4 Minuten Lesezeit 17 September 2021
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PLM 4.0: Wie Digitalisierung Product Lifecycle Management erleichtert

Autoren
Martin Neuhold

EY Europe West Advanced Manufacturing and Supply Chain & Operations Leader

Stößt mit Herz und Verstand nachhaltige Veränderungen an, hilft Menschen und Organisationen dabei, zu gewinnen. Lebt mit seiner Familie im Schwarzwald und fährt dort gerne Mountainbike.

Thomas Pyschny

EY Global Capability Leader

Supporting clients in navigating the challenges from idea to launch to success

Andreas Welz

Director Business Consulting, Ernst Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft | Deutschland

Über 30 Jahre Management- und Beratungserfahrung in verschiedenen Industriebereichen wie Aerospace, Mess- & Regeltechnik, Healthcare, eBusiness, Telekommunikation und Automotive.

4 Minuten Lesezeit 17 September 2021

Neue Produkte, neue Prozesse: Digitale Angebote bieten Potenziale – doch Unternehmen müssen sich anpassen, wenn sie künftig Erfolg wollen.

Überblick
  • Die Digitalisierung verändert Prozesse im Unternehmen und sie schafft neue Produkte.
  • Kürzere Intervalle und intensivere Zusammenarbeit prägen das Management von Produktlebenszyklen. 
  • PLM 4.0 berücksichtigt diese Veränderungen und schafft einen „Digital Thread“.

Egal ob marktführende Premiumautos oder Hightech-Maschinen in Fabriken: Deutsche Ingenieurskunst genießt weltweit einen hervorragenden Ruf. Doch Automobile und Maschinenbau sind nur zwei Branchen, die aktuell eine Zeitenwende erleben.

Im Automobilsektor ist die Zeit vorbei, in der es nur um den Verkauf von Fahrzeugen ging. Gerade die Elektromobilität treibt den Umstieg zu mehr Software voran. Die Konsequenz daraus ist eine andere Art der Ideenfindung basierend auf agilen Methoden, die gemeinsam mit Programmierern sowie externen Zulieferern stattfindet. Die entstehenden Produkte wiederum erzeugen Daten und liefern Rückmeldungen, die in den Entstehungsprozess neuer Angebote einfließen. Somit ergeben sich geschlossene Kreisläufe. Ein Beispiel für solch neue Produkte sind günstige Ladeschemata für E-Autos. Im Maschinenbau verlagert sich zudem vieles ins Virtuelle. Dort lassen sich nämlich ganz einfach Optionen durchspielen: Digitale Zwillinge („Digital Twins“) sind eine etablierte Methode, um Produkte zu simulieren beziehungsweise Veränderungen an Maschinen und Produktionsprozessen durchzurechnen, bevor in der realen Fabrik etwas verändert wird. Überlastungen an Maschinen fallen früher auf oder ihnen kann durch frühzeitige Wartung oder Austausch vorgebeugt werden.

Hier zeigt sich, was Digitalisierung praktisch heißt: Zum einen entstehen komplett neue digitale Geschäftsmodelle, zum anderen werden bestehende Geschäftspraktiken durch das Digitale entschieden beeinflusst.

Große Digital-Herausforderungen in der Industrie

Unternehmen müssen ihre Strategien und das operative Handeln an elementare Veränderungen durch das Digitale anpassen – und brauchen damit auch überarbeitete Methoden zur Steuerung der Geschäftsmodelle. Vier Beispiele:

  1. Neue Wertversprechen für Kunden: Konventionelle Geschäftsmodelle in Industrieunternehmen sind zu langsam und liefern zu wenig individuell anpassbaren Nutzen für die Kunden – Wettbewerbsfähigkeit geht verloren.
  2. Veränderung durch digitale Geschäftsmodelle: Die Digitalisierung ermöglicht Organisationen neue Geschäftsmodelle, weg von der Produktorientierung, hin zur Lösungsorientierung mit ihren neuen Umsatzpotenzialen. Dafür müssen Daten gesammelt, analysiert und das gewonnene Wissen genutzt werden.
  3. Kundenzentrierte Markteinführung: Industrieunternehmen müssen ihre Strategien zur Markteinführung stärker mit aktueller Technologie verbinden, um das Kundenerlebnis zu verbessern und die Zufriedenheit der Käufer zu steigern.
  4. Innovationen bei Produkten und Dienstleistungen: Megatrends wie Internet of Things und Blockchain-Technologie verändern das Angebot und damit auch die Produzierenden. Sie müssen lernen, ihre physischen Produkte und Dienstleistungen im Digitalen abzubilden.

Diese Auflistung zeigt, welche umwälzenden Veränderungen aktuell allein schon Produktentwicklung und Markteinführung prägen. Das Steuern von Produktlebenszyklen muss sich an diese Veränderungen anpassen. Es braucht ein Steuerungssystem, das in der Lage ist, sowohl die neuen digitalen Methoden als auch die neuen digitalen Produkte für Endkunden abzubilden.

Innovation verbessern und schneller agieren mit neuem PLM

Diese neue Form des Product Lifecycle Management (PLM, dt. Produktlebenszyklusmanagement) bildet andere Elemente als früher ab und verbindet sie, oft stark geprägt von den zusätzlichen Möglichkeiten der Datensammlung und -anwendung.

Die ständigen Veränderungen im Markt sowie der Trend zu immer mehr Daten geben vor, dass auch ein digitales PLM 4.0 flexibel sein muss: Gelungene Ansätze sollten industriespezifische End-to-End-Lebenszyklen komplett abbilden und gleichzeitig mit PLM-Methoden und IT-Tools an individuelle Herausforderungen anpassbar sein. Das gilt für den gesamten Ablauf, von der Ideenfindung, über die Produktbeschreibung, bis hin zum Regelbetrieb und dem Service beziehungsweise dem Produkt Recycling.

Hier hilft die Digitalisierung: Denn Daten liefern sowohl die Kunden, beispielsweise durch vernetzte Produkte, als auch vor- und nachgelagerte Partner der Wertschöpfungskette, unter anderem mit Smart Manufacturing oder neuen Netzwerken. So entsteht wiederum eine neue Herausforderung: Wer Daten nicht klug steuert, überfordert Systeme und Prozesse – wer aber Daten smart einsetzt, verschafft sich wichtige Vorteile gegenüber Wettbewerbern und erzeugt Wertschöpfungspotenziale.

Auf dem Weg zu einem ganzheitlichen Steuerungssystem

Statt Insellösungen braucht es im Unternehmen Systeme, die teils hochkomplexe Verbindungen abbilden – statt nur um „Digital Twins“ geht es um einen „roten Faden“, der alles miteinander verbindet: der „Digital Thread“. Dieses Denken durchzieht die gesamte Prozesskette und viele Unternehmensfunktionen. 

Statt Insellösungen braucht es im Unternehmen verbundene Systeme, die hochkomplexe Prozessschritte und Tools wie „Digital Twins“ zusammenbringen. Die einzelnen Elemente werden durch einen „roten Faden“ verbunden: der „Digital Thread“.

Nur ein systematischer Ansatz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg lässt einen solchen „Digitalen Faden“ stark werden: Zunächst hilft ein „NorthStar“-Modell bei der Identifikation von Elementen, die kurz-, mittel- und langfristig auf die Unternehmensvision hinarbeiten. Aus der Unternehmensstrategie wird dann eine integrierte Strategie für das Steuern der Produktlebenszyklen abgeleitet. Die verschiedenen Dimensionen dieser Strategie werden schließlich auf kleine Projekte mit geringen Risiken heruntergebrochen, so dass eine „Transformation Roadmap“ entsteht. Diese berücksichtigt sowohl die neuen Potenziale als auch interne Abhängigkeiten und Abgrenzungen von anderen Unternehmensprojekten. Verbunden mit Change-Management-Methoden werden diese kleineren Pakete nach und nach umgesetzt. 

Eine einheitliche Plattform verschafft Überblick

EY LION ist EY‘s digitale Product Lifecycle Management Framework. Mit agilen Methoden hilft es komplexe Marktanforderungen besser zu steuern, das Portfolio effektive zu priorisieren und eine geschlossene Prozess- und Datenkette entlang von Standard PLM-Tools zu erzeugen. Wo es früher Prozesslücken zwischen Bausteinen, einzelnen Prozessschritten und „Digitalen Twins“ gab, ist eine solche Plattform in der Lage, diese Elemente zu verbinden. Das Ergebnis ist ein Lösungsweg, der die vielen und oft etwas überwältigenden Herausforderungen durch die Digitalisierung darstellt, verbindet und ganzheitlich steuert.

Fazit

Die Digitalisierung stellt das Management von Produktlebenszyklen vor neue Chancen und Herausforderungen. Die Zusammenarbeit mit Kunden wird schon bei der Ideengenerierung intensiver. Komplexe Daten aus Quellen bei Lieferanten und Kunden schaffen neue Potenziale und die Zeitspannen zur Markteinführung werden immer kürzer.

Abgeleitet aus der Unternehmensvision braucht es ein angepasstes Steuerungssystem, PLM 4.0: Neue Produkte und Systeme verbinden dabei bisherige Insellösungen und schaffen einen „roten Faden“, den „Digital Thread“.

Über diesen Artikel

Autoren
Martin Neuhold

EY Europe West Advanced Manufacturing and Supply Chain & Operations Leader

Stößt mit Herz und Verstand nachhaltige Veränderungen an, hilft Menschen und Organisationen dabei, zu gewinnen. Lebt mit seiner Familie im Schwarzwald und fährt dort gerne Mountainbike.

Thomas Pyschny

EY Global Capability Leader

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Andreas Welz

Director Business Consulting, Ernst Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft | Deutschland

Über 30 Jahre Management- und Beratungserfahrung in verschiedenen Industriebereichen wie Aerospace, Mess- & Regeltechnik, Healthcare, eBusiness, Telekommunikation und Automotive.