seit Langem anerkannt und werden messbar gemacht. Da auch der Marktwert heutzutage hauptsächlich aus nicht unmittelbar greifbaren Werten besteht, muss das unternehmerische Berichtswesen erst einmal zu dieser Erkenntnis aufschließen und traditionelle Kennzahlen infrage stellen. So beweisen Unternehmen ihren Investoren, dass sie in widerstandsfähige, zweckorientierte Organisationen investieren. Eine Definitions- und Bewertungslücke zwischen kurzfristigen kommerziellen Entscheidungen und den gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Entscheidungen wird nicht mehr akzeptiert.

Konsumenten und Regulierer strafen jene ab, die soziale oder umweltbezogene Werte außer Acht lassen. Andererseits belohnen Investoren diejenigen, die glaubhafte Ergebnisdaten zur Verfügung stellen. Denn mit diesen Daten beweisen Unternehmen, dass sie Nachhaltigkeitsrisiken beachten und Wertsteigerung nicht durch die Dezimierung, sondern durch die Stärkung menschlicher wie natürlicher Ressourcen erreichen.

Vorerst wird es keine Vereinheitlichung der Elemente von Ergebnismessung geben.

Im Zuge der branchenübergreifenden Beschäftigung mit Ergebnismessung sind unterschiedliche Perspektiven und Ansätze entstanden. Das macht es für Unternehmen zunehmend schwer, den passenden Messansatz für sich zu identifizieren. Deshalb warten zahlreiche Unternehmen, bis sich ein fester Standard etabliert hat.

An dieser Situation wird sich in naher Zukunft wenig ändern. Die finanzielle Buchführung hat sich weiterentwickelt und setzt nach Jahrzehnten der Optimierung nun auf eine mehr oder weniger standardisierte Methode. Die Ergebnismessung befindet sich im Vergleich dazu noch in den Kinderschuhen. Entwicklungszyklen im digitalen Zeitalter werden immer kürzer, neue Verfahren etablieren sich exponentiell zu neuen Technologien.

In dieser Zeit des raschen Wandels haben Erstanwender mit ihrer Ergebnismessung einen Wettbewerbsvorteil, da sie die zukünftige Entwicklung dieser Methode mitgestalten und außerdem frühzeitig eine entsprechende Unternehmenskultur aufbauen können. Diese Kultur erlaubt es ihnen, schnell und proaktiv auf die neuen Herausforderungen und Chancen zu reagieren.

Unterschiedliche Rahmenwerke haben gemeinsame Elemente: Unternehmen können jetzt mit Ergebnismessung starten.

Das Konzept der Ergebnismessung ist nicht neu. Ihre Ursprünge gehen auf Logikmodelle und die Theory of Change zurück, die erstmals in den 1950er-Jahren von der United States Agency for International Development (USAID) angewandt wurden. Aber die „wirkliche“ Zeit der Ergebnismessung ist erst jetzt gekommen. Dabei sind die Ansätze von Logikmodellen, die vor mehr als 50 Jahren verwendet wurden, noch heute Bestandteil relevanter Modelle. Auch wenn sie sich in Details unterscheiden, bleibt die fundamentale Funktionsweise gleich. Unternehmen können deshalb problemlos mit Probeläufen beginnen und den für sie besten Rahmenplan übernehmen. So sind sie ihrem Wettbewerb einen wesentlichen Schritt voraus.

Die Ergebnismessung kommt, um zu bleiben.

Die Wirtschaftswelt hat sich in der kurzen Zeit seit der Jahrtausendwende stark verändert. Das zeigt sich schon allein an der zunehmenden Bedeutung der unsichtbaren Aspekte eines Geschäftsmodells. Auch die technologischen Revolutionen sprechen dafür – Beispiele sind das Internet der Dinge oder die Expansion von Big Data. Gleichzeitig nehmen aber auch Vertrauens- und Kontrollprobleme zu. Aspekte wie Fairness und Gleichheit stehen allenthalben zur Debatte. Die Einkommensschere geht immer weiter auseinander. Es gibt soziale Krisen und politische Auseinandersetzungen.

Heute existieren verschiedene Maßnahmen, mit denen Unternehmen das Projekt Ergebnismessung angehen können. Immer mehr Unternehmen entwickeln eine integrierte Vorstellung von Wertschöpfung und beziehen dabei sowohl die gemeinsame Wertschöpfung als auch externe Faktoren ein. Um ein ganzheitliches Verständnis ihres eigenen Einflusses zu entwickeln, sollten sich Unternehmen zunächst in die Lage versetzen, die gemeinsame Wertschöpfung und alle von ihr verursachten Auswirkungen zu messen. In diesem Zusammenhang arbeiten bereits zahlreiche Unternehmen an umweltbezogenen und sozialen Gewinn-und-Verlust-Rechnungen sowie an integrierten Gewinn-und-Verlust-Rechnungen.

 

Fazit

Unternehmen entwickeln eine integrierte Vorstellung von Wertschöpfung und beziehen dabei sowohl die gemeinsame Wertschöpfung als auch externe Faktoren ein.

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