7 Minuten Lesezeit 7 Januar 2021
Frau im Homeoffice

Warum Vielfalt in PE-Partner-Teams zu besseren Ergebnissen führt

Autoren
Sandra Krusch

Leiterin Private Equity Deutschland, Österreich, Schweiz

Private-Equity-Enthusiastin. Fördert die Integration neuer Technologien in die Beratung. Findet Motivation und Energie in der Familie, mit Freunden und beim Sport.

Susanne Dangir

Partner, International Tax and Transaction Services, Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Berät EY-Kunden bei allen steuerlichen Aspekten von Transaktionen. Begeistert von den ambitionierten EY-Kolleginnen und Kollegen sowie den verschiedenen Kulturen, in denen sie leben.

Silke Pettkus

CCTPE, HHL Leipzig Graduate School of Management

Chair of Financial Management, Center for Corporate Transactions & Private Equity, HHL Leipzig Graduate School of Management

Professor Dr. Bernhard Schwetzler

CCTPE, HHL Leipzig Graduate School of Management

7 Minuten Lesezeit 7 Januar 2021

Eine Studie zeigt den Einfluss von Diversität in Teams auf die Wertsteigerung von Private Equity-Portfoliounternehmen. Gerade soziodemografische Vielfalt punktet.

Überblick
  • Einer Studie von EY und dem CCTPE zufolge fördert eine hohe Diversität im Hinblick auf Geschlecht, Nationalität und Alter die Buyout-Leistung bei PE-Deals.
  • Während sich soziodemografische Vielfalt in Lead Partner Teams positiv auf die Leistung auswirkt, hat berufsbezogene Vielfalt einen nachteiligen Einfluss darauf.
  • Für komplexere Buyout-Deals gelten andere Regeln: Hier haben beide Diversitätsdimensionen positive Auswirkungen auf die Wertsteigerung.

Alternative Investment (AI) und Private Equity (PE) waren schon immer eindeutig männliche Bastionen. Vor etwa drei Dutzenden Jahren wurden diese vergleichsweise jungen Disziplinen des Finanzsektors von weißen Männern mit Erfahrungen in den Bereichen Investment Banking und Consulting gegründet. Seitdem hat sich nicht viel geändert. Bis zum heutigen Tag ziehen diese Dienstleistungen die gleichen Mitarbeiter an – was zu einer großen Homogenität führt.

Zwar geht die Dominanz von weißen Männern langsam zurück, doch laut dem Preqin Impact Report 2020 hat der Frauenanteil im Bereich AI die Marke von 20 Prozent noch immer nicht überschritten. Nur etwa 12 Prozent der Führungspositionen im Bereich PE sind von Frauen besetzt. Der prozentuale Anteil der Frauen, die Buyout-Geschäfte an der Spitze steuern, ist noch immer weit vom zweistelligen Bereich entfernt. Trotz dieser geringen Anteile könnte die Gleichstellung der Geschlechter sogar fast als Erfolgsgeschichte im Bereich Diversity betrachtet werden. Die Zahlen für ethnische Minderheiten unter den Venture-Capital-Investoren in den USA hingegen wirken mit nur 2 Prozent Hispanisch und weniger als 1 Prozent Schwarzen eher desillusionierend (gemäß Gompers und Kovvali, 2018).

Es gibt jedoch ernst zu nehmende Anreize, diese Strukturen schnell zu ändern. Eine aktuelle Studie von EY und dem Center for Corporate Transactions and Private Equity (CCTPE) an der HHL Leipzig Graduate School of Management zeigt eine Reihe positiver Effekte, die gemischte Lead Partner Teams auf die Wertsteigerung von PE-Portfoliounternehmen haben. Am bemerkenswertesten sind die positiven Effekte von geschlechtergemischten Teams.

  • Über die Studie

    Der Name des zugrunde liegenden akademischen Forschungsartikels lautet „The more the merrier? Diversity and Private Equity Performance“; dieser wurde von Benjamin Hammer, Silke Pettkus, Denis Schweizer und Norbert Wünsche erarbeitet und zur Publikation beim British Journal of Management angenommen. Die Forscher des CCTPE haben gemeinsam mit EY die zugrunde liegende empirische Stichprobe mit praktischen Erkenntnissen angereichert.

  • Über das Center for Corporate Transactions and Private Equity (CCTPE)

    Das CCTPE ist ein renommierter Think Tank für Private Equity Buyouts an der HHL Leipzig Graduate School of Management – einer der führenden Business Schools in Europa. Ziel des Think Tanks ist es, qualitativ hochwertige Forschungsergebnisse zu fördern und eine Plattform für renommierte Wissenschaftler und Branchenexperten zu bieten. Das CCTPE wurde 2017 mit der Unterstützung zahlreicher Unternehmen ins Leben gerufen, darunter EY, Andersch FTI, Astorius Capital, AssetMetrix, Börsen-Zeitung (WM Gruppe), Boston Consulting Group, CARLSQUARE, Hauck & Aufhäuser, Neuberger Berman, Nordic Capital, Palero Capital, Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom sowie ValueTrust Financial Advisors. Weitere Informationen zum CCTPE: www.hhl.de/cctpe

Die Sonnen- und Schattenseite der Diversität

Allerdings ist Diversity kein Selbstläufer: Die Studie legt nahe, dass die „Sonnenseite“ von Diversität zumindest teilweise durch eine „Schattenseite“ verdunkelt wird. Ein gemischtes Team hat auf der einen Seite zweifellos Vorteile: Durch die unterschiedlichen Hintergründe der einzelnen Teammitglieder verfügt es über breitere Perspektiven, die zu einer differenzierteren Entscheidungsfindung beitragen. Auf der anderen Seite können genau diese Unterschiede zu Kommunikationsbarrieren und möglichen Konflikten zwischen den einzelnen Beteiligten führen.

Um herauszufinden, welcher dieser gegensätzlichen Aspekte dominiert, haben die Forscher einen neuartigen, umfassenden Diversitätsindex eingeführt, der speziell auf die PE-Branche zugeschnitten ist. Sie haben die Vielfalt in PE Lead Partner Teams anhand verschiedener soziodemografischer und berufsbezogener Faktoren gemessen. Geschlecht, Nationalität und Alter sind Beispiele für Diversitätsdimensionen der ersten Gruppe. Fachliche Berufserfahrungen, akademische Bildung und Zugehörigkeit zu Universitätsnetzwerken zählen zu den Faktoren der zweiten Gruppe. Anschließend wurde der Index in Relation zur Buyout-Leistung gesetzt, die anhand der durchschnittlichen Wertsteigerung des Portfoliounternehmens während der Haltedauer gemessen wird (als durchschnittliche Überrendite gegenüber relevanter Vergleichsindizes öffentlicher Unternehmen im jeweiligen Land).

Diversität in Private Equity

5 %

der Lead Partner in den untersuchten Teams sind weiblich.

Ausgangsbasis der Forscher war eine Datenbank mit Daten von 17.094 weltweiten PE-Transaktionen, die zwischen 1997 und 2015 durchgeführt wurden. Namen der PE-Investment-Firmen, Land und Art der PE-Deals sind nur einige der Informationen, die in der Datenbank enthalten sind. Die endgültige Stichprobe umfasste 241 Leveraged Buyouts aus den 25 Ländern, die derzeit den Großteil des weltweiten Bruttoinlandsprodukts ausmachen. Sie umfasst vollständige demografische Informationen über die 547 beteiligten PE-Partner.

PE-Deals unter der Lupe

In der Stichprobe sind Frauen äußerst unterrepräsentiert – nur 5 Prozent der PE Lead Partner sind weiblich. Ein genauerer Blick auf die breite Basis der PE-Branche lässt erkennen, dass dieses Problem in absehbarer Zeit nicht verschwinden wird. Selbst bei den Positionen ohne Führungsverantwortung im PE-Bereich liegt der Frauenanteil bei gerade einmal 30 Prozent (Preqin Impact Report 2020).

Beschränkte Verbesserungsmöglichkeiten: Es gibt im Bereich PE nicht genügend Frauen in Positionen ohne Führungsverantwortung, um das Verhältnis in naher Zukunft zu ändern.“ Quelle: Preqin Impact Report 2020

Auch geografische Schwerpunktbildung ist in der PE-Welt zu beobachten. Der Fokus der untersuchten Stichprobe lag auf Europa. Es ist zu erkennen, dass zwei Drittel der Lead Partner aus Westeuropa, einschließlich des Vereinigten Königreichs, stammen. Ein Fünftel sind US-amerikanische oder kanadische Staatsbürger. Mit insgesamt 7 bzw. 5 Prozent sind Nordeuropa bzw. Süd- und Osteuropa repräsentiert. Der Anteil aus dem Rest der Welt beläuft sich zusammengefasst auf gerade einmal 3 Prozent.

Die Verteilung im Hinblick auf Altersklassen gestaltet sich ausgeglichener: 43 Prozent der Partner fallen in die Altersklasse zwischen 35 und 45 Jahren, 21 Prozent sind älter und 36 Prozent jünger.

Vorherige einschlägige Branchenerfahrung ist eher die Ausnahme. Nur 13 Prozent der Partner hatten operative Funktionen im gleichen Sektor wie das Portfoliounternehmen inne. 57 Prozent sind Experten aus dem Bereich Finanzdienstleistungen oder verfügen über sonstige nicht-operative Erfahrungen (z. B. im Rechtsbereich), 30 Prozent haben vorher nur die reine Beratungswelt kennengelernt. Die Universitätsabschlüsse unterstreichen das Bild: Drei Viertel der Partner haben eine betriebswirtschaftliche akademische Ausbildung.

Soziodemografische Diversität fördert Wertsteigerung

Wie wirkt sich diese Aufstellung auf die Wachstumsrate des Wertes des Portfoliounternehmens aus? Die Analyse zeigt einen eindeutigen Vorteil für Lead Partner Teams mit großer soziodemografischer Vielfalt. Eine Mischung aus Nationalitäten, Geschlechtern und Altersgruppen bringt eine Reihe unterschiedlicher Perspektiven mit sich, was sich wiederum positiv auf die Problemlösung auswirkt. Nachteile von Vielfalt, wie beispielsweise Ineffizienzen bei der Kommunikation oder der Koordinierung, scheinen für Teams mit großer soziodemografischer Vielfalt weniger beeinträchtigend zu sein.

Während sich soziodemografische Vielfalt, also eine Mischung aus Nationalitäten, Geschlechtern und Altersgruppen, positiv auf die Leistung von Lead Partner Teams auswirkt, hat Vielfalt der beruflichen Hintergründe einen nachteiligen Einfluss darauf.

In Teams mit unterschiedlichen akademischen und beruflichen Hintergründen hingegen überwiegen die Prozessmängel gegenüber den Vorteilen unterschiedlicher Perspektiven. Partner mit großer berufsbezogener Vielfalt sprechen nicht dieselbe „Fachsprache“, was die Transaktionsgeschwindigkeit, eine sehr wesentliche Dimension von PE-Erfolgspotenzialen, verlangsamt.

In PE-Teams, die sowohl im Hinblick auf soziodemografische als auch auf berufsbezogene Faktoren vielfältig sind, heben sich diese konträren Effekte gegenseitig auf.

Gegensätzliche Auswirkungen auf die Leistung: Während sich soziodemografische Vielfalt positiv auf die Leistung auswirkt, hat berufliche Vielfalt einen nachteiligen Einfluss darauf.

Transaktionskomplexität führt zu einer wesentlichen Ausnahme von der Regel

Die Forscher von EY und des CCTPE haben bei den oben dargelegten Ergebnissen jedoch eine wichtige Ausnahme festgestellt: Für komplexere Buyout-Deals gelten andere Regeln. Hier haben beide Diversitätsdimensionen positive Auswirkungen auf die Wertsteigerung. Unter diesen herausfordernderen Umständen scheinen das vielfältige Wissen und die diversen Perspektiven durch unterschiedliche Hintergründe, Kulturen und Erfahrungsebenen eines Teams die damit verbundenen Transaktionskosten aufzuwiegen. Die Bedeutung der Ausführungsgeschwindigkeit rückt in den Hintergrund und schafft Raum für unterschiedliche Ideen, die eine bestmögliche Problemlösung zum Ziel haben. 

Andere Regeln für komplexe Deals: In sehr schwierigen Ausgangssituationen werden alle Aspekte der Vielfalt zu Treibern überdurchschnittlicher Leistungen.

Geschlechtergemischte Team könnten den Unterschied machen

Der Studie zufolge fördert eine hohe Diversität im Hinblick auf Geschlecht, Nationalität und Alter die Buyout-Leistung. Bei einer genaueren Betrachtung des Geschlechteraspekts lässt sich feststellen, dass gemischte Lead Partner Teams im Durchschnitt rein männliche Teams in Bezug auf die Wertsteigerung bei Portfoliounternehmen übertreffen. Diese überdurchschnittliche Leistung wird in geschlechterdiversen Teams mit zusätzlich unterschiedlichen Nationalitäten noch deutlicher. Geschlechtergemischte Teams mit einem homogenen berufsbezogenen Hintergrund schneiden in der Stichprobe am besten ab.

Frauen sind im Bereich PE äußerst unterrepräsentiert. Geschlechtervielfalt könnte jedoch der Schlüssel zu überdurchschnittlicher Leistung sein.

Die Daten deuten auf eine simple Empfehlung für PE-Unternehmen hin: Wo auch immer es möglich ist, sollten Buyout-Teams im Hinblick auf Geschlecht, Nationalität und Alter vielfältig aufgestellt sein. Zudem ist es wichtig, die Komplexität eines Projekts zu berücksichtigen, um das Potenzial von Diversität optimal ausschöpfen zu können.

Co-Autoren: Susanne Dangir (Partner Transaction Tax Advisory, EY), Prof. Dr. Bernhard Schwetzler und Silke Pettkus (HHL Leipzig Graduate School of Management / Center for Corporate Transactions and Private Equity)

Fazit

Die Private-Equity-Branche ist bislang überwiegend männlich und westeuropäisch geprägt – förderlich für die Wertsteigerung bei Portfoliounternehmen ist das aber nicht. Eine Studie von EY und dem CCTPE zeigt eine Reihe positiver Effekte, die gemischte Lead Partner Teams auf die Leistung von PE-Portfoliounternehmen haben. Diversität soziodemografischer Faktoren, zum Beispiel Alter oder Herkunft, ist entscheidend, wobei insbesondere der Geschlechteraspekt hervorzuheben ist. Diversität der beruflichen und akademischen Hintergründe kann allerdings zu Kommunikationsbarrieren und langsameren Prozessen führen. Unter den herausfordernderen Umständen komplexerer Buyout-Deals scheinen positive Wertsteigerungseffekte durch das vielfältige Wissen und die diversen Perspektiven unterschiedlicher Hintergründe, Kulturen und Erfahrungsebenen eines Teams die damit verbundenen Transaktionskosten zu übersteigen.

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Sandra Krusch

Leiterin Private Equity Deutschland, Österreich, Schweiz

Private-Equity-Enthusiastin. Fördert die Integration neuer Technologien in die Beratung. Findet Motivation und Energie in der Familie, mit Freunden und beim Sport.

Susanne Dangir

Partner, International Tax and Transaction Services, Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Berät EY-Kunden bei allen steuerlichen Aspekten von Transaktionen. Begeistert von den ambitionierten EY-Kolleginnen und Kollegen sowie den verschiedenen Kulturen, in denen sie leben.

Silke Pettkus

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Professor Dr. Bernhard Schwetzler

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