4 Minuten Lesezeit 28 Februar 2017
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Was Finanzchefs für ein dynamisches Berichtswesen brauchen

Von

Peter Wollmert

Leiter Financial Accounting Advisory I Global

Fördert Qualität und Effektivität in der Unternehmensberichterstattung und Prüfung. Fürsprecher für die Zukunft der Wirtschaftsprüfung. Leidenschaftlicher Läufer und Taucher.

4 Minuten Lesezeit 28 Februar 2017

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Innovative Technologien und moderne Geschäftsmodelle bereiten den Weg für eine Berichterstattung, die der schnelllebigen Welt von heute gerecht wird.

In den unsteten Zeiten der modernen Finanzberichterstattung ist Geschwindigkeit der Schlüssel zum Erfolg. Schnellstmöglich sollen immer mehr und immer kurzlebigere Daten verarbeitet werden. Die Erwartungen an Reporting-Teams sind entsprechend hoch: Binnen kürzester Zeit sollen sie faktenbasierte, zukunftsorientierte Informationen in höchster Qualität und Genauigkeit vorlegen.

Eine solch schnelle und flexible Berichterstattung stellt viele Unternehmen vor eine große Herausforderung. Oftmals scheitern sie an unzureichend vernetzten Technologien. Diese machen es schwierig, große Datensets zu sammeln und zu analysieren. Hinzu kommen umständliche Berichtsprozesse, die zu unnötig langen Reaktionszeiten führen.

Welch starken Einfluss die raschen technologischen Veränderungen haben, zeigt die Studie „Wie kann das Berichtswesen mit der schnelllebigen Welt Schritt halten?“, in der EY die Ansichten von 1.000 CFOs und Finanzcontrollern großer Unternehmen zusammenstellte. Auf die Frage, was die größten externen Herausforderungen in der Finanzberichterstattung seien, nannten die Befragten als wichtigstes Thema „technologische Veränderungen“.

Dreißig Prozent der Befragten gaben an, dass diese einen Grund zur Sorge bereiten. Nur 25 Prozent nannten dagegen Marktentwicklungen, 23 Prozent rechtliche Themen, und ebenso viele sorgten sich um Compliance im Hinblick auf nationale und internationale Standards.

Ein komplexes Umfeld

Reporting-Teams sind inzwischen weit mehr als nur Datenlieferanten. Sie sollen Informationen im Detail analysieren und aus großen, änderungsanfälligen und umfassenden Datensets Schlüsse ziehen. Gleichzeitig müssen sie den Schutz und die Sicherheit der Daten im Auge behalten, denn die Kosten möglicher Verstöße stellen hier ein erhebliches Risiko dar.

Das Umfeld der Finanzchefs wird zunehmend komplexer. Dies erfordert, sich rechtzeitig auf künftige Entwicklungen vorzubereiten. Alle Unternehmen kämpfen mit massiven Veränderungen. Hierzu zählen die steigende Automatisierung, der Vorstoß intelligenter, vernetzter Geräte sowie der Bedarf an neuen Technologien und aufeinander abgestimmten Systemen. CFOs müssen sich daher besser für Industry 4.0 und die damit verbundenen bahnbrechenden Veränderungen wappnen.

Schauen wir uns die Herausforderungen moderner Unternehmen einmal genauer an: Viele Teams kämpfen oftmals mit schlecht vernetzten IT-Systemen. Hinzu kommt, dass automatisierte Prozesse oft Fehlanzeige sind, stattdessen ufert die Technologisierung häufig aus. Dies lässt sich mitunter anhand der steigenden Anforderungen im Reporting begründen, denn um diese zu erfüllen, braucht es häufig manuelle Notlösungen.

Führungskräfte müssen strategisch an die Personalsuche herangehen, denn neue Anforderungen rufen nach neuen Kompetenzen.

So müssen sie Mitarbeiter finden, die ihre Berichterstattung flexibler gestalten und neue Technologien gewinnbringend nutzen können. Unsere Studie zeigt, dass laufende Upgrades für die Finanzanalysetools im Unternehmens-Reporting absolute Priorität haben. 41 Prozent der Befragten stimmten dem zu. Nur 33 Prozent hingegen räumten der Effizienzsteigerung oberste Priorität ein und 31 Prozent dem steigenden Bedarf an schnellen und intelligenten Informationen.

Die Bedeutung von Systemen und Datentools zeigt sich auch in der Investmentplanung. 84 Prozent der weltweiten Unternehmen rechnen damit, in den kommenden zwei Jahren mehr in Reporting-Technologien zu investieren. Agile Technologien stehen dabei im Mittelpunkt. Besonders die Cloud ist hier ein gutes Beispiel. So ermöglicht diese, Unternehmen, rascher und intelligenter auf Technologieanforderungen und den stets wechselnden Unternehmensbedarf einzugehen. Gleichzeitig sollte man Themen wie intelligente Datensammlung, künstliche Intelligenz und Blockchain im Auge behalten.

Es fehlt an Know-how.

Die traditionellen Backoffice-Tätigkeiten im Reporting werden zunehmend automatisierten Prozessen weichen. Vollzeitmitarbeiter werden ihre bisherigen Aufgaben verlieren. Die Arbeit in den Backoffices von morgen werden vermehrt Roboter erledigen, damit sich Reporting-Experten auf andere Aufgaben wie Prognosen Predictive Analytics und die Betreuung der Stakeholder konzentrieren können.

Die Führungskräfte im Reporting müssen deshalb nach Mitarbeitern Ausschau halten, die die neuen Technologien beherrschen und die sie für eine noch innovativere Berichterstattung nutzen können. Unsere Umfrage zeigt jedoch, dass es an Personal mangelt, das entsprechendes technologisches Know-how und Datenkenntnisse mitbringt. Und das, obwohl die Nachfrage höher kaum sein könnte. IT-Infrastruktur-Kenntnisse stehen ganz hoch im Kurs und zählen zu dem am stärksten nachgefragten Fachwissen (36 Prozent), gefolgt von Finanzdatenanalysen (33 Prozent) und Geschäftsanalysen (27 Prozent).

Gefragt sind künftig die Mitarbeiter, denen es gelingt, das Berichtswesen flexibler zu gestalten und neue Technologien gewinnbringend einzusetzen. Eine gute Balance zwischen neuen Talenten und der Weiterentwicklung des bestehenden Personals ist hier der richtige Weg.

Über die personellen Veränderungen hinaus sind weitere Lösungswege denkbar. CFOs nutzen Shared Services und ausgelagerte Transaktionsprozesse bereits als festen Bestandteil neuer Geschäftsmodelle für die Finanzfunktion. CFOs arbeiten schon seit vielen Jahren an neuen Geschäftsmodellen für die Finanzfunktion und setzen zum Beispiel vermehrt auf Shared Services oder lagern Transaktionsprozesse aus. Auch die Berichterstellung soll immer öfter Teil solcher Arrangements werden.

In den kommenden zwei Jahren planen 55 Prozent der weltweiten Führungskräfte im Finanzbereich, verstärkt auf Outsourcing zu setzen, um das Berichtswesen zu unterstützen. CFOs in Unternehmensgruppen treiben diese Entwicklung besonders energisch voran und gehen von Zuwächsen bei Outsourcing (67 Prozent), Managed Services (63 Prozent), Shared Service Centers – sowohl regional als auch im nahe gelegenen Ausland – und zentralen Kompetenzzentren (58 Prozent) aus. 

Mit vollkommen neuen Betriebsmodellen lassen sich überflüssige Prozesse eliminieren, kritische Aufgaben effizienter gestalten, die globale Konsistenz steigern und mehr Arbeitsschritte automatisieren. Ziel ist eine möglichst flexible Reporting-Funktion. 

Die Berichterstattung der Zukunft wird mit der heutigen nicht mehr viel gemein haben. Sie wird intelligenter, hochautomatisiert, maßgeschneidert und zukunftsorientiert sein. CFOs können mit innovativen Technologien und anpassungsfähigen Betriebsmodellen die nötigen Prozesse für ein dynamisches Berichtswesen schaffen und so genau die Berichte liefern, die es in der schnelllebigen Welt von heute braucht.

Fazit

Peter Wollmert von EY fasst die Erkenntnisse der weltweiten EY-Umfrage unter Führungskräften im Finanzbereich zusammen und erklärt, wie innovative Technologien und moderne Betriebsmodelle ein neues Zeitalter des dynamischen Berichtwesens einläuten.

Über diesen Artikel

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Peter Wollmert

Leiter Financial Accounting Advisory I Global

Fördert Qualität und Effektivität in der Unternehmensberichterstattung und Prüfung. Fürsprecher für die Zukunft der Wirtschaftsprüfung. Leidenschaftlicher Läufer und Taucher.